Fussball
Otele Mouangue: Einer, der ins beschauliche Aarau passt

Der neue FC Aarau-Stürmer Otele Mouangue hat sich in der neuen Umgebung schnell eingelebt. Sein Heimweh nach Kamerun kann der 24-Jährige aber nicht verbergen.

Fabio Baranzini
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Otele Mouangue ist im Brügglifeld angekommen: «Ich glaube, dass wir etwas erreichen werden, das man von uns nicht erwartet.» fba

Otele Mouangue ist im Brügglifeld angekommen: «Ich glaube, dass wir etwas erreichen werden, das man von uns nicht erwartet.» fba

Fabio Baranzini

Otele Mouangue ist 24, Stürmer und kommt aus Kamerun. Vor zwei Jahren wechselte er zum FC Wil und absolvierte 25 Spiele in der Challenge League. In der letzten Winterpause wurde er nach Luzern ausgeliehen und kam zu zehn Einsätzen in der höchsten Spielklasse.

Während seiner Zeit in der Schweiz schoss er insgesamt 13 Tore. So weit die Fakten. Doch wer ist der junge Mann, von dem sich die Aarauer wichtige Tore im Kampf gegen den Abstieg erhoffen?

Dienstagabend im Brügglifeld. Der FC Aarau lädt zur Spielerpräsentation. Schon bevor es los geht, mischen sich die Spieler unter die Fans, geben Autogramme und posieren für Fotos.

Etwas abseits steht Otele Mouangue und beobachtet mit einigen Teamkollegen das Geschehen. Er wirkt schüchtern. Als ihn René Weiler den Fans vorstellt, huscht sein Blick zwischen dem Trainer und dem Boden hin und her. Dabei lächelt er verschmitzt.

Ruhige und familiäre Atmosphäre

Der Kameruner ist keiner, der die Aufmerksamkeit sucht. Mit seiner ruhigen, zurückhaltenden Art passt er gut ins beschauliche Aarau. Das sieht auch er so.

«Die Teamkollegen haben mich super aufgenommen. Sie sind wirklich genial. Ich mag die ruhige, familiäre Atmosphäre im Verein und in der Stadt», sagt Mouangue.

Noch wohnt er nicht in Aarau, freut sich aber, bald in der Kantonshauptstadt heimisch zu werden.

Er mag die Schweiz. Sie ist seine zweite Heimat geworden, obwohl er nur bruchstückhaft Deutsch spricht. «Natürlich ist Kamerun für immer in meinem Herzen, schliesslich bin ich dort geboren. Aber ich könnte mir vorstellen, in der Schweiz zu bleiben.»

Am liebsten gemeinsam mit seiner Freundin, die in Frankreich studiert und ihn besucht, wann immer sie Zeit findet. «Ihr würde es in Aarau gefallen», meint er.

Der Entscheid, seine Heimat zu verlassen, ist Otele Mouangue schwer gefallen. Es sei hart gewesen, sich von seiner Familie zu verabschieden, vor allem von seiner Mutter.

«Ich liebe sie über alles. Ich weiss gar nicht, womit ich das vergleichen soll. Trotzdem war sie es, die mich stets unterstützt hat und mich ermutigte, den Schritt ins Ausland zu wagen», so Mouangue.

Nach wie vor ist seine Familie ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Praktisch täglich steht er mit ihr in Kontakt. Per Telefon oder per Internet. Als ältestes Kind ist er zudem verpflichtet, seine Familie finanziell zu unterstützen.

Das ist jedoch keine Bürde für Mouangue. Im Gegenteil. «Das hilft mir, noch härter zu arbeiten. Es motiviert mich, wenn ich weiss, dass ich damit meinen drei Schwestern eine Schulbildung ermöglichen kann oder sie mehr zu essen haben.»

Seit er ein kleiner Junge ist, träumt Otele Mouangue davon, Fussballprofi zu werden und einmal in England bei Chelsea zu spielen. «Ich bin aber bereits jetzt sehr zufrieden, dass ich so weit gekommen bin und mit Aarau in der Super League spielen darf», sagt er.

Der 24-Jährige ist überzeugt, dass die Aarauer positiv überraschen werden. «Ich habe keine genaue Vorstellung davon, was passieren wird. Aber ich glaube, dass wir etwas erreichen werden, das man von uns nicht erwartet hat.» Dazu will er seinen Beitrag leisten. Nicht als Einzelkämpfer, sondern als «kleines Teilchen des ganzen Teams», wie er es nennt.

Als sich Mouangue nach dem Gespräch zum Ausgang begibt, bleibt er kurz stehen und dreht sich nochmals um.

«Schreib, dass ich positiv über meine Teamkollegen gesprochen habe. Das ist mir sehr wichtig, denn sie sind meine zweite Familie», sagt er. Ein Satz der zeigt, welchen Stellenwert Freunde und Familie in Otele Mouangues Leben geniessen.