Die Medien nennen es den Super-GAU, der Skiverband wirbt mit dem Slogan «Rettet den Schweizer Skistar vor dem Aussterben» für seine Sammelaktion zugunsten besserer Strukturen beim Nachwuchs. Die Ski-Schweiz liegt am Boden. Auch die Nordischen beenden die WM in Oberstdorf mit einer katastrophalen Bilanz.

Und nun soll also ausgerechnet ein Aargauer den Berglern beibringen, wie man es besser macht. Wie man erfolgreich Ski fährt. Kann das gut kommen?

Es kam gut. Dezember 2017: Peter Läuppi sitzt entspannt im Wohnzimmer seines Hauses in Beinwil am See. Hier lebt der 53-Jährige mit seiner Frau und dem zehnjährigen Sohn. Läuppi zieht Bilanz über seine Tätigkeit bei Swiss Ski. Er tut dies mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein. Vor ihm liegt eine Analyse, die Bernhard Russi nach der Heim-WM im Frühjahr in St. Moritz für die Zeitung «Blick» geschrieben hat. Der Titel lautet: «Wir sind eine grosse Ski-Nation».

Basis für die Trainer gelegt

Welch Kontrast zu 2005. Läuppi weiss, dass er sich einen Teil des Kuchens abschneiden darf. Als Taktgeber hinter den Kulissen schuf er mit seiner Ausbildungsstruktur die Basis für die Trainerarbeit, entwickelte ein Ausbildungssystem, schuf Lehrmittel und verantwortet das «Racing-Konzept», welches die Philosophie in der Arbeit mit den Athleten während eines vierjährigen Olympiazyklus definiert. Auch die heutige Struktur mit 3 nationalen und rund 25 regionalen Leistungszentren hat er entscheidend mitgestaltet. «2005 war die Kombination Sport und Schule noch kein Thema», sagt er rückblickend.

«2005 war die Kombination Sport und Schule noch kein Thema»

«2005 war die Kombination Sport und Schule noch kein Thema»

Nach insgesamt zwanzig Jahren verlässt er das gemachte Nest im Verband Swiss Ski, um für die letzten Berufsjahre nochmals eine neue Herausforderung zu suchen. Er tut dies mit dem guten Gefühl, dass die Skination Schweiz im alpinen Bereich derzeit auf allen Stufen – Weltcup, Europacup, Nachwuchs – Weltspitze verkörpert und dass der Verband in praktisch allen elf Sportarten mit Medaillenkandidaten zu Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften fährt. «Wir sind auf allen Ebenen zurück», sagt Peter Läuppi.

Trainer von Schneider und Nef

Damals, in der monumentalen Schweizer Skikrise von 2005, war es der Chef Leistungssport Gian Gilli, der sich an den Aargauer erinnerte. Jenen ehemaligen Trainer, der von 1990 bis 1997 als Trainer im Nachwuchs und des Frauen-Nationalteams schon einmal hervorragende Arbeit leistete. Läuppi begleitete Fahrerinnen wie Vreni Schneider und Sonja Nef an die Weltspitze.

Der Aargauer zeigte bereits damals besondere Stärken in der Analyse und der Konzeptarbeit. Als Ausbildungschef griff er dann 2005 für die technische Ausbildung der Athleten auch zurück auf die fünf «Racing Basics», mit denen er bereits bei Schneider und Nef erfolgreich war. Die aufkommenden Carvingski hatten dazu verleitet, in der Grundtechnik vieles zu vernachlässigen. Zu oft wurde nur kopiert, meistens von den dominierenden Österreichern.

Läuppi setzte als Ausbildungschef wieder selber Trends. Letztlich kopierte auch er ... sich selber. Aber der Aargauer liess sich durch kurzfristige Strömungen nicht verrückt machen. Er erkannte, welche Fähigkeiten einen schnellen Skifahrer ausmachen – unabhängig von Skilänge oder Taillierung der Ski. «Die fünf Punkte der Grundtechnik müssen stimmen. Nur auf diesen baut sich die Individualität des einzelnen Athleten auf», sagt er noch heute mit Nachdruck.

Die Wissenschaft

Als er die Technikschwerpunkte ins Ausbildungsprogramm der Skilehrer schrieb, stiess Läuppi zuerst auf beträchtliche Skepsis. Zugute kam ihm sein zweites Aufgabengebiet bei Swiss Ski. Als Forschungsverantwortlicher suchte er früh die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, stiess Projekte mit Universitäten an. «Erst als wir den Skilehrern und den Trainern die These quasi belegen konnten, war das Eis gebrochen», sagt der Seetaler, der selbst eine passable Europacup-Karriere als Skifahrer in den Schnee legte.

Noch heute pocht Läuppi trotz aller Entwicklungen in Sachen Dynamik und Athletik auf das Repetieren der Grundtechniken auch auf Weltcupstufe. Er nennt als Beispiel den Leichtathleten Usain Bolt, der sich ebenfalls mit einfacher Laufschule auf seine fabelhaften 100-Meter-Läufe einstimmt.

600 Trainer ausgebildet

Die Schlichtheit des technischen Erfolgsrezepts wird gestützt und begleitet durch die komplexen Errungenschaften der Forschung. In Zusammenarbeit mit der EPFL Lausanne wurde zum Beispiel ein Messsystem entwickelt, damit die Trainer heute im Training eine ebenso präzise wie umfassende Leistungsdiagnose der Fahrten der Athleten erstellen können. So werden minimale technische Fehler bereits im Ansatz korrigiert.

Peter Läuppi

Peter Läuppi

Die heutige Generation der Fahrer zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie sehr stabil und zentral auf dem Ski steht. Auch dies ist mit ein Verdienst von Läuppis Arbeit im Hintergrund, der in den letzten zwölf Jahren rund 600 Nachwuchstrainer mit diesem System ausgebildet und dabei auch immer einen grossen Wert auf die Athletik gelegt hat.

Der letzte grosse Wurf von Läuppi sind die neuen Ausbildungsunterlagen für Kinder. Mit den «Swiss Ski Skills» will der Verband die Begeisterung bei den Kleinsten für den Skisport wecken. Comics, Kleber und einfache Rezepte für die ersten Schritte im Schnee bilden die Basis. Die «Abschlussarbeit» von Läuppi dient auch als Grundlage bei Jugend und Sport.

Offen für eine neue Aufgabe

Und nun also sucht Peter Läuppi nochmals eine Betätigung, in welcher er seine Spuren hinterlassen kann. Wie damals 1997, als er schon einmal bewusst Abstand vom Wanderzirkus Skiweltcup suchte und für acht Jahre als Chef Rollstuhlsport zur Schweizer Paraplegiker-Vereinigung wechselte. Bei Swiss Ski ist er noch bis Ende März angestellt. Er darf sich aber die Zeit nehmen, um seine berufliche Zukunft in die Hand zu nehmen.

Dank seinem grossen Netzwerk haben sich bereits einige Türen einen Spalt weit geöffnet. «Es könnte eine spannende Sache werden», sagt er. Grundsätzlich sei er für vieles offen. Vielleicht ein Leistungszentrum mitentwickeln, im Ausbildungsbereich eines Verbandes arbeiten oder als selbstständiger Berater Projekte begleiten. Der Sport auf jeden Fall soll weiterhin im Mittelpunkt stehen. Dort ist Peter Läuppi zuhause.