Bis zum Samstag kämpfen die besten Rollstuhl-Athleten Europas in Wales um den Europameistertitel. An die letzte EM der Rollstuhl-Leichtathletik 2012 in Stadskanaal(Ho) hat Patricia Keller gute Erinnerungen. Im Rennen über 800 Meter siegte sie damals sensationell und holte sich Gold. Somit reist die Waltenschwilerin dieses Jahr als Titelverteidigerin nach Wales. Die 24-Jährige weiss aber, dass sie trotzdem nicht zu den Favoriten zählt: «Der Erfolg an der letzten EM ist nicht allzu hoch einzustufen, da das Turnier im gleichen Jahr der Paralympischen Spiele stattfand. Aufgrund dessen fehlten die besten Athleten und ich hatte leichtes Spiel.» Aufs bisherige Karriere-Highlight angesprochen, spricht Keller deshalb nicht von EM-Gold, sondern der Qualifikation ebendieser Paralympics. «In London antreten zu dürfen, war ein Traum, der in Erfüllung ging», strahlt sie.

Persönliche Bestleistung als Ziel

Da die Paralympics erst 2016 wieder stattfinden, werden an den diesjährigen Europameisterschaften auch alle Elite-Athleten mit von der Partie sein. Die Aargauerin scheint das nicht gross zu beeindrucken, sie will voll auf die Karte Angriff setzen. «Ich habe mich optimal auf die Europameisterschaften vorbereitet, trainierte bis zu sieben Mal in der Woche – physisch und mental. Wenn Bahn und Tagesform stimmen, werden wir sehen, was drinliegt», gibt sie sich angriffslustig. Ein Rang-Ziel will sich Keller aber nicht setzen: «Mein primäres Ziel ist, meine persönlichen Bestzeiten zu erreichen, oder gar zu schlagen». Die geforderte EM-Limite erreichte Keller zum ersten Mal im englischen Stoke Mandeville, danach konnte sie die Limite auch in der Schweiz mehrmals bestätigen.

Zufriedenheit im Detailhandel

Patricia Keller, die in Waltenschwil aufgewachsen ist, wohnt heute in einem Studio des Paraplegikerzentrums in Nottwil – von dort ist sie auch schnell an ihrem Arbeitsplatz. Keller absolviert ein Praktikum in einem Discountergeschäft in Nottwil und freut sich auf eine anschliessende Festanstellung. «Mir gefällt der Detailhandel sehr. Ich sehe meine berufliche Zukunft in diesem Business», sagt sie.

Ob sie bald auch sportlich wieder Grund zur Freude hat, wird sich an den Leichtathletik-EM in Wales zeigen, wo sie über 400 Meter, 800 Meter, 1500 Meter und 5000 Meter an den Start gehen wird. Das nötige Selbstvertrauen fehlt Keller jedenfalls nicht. «Ich bin bereit und will voll angreifen», sagt sie selbstbewusst.