Premiere bei der 44. Austragung: Drei Kilometer vor dem Ziel durften sich noch acht Läufer Hoffnung auf den Triumph des Halbmarathon-Rennens machen. Ungewohnte Spannung war angesagt, zumal mit dem Langenthaler Fabian Kuert ein Einheimischer immer wieder für die Initiative sorgte.

Die Frage, wieso dem so war, stellte sich. Die Antwort ist vielschichtig: Es fehlte die klare Leaderfigur, etwa in der Person des Schweizer Weltklassemannes Tadesse Abraham. Zudem war das prächtige Herbstwetter mit den spätsommerlichen Temperaturen nicht prädestiniert für Topzeiten.

Und die Strecke um den Hallwilersee hat zwei Mankos. Weil der Startpunkt auf der Hauptstrasse in Beinwil am See und das Ziel beim Strandbad zu viele Höhenmeter trennt, finden gelaufene Topzeiten keinen Eintrag in die Rekordbücher.

Hallwilerseelauf führt direkt durch das Schloss

Hallwilerseelauf führt direkt durch das Schloss

Der Halbmarathon geht einmal um den ganzen Hallwilersee. Dieses Jahr laufen Teilnehmer nicht nur die Strecke um das Schloss, sondern gelangen mitten durch.

Der Höhendifferenz-Vorteil aber lässt sich kaum nutzen: Die idyllischen Wege, die Schotter, die Kurven und das Wellige des Parcours wie nicht zuletzt der neue «Rhythmusbrecher Schloss Hallwil» sind für Tempobolzer kaum gemacht. Folge davon in diesem Jahr: ein Bummel-Rennen. Wenig Dynamik, keine Initiative, ähnlich einem zügigen Trainingslauf.

Vom Wohlfühltempo zu Vollgas

Beim gegenseitigen Sich-Abtasten blieb es lange. Erst bei Kilometer 18 kam Unruhe in die achtköpfige Spitzengruppe. Jetzt begann es ums Entscheidende zu gehen. Dieses umschrieb der einzige Schweizer in der Gruppe, Fabian Kuert, schnörkellos: «Nur der Rang zählt. Jetzt hiess es plötzlich Vollgas geben.»

Diesen Strategiewechsel setzte Alemayehu Wodajo (Kenia) am imposantesten um. Er setzte sich am Schluss souverän durch – und nahm damit erfolgreich Revanche für den Murtenlauf sechs Tage zuvor. Beim Klassiker musste er etwa Mohammed Boulama (Marokko/8.) klar den Vortritt überlassen.

Nur sieben Sekunden «rettete» Wodajo damals auf Fabian Kuert ins Ziel. Im veränderten Finale – flach statt steil ansteigend – konnte Kuert nun nicht mit ihm konkurrieren. «Ich bin nicht der Endschnellste», sagt der 35-Jährige dazu.

Vor diesem Hintergrund stellte ihn der vierte Rang denn auch mehr als zufrieden. «Mir glückte wieder ein starkes Rennen. Einmal mehr konnte ich meine tolle Verfassung in diesem Jahr unter Beweis stellen. Und hätte mir vor dem Rennen jemand diesen Rang angeboten, ich hätte sofort unterschrieben.» Er klassierte sich noch vor dem schnellsten Aargauer, Kadi Nessero (7.), dem Eritreer aus Rombach.

Und wissenswert sind am Rande gewiss die Auswirkungen dieser speziellen Renngeschichte: Mit seiner Siegerzeit von 1:09:13 Stunden blieb Wodajo nicht weniger als 6:26 Minuten über dem Streckenrekord von David Kiptum (Kenia).

Eggenschwiler: Zeit zum Geniessen

Mit ihrer Siegerzeit von 1:19:42 Stunden verfehlte Israel Geletu (Äthiopien) die Rekordmarke von Zenebech Tola ähnlich klar. Wichtiger aber für sie: Sie setzte sich früh von der Vorjahressiegerin Petra Eggenschwiler (Solothurn) ab und siegte souverän mit einer Differenz von 43 Sekunden.

Dieses Kräfteverhältnis akzeptierte Eggenschwiler: «Ich hatte Israel zwar immer im Blickfeld, aufzuschliessen war aber unmöglich.» Die Powerman-Weltmeisterin von Mitte September in Zofingen fand sich schnell mit dem Verdikt ab: «Das gab mir die Möglichkeit, die prächtige Natur zu geniessen.» Vor Geletu war sie nur kurz, in der Abwärtspartie Richtung Mosen, gelaufen – «und da hatte ich mir wohl etwas gar viel zugetraut.»

Packende Rennen mit namhaften Podestplatzierten gab es ebenso über die (neue) 10-km-Distanz: Mohamed Boucetta (Marokko) siegte bei den Männern vor dem mehrfachen Schweizer Meister Adriano Engelhardt (Locarno) und dem erst 19-jährigen Yves Cornillie (Huttwil); bei den Frauen lautete die Reihung Nicole Egger (Langenthal) vor Flavia Stutz (Ufhusen) und Christine Müller (Aeschi b. Spiez)