Eishockey
Peter Küng: Der Eismann und die Reise in die Wüste

Die frohe Botschaft kam vom Schiedsrichterchef höchstpersönlich. Reto Bertolotti nahm vergangene Woche Kontakt mit dem Reinacher Linesman Peter Küng auf und fragte ihn, ob er Ende April am vierten Asia Cup in Kuwait mit dabei wäre.

Ruedi Kuhn
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Kein Offside! – Linesman Peter Küng hat beim Eishockey nicht nur die blaue Linie im Griff. KEY/Karl Mathis

Kein Offside! – Linesman Peter Küng hat beim Eishockey nicht nur die blaue Linie im Griff. KEY/Karl Mathis

Küng freute sich riesig über die Anfrage, überlegte nicht lange und sagte: «Ein Eishockey-Turnier in Kuwait? Das ist doch super. Mir bedeutet die Teilnahme an solch grossen Anlässen sehr viel. Sie sind für mich so etwas wie die Zückerchen einer langen Karriere. Für diese Highlights», so Küng weiter, «nimmt man den Stress der Trainings und der Ernsteinsätze gerne in Kauf.»

Ein Leben fürs Eishockey

Küng hat dieses Zückerchen zweifellos verdient. Freundin Marianne hin, Sohn Joel her; sein Leben ist seit einem Vierteljahrhundert auf Eishockey ausgerichtet. Der bald 42-Jährige leitet seit zehn Jahren Partien der höchsten Spielklasse und brachte es auf mehr als 500 Einsätze. Mit an seiner Seite ist Roger Arm aus Wattenwil.

Am Samstag war Küng beim zweiten Playoff-Final zwischen Kloten und dem HCD im Einsatz, vorgestern Dienstag reiste das Duo zusammen mit den beiden Heads Kurmann und Massy in die Valascia und leitete den kleinen Knüller der Ligaqualifikation zwischen Ambri und Visp (3:2). Das Quartett startete am frühen Nachmittag mit der Reise in die Südschweiz.

Weit nach Mitternacht war der 17-Stunden-Tag zu Ende. Küng nimmt diese Strapazen in erster Linie aus Freude am Sport auf sich. Finanzielle Interessen können es nicht sein: Für das Spiel in Ambri erhielt Küng eine Pauschale von rund 600 Franken. Im Vergleich zu den Salären der Spieler ist dieser Betrag ein Pappenstiel.

15 Jahre Verteidiger bei SC Reinach

Für Küng ist Eishockey die grosse Leidenschaft. Der 1.91 Meter grosse und 100 Kilogramm schwere Hüne war während 15 Jahren Verteidiger beim SC Reinach. Seit 20 Jahren ist er Nachwuchstrainer im Verein und sorgt während der Ausbildung der Piccolos und Bambini für strahlende Gesichter. 1986 begann er seine Tätigkeit als Nachwuchsschiedsrichter und pfiff der Reihe nach in der 4., 3. und 2. Liga. 1993 wurde er Linesman und schaffte 2000 den Sprung in die Nationalliga B.

Ein Jahr später leitete er bereits Partien der höchsten Spielklasse. Seit 2003 hat er das internationale Abzeichen. Das erste grosse Spiel leitete er im April 2004, als Lugano in der Finalissima vor eigenem Publikum dem SC Bern unterlag.

Als unvergessliche Erlebnisse bezeichnet er die fünf Teilnahmen am Spengler Cup in Davos. «Vor allem deshalb», so Küng, «weil ich meine Familie ins Bündnerland mitnehmen durfte.» Was aber ist mit negativen Erfahrungen in seiner Laufbahn? Küng lächelt und sagt: «Auf die Tiefschläge habe ich immer so reagiert wie im Militär. Ich habe sie einfach weggesteckt.» Küng ist durch und durch Profi. Ob Sport, ob Beruf; ohne Eis läuft bei ihm gar nichts Kein Wunder also, dass der gelernte Maschinenmechaniker seit 1997 als Eismeister und seit 2009 als Betriebsleiter der Kunsteisbahn Oberwynental in Reinach tätig ist.