Der Schlusspfiff: 0:2 verloren! Patrick Rahmen bleibt erst in der Coaching-Zone stehen, läuft dann gedankenverloren in Richtung Spielfeld. Die tröstenden Worte von FCA-Präsident Alfred Schmid und Sportchef Sandro Burki scheinen an ihm abzuprallen. Der 49-Jährige zeigt keinerlei Emotionen, der Frust scheint ihm ins Gesicht geschrieben. Aber wie ist sein Gemütszustand tatsächlich?

«Ich bin enttäuscht», sagt er. «Der FC Aarau hat eine starke Leistung gezeigt, einen Riesenaufwand betrieben und steht am Ende mit leeren Händen da. Aber es gibt nun mal keine Gerechtigkeit im Fussball.» Rahmen will nicht mit dem Schicksal hadern, sondern den Tatsachen ins Auge schauen.

Challenge League, 2018/19, 1. Runde, FC Aarau - Servette, 0:2, Highlights

  

Für die Verarbeitung von Niederlagen braucht er weder einen Mentaltrainer noch eine Seelenmassage. Verlorene Spiele werden analysiert. Und aus der Analyse wird die eine oder andere Lehre gezogen. Danach aber schaut Rahmen nach vorne, nur nach vorne.

So sitzt Rahmen eine Stunde nach dem Abpfiff mit Assistenztrainer Marco Walker und Sportchef Sandro Burki in einem Büro im Brügglifeld und sieht sich die entscheidenden Szenen der Partie gegen Servette an. Rahmens Schlussfolgerung trifft den Nagel auf den Kopf. «Dieses Spiel hätten wir nie und nimmer verlieren dürfen», sagt er.

Weil das so ist, war er während der kurzen Trainingseinheit am Sonntag nicht in erster Linie als Trainer, sondern vor allem als Psychologe gefordert. Nach einer solch bitteren Pille müssen vor allem junge Spieler wie Raoul Giger, Mats Hammerich und Varol Tasar moralisch aufgerichtet werden.

Am Freitag gegen Winterthur

Nach dem 0:2 gegen Servette kommt es für die Aarauer am nächsten Freitag zum Auswärtsspiel in Winterthur. Die Zürcher haben ihr Auftaktspiel in Wil ebenfalls 0:2 verloren. So treffen also zwei Verlierer der ersten Runde aufeinander. Bleibt die Frage, was sich Rahmen für das zweite Spiel auf der Schützenwiese einfallen lässt.

Bleibt er seiner Linie treu und setzt auf die Karte Offensive? Oder stellt er eine Mannschaftauf, die etwas resultatorientierter, sprich abgeklärter und vorsichtiger spielen wird? Eine weitere Niederlage vor dem Heimspiel gegen den Aufsteiger SC Kriens würde den Druck auf den Trainer und das Team erhöhen.

Bleibt zu guter Letzt eine erfreuliche Nachricht: Der FC Aarau kann aus den verbleibenden 35 Meisterschaftsspielen noch 105 Zähler holen. Um diese zugegebenermassen hohe Punktzahl nicht aus den Augen zu verlieren, muss er allerdings erst einmal Winterthur schlagen. Und das wird nach der unglücklichen Niederlage gegen Servette schwer genug.