Der Flugkopfball von Patrick Rossini aus sechs Metern zappelt im Netz. Der Mittelstürmer des FC Aarau steht auf, reisst die Arme in die Höhe, schüttelt seine Teamkollegen ab und sprintet mit Vollgas in Richtung der Ersatzspieler. Dort schnappt er sich Edelreservist Marco Schneuwly, umarmt ihn und feiert mit ihm das Tor zum 1:0.

«Der Jubel mit Marco war eine spontane Idee», sagt Rossini. «Es war mein erster Gedanke nach dem Tor. Ich wollte meine Glücksgefühle mit ihm teilen und ihm zeigen, wie wichtig er für uns ist. Ich habe nun mal ein grosses Herz. Für einen Stürmer ist es nicht leicht, wenn er keine Bälle bekommt oder das Ziel immer und immer wieder um ein paar Zentimeter verfehlt. Jeder macht mal eine Durststrecke durch. Marco gibt in den Trainings und in den Spielen alles. Er hat einen starken Charakter und arbeitet extrem viel für die Mannschaft.»

Auch Rossini kennt schwierige Zeiten

Damit es allen klar ist: Nicht Marco Schneuwly hat den Siegestreffer gegen Wil erzielt, nein, der Torschütze heisst Patrick Rossini. Und dieser Patrick Rossini machte zuletzt genauso wie sein Stürmerkollege schwierige Zeiten durch.

Ein Kreuzbandriss warf Rossini aus der Bahn. Und als der FC Aarau in der Rückrunde der vergangenen Saison durchstartete, aus 18 Spielen 41 Punkte holte und sich den Barrage-Platz sicherte, sass Rossini trotz guter Leistungen in den Trainings meistens auf der Ersatzbank. Und wie das nun so läuft im Fussball, stellte sich der eine oder andere Kritiker folgende Fragen: Ist die Zeit von Rossini vorbei? Ist die Profikarriere zu Ende? Ist Schluss mit lustig?

Ein Befreiungsschlag

Rossini hat die Kritiker fürs Erste verstummen lassen. Der 31-jährige Mittelstürmer hat die Antwort auf dem Platz gegeben. Sein zweiter Saisontreffer führte die Aarauer gegen die Ostschweizer auf die Siegesstrasse.

Schliesslich blieb es beim 1:0. Eine Szene war entscheidend. Eine Szene reichte der Mannschaft zum Sieg. Ein Sieg, der nach drei Niederlagen in Folge einem Befreiungsschlag gleichkommt und vor der dreiwöchigen Meisterschaftspause für das Selbstvertrauen enorm wichtig ist. Die Punkte fünf, sechs und sieben im sechsten Spiel lassen die Pleiten gegen Chiasso (2:4) und Lausanne (1:5) schon fast vergessen.

Der Trainer lobt den Erfolg des Kollektivs

Zufrieden war natürlich auch Patrick Rahmen. «Das Schönste an diesem 1:0 ist der solidarische Auftritt der Mannschaft», sagte der Trainer des FC Aarau. «Jeder hat für den andern gekämpft. Keiner war sich zu schade, weite Wege zu gehen. Und als es in der zweiten Halbzeit nicht mehr so rund lief, hat das Team den knappen Vorsprung gemeinsam verteidigt. Und natürlich ist der Gewinn der drei Punkte wichtig. So haben wir den Anschluss an die Spitzenteams nicht verloren.»

Logisch, dass es in den Reihen des FC Aarau nach dem in der Schlussphase erzitterten Erfolg nur strahlende Gesichter gab. Mag sein, dass die Mannschaftsleistung über allem stand. Dennoch gibt es einige Spieler, die man hervorheben darf. Da ist zum einen der 18-jährige Torhüter Nicholas Ammeter, der zum ersten Mal in dieser Saison kein Tor kassierte.

Und da ist zum Zweiten der 20-jährige Kosovare Donat Rrudhani. Der Flügelstürmer ging teilweise ab wie eine kleine Rakete und bereitete den einzigen Treffer des Spiels vor. Und da ist zum Dritten der 22-jährige Kevin Spadanuda, der während seines rund 30-minütigen Teileinsatzes vielversprechende Ansätze zeigte und für frischen Wind im Spiel sorgte.

Viel Lust auf Fussball

Kommen wir zu guter Letzt nochmals auf Patrick Rossini zurück. Schliesslich war er es, der nach 24 Minuten für das Highlight des Abends sorgte. Er hat noch grosse Ziele. «Ich habe nach wie vor viel Lust auf Fussball», sagt er. «Mit 31 Jahren ist man im besten Alter.»

Weil das so ist, kann er es sich durchaus vorstellen, den im nächsten Sommer auslaufenden Vertrag mit dem FC Aarau zu verlängern. «Aber für solche Gespräche ist es noch zu früh», erklärt Rossini. «Zuerst will ich in den nächsten Spielen beweisen, was ich noch draufhabe.»

Mal schauen, wie lange sich Rossini mit dem dritten Saisontreffer Zeit lassen wird.