Fussball
Patrick Rossini: Mit dem torgefährlichen Kampfschwein ging beim FC Aarau wieder die Sonne auf

Der FC Aarau bleibt im Jahr 2016 weiterhin ungeschlagen – auch dank Neuzugang und Goalgetter Patrick Rossini.

Mira Güntert
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Aarau - Wil
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Jubel beim FC Aarau nach dem 2:0 durch Patrick Rossini.
Die Fans mit einer klaren Botschaft.

Aarau - Wil

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Kühl ist es im Brügglifeld, vereinzelt gehen Spaziergänger mit Hunden an Aaraus Herzensstätte vorbei. Eine Krähe pickt sich durch Überreste von Plastikbechern und Servietten. Über ihr ein milchiges Himmelsdach – die Sonne, die noch am Sonntag ein heiteres Frühlingserwachen hervorgerufen hat, ist gestern Morgen nur zu erahnen.

Mit Rossini ging beim FC Aarau die Sonne auf

Davon lässt sich Patrick Rossinis Stimmung nicht trüben. Der Stürmer, der dem FC Aarau mit seinem Doppelpack zum 2:1-Sieg gegen Ligakrösus Wil verholfen hat, steht gute zwölf Stunden später in bester Laune wieder in den Katakomben im Brügglifeld. Die Mannschaft wurde zum Lauftraining im nahegelegenen Wald aufgeboten.

Seit zwei Monaten gehört Patrick Rossini nun schon dem FCA-Kader an. In dieser Zeit hat sich einiges getan – mit ihm und um ihn ist quasi die Sonne aufgegangen. Vom letzten Tabellenplatz hat sich Aarau seit der Winterpause auf den vierten Rang hochgearbeitet und steht im 2016 nach wie vor ohne Niederlage da.

Rossini, der sich in sieben Spielen schon fünf Tore gutschreiben lassen durfte, entfaltet sich wie erhofft zu jenem Torjäger, den man die ganze Vorrunde vermisste – weil er nicht existierte. «Als ich zum letztplatzierten Aarau kam, dachte ich, die Moral im Team sei völlig kaputt. Doch ich hatte mich geirrt – die Mentalität der Mannschaft ist super, wir gehen den Weg gemeinsam.»

Wohin soll der Weg denn führen? Darf, obwohl Leader Lausanne aktuell zwölf Punkte vor Aarau liegt, mit der ganz grossen Aufholjagd spekuliert werden? «Wir nehmen Match für Match und denken noch nicht zu viel», sagt Rossini in diplomatischer Manier.

Gut im Aargau eingelebt

Auch über seine Zukunft beim FCA wagt sich Rossini mit keiner Aussage aufs Glatteis. Bleibt er? Bleibt er nicht? Das Leihgeschäft zwischen Aarau und dem FC Lugano läuft Ende Saison aus. Doch der FCA hat eine Option auf Verlängerung. «Bis Ende April wird entschieden, ob ich bleiben kann.» Der Tessiner macht offensichtlich kein Geheimnis daraus, dass er gern bleiben würde. Der 27-Jährige wohnt mittlerweile mit seiner Frau und den beiden Kindern in Buchs. «Das Wetter im Tessin ist zwar meist schöner als hier», witzelt Rossini, «doch es gefällt mir sehr gut. Es ist ähnlich wie in Schaffhausen.» In der Munot-Stadt avancierte er in der Saison 2013/14 zum Challenge-League-Topskorer (22 Treffer).

Der zweifache Torschütze Patrick Rossini holt sich bei der Ersatzbank das verdiente Lob ab.

Der zweifache Torschütze Patrick Rossini holt sich bei der Ersatzbank das verdiente Lob ab.

Steffen Schmidt/freshfocus

Rossini ist aber nicht der einzige Torverantwortliche im FCA-Dress. Bereits zum vierten Mal in Folge setzte Cheftrainer Marco Schällibaum am Sonntag auf einen Doppelsturm. Mit Erfolg. Denn mit Rossini und dessen Partner Mart Lieder an der Spitze der Aarauer Formation reihten sich zuletzt vier Siege aneinander.

Auch Rossini fällt die positive Entwicklung auf. «Mir gefällt das Spiel mit einem Doppelsturm besser als mit einer einzigen Sturmspitze», sagt er. Am neu gewonnenen Erfolg ist aber auch Lieder beteiligt. Der Holländer, dem in der Vorrunde noch das Image des Fehleinkaufs, gar des Versagers anhaftete, scheint nun doch noch die Kurve gekriegt zu haben. Obwohl er in 21 Spielen erst zwei Tore erzielen konnte, hat sich sein Einfluss aufs Spielgeschehen massiv erhöht. «Lieder leistet sehr gute Arbeit», lobt Rossini, «unser Zusammenspiel wird immer besser.»

«Ich kann nicht allein gewinnen»

«Ich kann nicht allein gewinnen», sagt Rossini. «Ich brauche das ganze Team.» Erstaunlich offen fügt er an: «Ich bin kein starker Spieler. Ich bin nicht wie Carlinhos oder andere Spieler, die viele Qualitäten haben. Aber ich habe immer gekämpft für meine Karriere.» Dass im Tessiner ein Kämpferherz schlägt, wird ersichtlich, wenn man ihn auf dem Platz beobachtet. Er läuft auf seiner Position ein Pensum wie kaum ein anderer und widersetzt sich keinem Zweikampf. Übrigens: Marc Wilmots wurde während seiner Aktivzeit von den Fans von Schalke 04 als «das Kampfschwein» bezeichnet.

Patrick Rossini «Ich bin kein starker Spieler. Ich bin nicht wie Carlinhos oder andere Spieler, die viele Qualitäten haben. Aber ich habe immer gekämpft für meine Karriere.»

Patrick Rossini «Ich bin kein starker Spieler. Ich bin nicht wie Carlinhos oder andere Spieler, die viele Qualitäten haben. Aber ich habe immer gekämpft für meine Karriere.»

Andy Mueller/freshfocus

Er war dafür bekannt, in jedem Spiel vollen Einsatz zu leisten. Nun könnte Rossini den Namen des heutigen belgischen Nationaltrainers übernehmen – quasi als Schweizer Pendant. Im Leben von Rossini, der das Team als verschworene Einheit sieht, als eine Truppe, die gemeinsam Höhen und Tiefen durchlebt, gibt es aber etwas, das eine noch höhere Priorität geniesst: seine Familie. Für den FCA bleibt zu hoffen, dass diese ihren persönlichen Helden zu weiteren Höhenflügen anspornen wird. Im Spitzenkampf gegen Lausanne am 4. April bietet sich bereits die Möglichkeit.