Orientierungslauf
«Sie ist fast schon etwas wie ein Vorbild» – Eline Gemperle freut sich an der EM auf Familienduell mit ihrer Stiefmutter

Mit der Orientierungslauf-EM in Neuchâtel findet zum ersten Mal seit über einem Jahr wieder ein internationaler OL-Wettkampf statt. Dabei kommt zu einer Premiere. Die Aargauerin Eline Gemperle kämpft gegen ihre Stiefmutter um ein Topergebnis.

Nicolas Blust
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Eline Gemperle aus Boswil startet in ihrem ersten Jahr in der Elite gleich an der Europameisterschaft in Neuchâtel.

Eline Gemperle aus Boswil startet in ihrem ersten Jahr in der Elite gleich an der Europameisterschaft in Neuchâtel.

Remo Ruch

Dieses Wochenende finden in Neuchâtel die Orientierungslauf-Europameisterschaften im Sprint statt. Es ist der erste internationale Wettkampf seit über einem Jahr, da die komplette Saison 2020 Corona zum Opfer fiel. Zum ersten Mal mit dabei ist auch Eline Gemperle aus Boniswil. Für die 20-Jährige ist es der erste internationale Grossanlass bei der Elite.

Erst seit diesem Jahr startet Gemperle in der Elite-Kategorie. Zuvor ging sie noch bei den Juniorinnen an den Start. Die kommende Sprint-EM ist für sie also Neuland. «Für mich ist das ganze Feld neu, da es mein erstes Jahr bei der Elite ist», sagt Gemperle. Deswegen sei es auch schwer für sie, sich selbst einzuschätzen. Trotzdem freut sich Gemperle auf die Europameisterschaft: «Ich bin sehr gespannt und freue mich aufs Wochenende.»

Reine Sprint-EM kommt Sprintspezialistin Gemperle entgegen

Dass in Neuchâtel zum ersten Mal eine EM nur im Sprint stattfindet, spielt der Boniswilerin in die Karten. «Ich habe das Gefühl, dass ich im Sprint stärker bin als im Wald. Deswegen kommt mir die reine Sprint-EM entgegen», sagt Gemperle.

Im Vergleich zu den Läufen im Wald kommt die 20-Jährige mit dem festen Untergrund in der Stadt besser zurecht. Zudem sei es im Wald deutlich schwieriger, die beste Route zu finden. Im Sprint hingegen braucht es vor allem schnelle Entscheidungen. «Ich finde am Sprint cool, dass es schnell gehen muss», sagt Eline Gemperle.

Das Laufen im Wald ist noch nicht Gemperles Paradedisziplin.

Das Laufen im Wald ist noch nicht Gemperles Paradedisziplin.

Privat

Im Sprint kann sie auch besser ihre läuferischen Fähigkeiten unter Beweis stellen: «Bei den Juniorinnen war ich läuferisch eine der stärksten Athletinnen.» Auch deswegen gelang ihr 2019 der Sieg an der Juniorenweltmeisterschaft im Sprint.

Am Freitag steht Eline Gemperle in der Qualifikation für die Knock-out-Sprints am Start. Die Finalläufe finden dann am Folgetag statt. Zum Abschluss steht am Sonntag der Einzelsprint auf dem Programm. Das Überstehen der Qualifikation ist das designierte Ziel für Gemperle. Ansonsten gehe es für sie an der EM vor allem darum, in der Elite anzukommen: «Das Wichtigste für mich ist es, auf dem Elite-Level Erfahrungen zu sammeln.»

Erfolgreiche Generalprobe an der Schweizer Meisterschaft

Verstecken muss Gemperle aber nicht. Dass sie auch in der Elite mit den besten Läuferinnen mithalten kann, hat sie an der Schweizer Meisterschaft eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In einem hochkarätigen Feld, bei dem auch viele internationale Topläuferinnen am Start standen, gelang der Juniorenweltmeisterin von 2019 ein ausgezeichneter Lauf, mit dem sie am Ende auf dem zehnten Schlussrang landete.

Eline Gemperle kann auf eine erfolgreiche Schweizer Meisterschaft zurückblicken, bei der sie auf dem zehnten Platz landete.

Eline Gemperle kann auf eine erfolgreiche Schweizer Meisterschaft zurückblicken, bei der sie auf dem zehnten Platz landete.

Remo Schönenberger

Das Ergebnis möchte Gemperle jedoch nicht zu hoch bewerten. «Vor allem die ausländischen Läuferinnen sahen den Wettkampf eher als Training.» Viele legten ihre Karten vor dem ersten Saisonhighlight in Neuchâtel noch nicht auf den Tisch. Trotzdem nimmt Gemperle Positives aus der Schweizer Meisterschaft mit: «Das Ergebnis vom Wochenende gibt mir ein gutes Gefühl. Es war für mich auch eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.» Mit einer Topleistung scheint auch dieses Wochenende einiges möglich. «An einem Supertag sollte ich ein Ergebnis unter den besten 20–30 Läuferinnen erreichen können», sagt Gemperle.

Familienduell in Neuchâtel

So oder so werden die Titelkämpfe für Eline Gemperle ein spezieller Anlass werden, den sie so schnell nicht vergessen wird. Grund dafür ist, dass es an der EM zu einem Novum in der OL-Geschichte kommt. Mit der russischen Athletin Natalia Gemperle steht nämlich auch Elines Stiefmutter am Start. Es kommt in Neuchâtel also zum Familienduell. «Ich freue mich darauf. Meine Stiefmutter und ich haben oft zusammen trainiert. Sie ist fast schon etwas wie ein Vorbild für mich», sagt Stieftochter Eline.

Einen direkten Vergleich strebt die 20-Jährige indes nicht an: «Ich denke, dass es für meine Stiefmutter eher in Richtung Diplom oder Medaille geht.» Für solche Höhenflüge ist es bei Eline Gemperle wohl noch zu früh. Das Ergebnis am vergangenen Wochenende zeigt aber, dass der Abstand bis zur Spitze auch für sie nicht allzu gross ist.