Motocross
Pferdestärken im ehemaligen Kuhstall

Timo Graf aus Reinach steckt seinen Lohn in sein Hobby Motocross und verbringt viele Stunden in einem alten Bauernhaus.

Andreas Fretz
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Timo Graf vor dem ehemaligen Kuhstall in Reinach, der heute als Werkstatt dient. afr

Timo Graf vor dem ehemaligen Kuhstall in Reinach, der heute als Werkstatt dient. afr

«Ein Schlüsselbeinbruch ist wie eine Erkältung, die kommt und geht», sagt Timo Graf in ruhigem Tonfall, «jeden erwischt es mal.» Der Reinacher, der Mitte August 21 Jahre alt wird, war in seiner Karriere dreimal «erkältet».

Wenn er sagt, dass Verletzungen in seiner Karriere ein grosses Kapitel einnehmen, meint er nicht die Schlüsselbeinbrüche, sondern einen Unfall aus dem Jahr 2009. Graf brach sich den Oberschenkel und einen Rückenwirbel. Die Rega musste gerufen werden. «Ich hatte noch Glück im Unglück», sagt Graf, «es hätte auch schlimmer kommen können.» Seitdem ist sein Respekt gestiegen. Jener Respekt, der bei Risikosportarten wie Motocross stets mitfährt.

Schwierige Stellensuche

2007 wurde Graf Dritter der Schweizer Nachwuchsmeisterschaft. 2009 wiederholte er das Ergebnis in der Kategorie National (125 bis 250 ccm). In dieser Saison ist er in die Kategorie International Open (250 bis 450 ccm) aufgestiegen. Graf nennt es sein «Umsteigjahr». Im Wissen, dass er Zeit braucht, sich an die grössere Maschine mit 25 zusätzlichen PS zu gewöhnen. Und im Wissen, dass im Jahr der Lehrabschlussprüfung die Ausbildung und nicht der Sport im Vordergrund steht.

Seine Lehre hat der Polymechaniker soeben abgeschlossen. Nun sucht er eine Stelle, die sich optimal mit seinem Hobby vereinen lässt. In seinem Lehrbetrieb kann er zwar 100 Prozent und im Schichtbetrieb arbeiten. «Ideal wäre aber eine Anstellung zwischen 60 und 80 Prozent», sagt Graf, «dann könnte ich mich einerseits voll auf meinen Beruf und andererseits voll aufs Motocross konzentrieren.» Leicht ist die Stellensuche indes nicht. «Selbst Personalbüros haben bisher nichts Passendes gefunden», sagt Graf.

Erstes Töffli mit sieben Jahren

Wenn Timo Graf nicht im Betrieb oder auf der Rennstrecke ist, findet man ihn meist in einem alten Reinacher Bauernhaus, das in eine Werkstatt umfunktioniert wurde. Dort, wo früher die Kühe standen, stehen heute die Motorräder von Timo und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Kim, der in der Kategorie National fährt. Viel Zeit und Aufwand wurde in die Schüür investiert, welche die Grafs seit Februar gemietet haben. «Zuvor diente der hauseigene Keller als Werkstatt», sagt Graf, «doch es war eng und das Licht schlecht.»

Mit 7 Jahren erhielt Graf sein erstes Töffli. «Mit 12 wurde es ernster», sagt er, «und mit 16, als ich realisierte, dass ich etwas erreichen kann, kamen die Ambitionen.» An den Rennwochenenden ist er mit Vater Ruedi und Mutter Maya, Bruder Kim, Mechaniker Patrik Hediger und Trainer Rolf Denzler unterwegs. Das Budget pro Saison beträgt rund 40000 Franken. Getragen wird es von den Eltern, von diversen Sponsoren und von Timo Graf selbst. «Seit ich in die Lehre gehe, habe ich meinen Lohn ins Motocross gesteckt», sagt der Yamaha-Fahrer. Abstriche macht er bei seinem Auto. «Ich fahre einen 30-jährigen Fiat», sagt Graf. Einen Ausweis für einen Strassen-Töff besitzt er nicht. «Solange ich die Lizenz zum Motocross-Fahren habe, muss ich nicht auf die Strasse», sagt er. Die Strasse sei ihm zu gefährlich.

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