Schwingenfest

Perfekte Lockvögel: Joel Strebel und Andreas Döbeli ziehen die Bösen an

Der Schwingklub Freiamt hat mit Andreas Döbeli und Joel Strebel gleich zwei neue Eidgenossen herausgebracht. Die Freiämter gehören nun zu den Bösen der Schweiz. Für den Erfolg nehmen sie einiges auf sich.

Manchmal gehen sie fremd. Aber alle wissen es und finden es gut.

Joel Strebel geht dann nach Einsiedeln. Andreas Döbeli nach Kirchberg. Wer zu den Besten gehören will, muss mit den Besten trainieren. Und die sind oft in der Innerschweiz oder im Kanton Bern zu finden. Josef Reichmuth, Technischer Leiter im Schwingklub Freiamt und damit für die Trainings der beiden neuen Eidgenossen verantwortlich, versteht es, wenn sich die Aushängeschilder auswärts einen zusätzlichen Schliff holen.

«Das braucht es, um an die Spitze zu kommen», sagt er. Aber Reichmuth hat auch die Hoffnung, dass künftig andere zu ihm ins Training kommen. Mit Strebel und Döbeli hat er nun selbst jeden Mittwoch zwei Eidgenossen in der Schwinghalle in Aristau, mit denen sich andere messen könnten, um stärker zu werden. Es ist quasi der Ritterschlag für einen Klub, wenn Fremde kommen und ihr Glück suchen. Und die neuen Eidgenossen sind die perfekten Lockvögel.

Die Suche nach Erklärungen

Obwohl fremdgehen ja eigentlich nicht stimmt. Rivalitäten gibt es nur im Wettkampf. Daneben sind Gäste immer willkommen. «Man arbeitet gerne zusammen», sagt Strebel. «Um selber besser zu werden, sind diese Trainings wichtig», sagt Döbeli.

So wichtig diese Duelle mit den «Bösesten» sind, die Basis wird zu Hause gelegt. Und das sehr erfolgreich. Von den acht besten Nordwestschweizern am Eidgenössischen in Zug gehören vier dem Schwingklub Freiamt an. Neben den neuen Eidgenossen Joel Strebel und Andreas Döbeli sind es dessen Bruder Lukas (als 13. der fünftbeste Nordwestschweizer) und Yanick Klausner (als 16. achtbester).

Wie ist dies erklärbar? «Ich wüsste nicht, dass wir etwas ganz anders machen als andere Klubs», sagt Reichmuth. Rund um Strebel und die Döbelis habe sich aber eine Gruppe gebildet, «die seit jungen Jahren professionell trainiert. Kommt hinzu, dass sie sich gegenseitig pushen.»

Auch Andreas Döbeli hat keine genaue Erklärung: «Vielleicht ist es Talent, vielleicht ist es die gute Betreuung. Wir trainieren gut – das ganz bestimmt.» Dazu gehört auch, dass sie zweimal in der Woche ins luzernische Gunzwil fahren. Dort hat der ehemalige Bob-Anschieber Tommy Herzog sein Trainingszentrum. «Die Stunden bei ihm zahlen wir selbst. Es ist ein rechter Betrag, der zusammenkommt», sagt Döbeli. Wie viel genau, sagt er nicht.

Spitzenschwingen oder Bier nach dem Training

Die Investition scheint sich zu lohnen – und Tommy Herzog scheint etwas vom Schwingen zu verstehen. Christian Stucki ist ebenfalls Kunde des Aargauers. Der neue König habe sich seither enorm verbessert, sagen Experten. Vor allem im Bereich der Einstellung. Im Bereich der Selbstmotivation und des Ehrgeizes.

Wie gut Herzog auf seine Kunden eingeht, bestätigt auch Döbeli: «Ich war drei Jahre lang bei einem Mentaltrainer. Die Arbeit mit Tommy bringt viel mehr.» Auch Strebel schwärmt ähnlich von den Fähigkeiten des Trainers.

Doch zurück nach Aristau, ins Training des Schwingklubs Freiamt. Ist es bald ein Spitzensportverein? Strebel winkt ab. «Es gibt in jedem Schwingklub solche, die es in erster Linie geniessen und sich vor allem auf das Bier nach dem Training freuen. Aber das ist auch gut so.» Denn nur mit den Besten zu trainieren, kann sogar gefährlich sein. Andreas Döbeli sagt: «Wenn du dich immer mit Topleuten misst, verlernst du fast ein wenig, wie es ist, gegen durchschnittliche Gegner zu schwingen.»

Auch Reichmuth sagt: «Es gibt immer die Schwinger, die für den Erfolg mehr tun.» Zum Beispiel auch einmal fremdgehen.

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