«Ich muss positiv bleiben», sagt Olivier Jäckle. «Auch wenn das wegen der misslichen Lage nicht einfach ist.» Na schön: Dann bleiben wir auch positiv und stellen dem 22-Jährigen folgende Frage: Wie lautet Ihr Fahrplan, damit der FC Aarau den Ligaerhalt vier Runden vor Schluss trotz des Rückstands von sechs Punkten auf Vaduz noch schaffen wird? Jäckle zögert. Dann scheint er die Lösung gefunden zu haben.

«Wir gewinnen in Sion und besiegen im letzten Spiel im Brügglifeld den FC Thun», erklärt der Innenverteidiger. Und gegen Basel und in St. Gallen holen wir jeweils ein Unentschieden. Das bringt uns acht Punkte.» Und der FC Vaduz? «Die schaffen nur noch zwei Unentschieden.» Geht die Rechnung von Jäckle auf, sind die beiden Teams am Schluss punktgleich – und der FC Aarau bleibt wegen der besseren Tordifferenz in der Super League.

Stammplatz auf der Bank

Na also, geht doch! Jäckle macht gute Miene zum bösen Spiel. So viel Optimismus hat er sich eigentlich gar nicht zugetraut. Momentan steht er nämlich mehr auf der Verlierer- als auf der Siegerseite. Nach dem Trainerwechsel von Sven Christ zu Raimondo Ponte war der junge Mann plötzlich nur noch zweite Wahl. In sechs Partien unter Ponte sass Jäckle jeweils auf der Ersatzbank.

Beim 0:1 gegen GC am vergangenen Samstag stand er erstmals in der Startformation und bildete zusammen mit Juan Pablo Garat die zentrale Abwehrreihe. Jäckle machte seine Sache ordentlich, konnte die fehlende Spielpraxis allerdings nicht verheimlichen. Zu Beginn der Partie liefen ihm die schnellen Munas Dabbur und Yoric Ravet einige Male um die Ohren.

Ob Jäckle im Auswärtsspiel gegen Sion erneut von Beginn an zum Einsatz kommt, wird wohl erst kurz vor dem Anpfiff entschieden. Interessant ist die Tatsache, dass Ponte Jäckle eher in der Rolle des Mittelfeldspielers als in der des Verteidigers sieht.

Jäckle auf der Doppelsechs?

«Olivier ist ein guter Techniker, ein spielerischer Typ», sagt der Trainer. «Im Mittelfeld kommen seine Qualitäten besser zur Geltung als in der Abwehr.» Jäckle sieht das ähnlich. «Ponte hat recht», sagt er. «Ich bin nicht der Typ des Brechers. Fussball ist aber kein Wunschkonzert. Momentan bin ich froh, wenn ich überhaupt spiele.»

Trotzdem bleibt die Frage, warum Ponte Jäckle nicht mal als Partner von Sandro Burki im defensiven Mittelfeld bringt. Eine Doppelsechs mit dem Captain und der Nachwuchshoffnung wäre vielversprechend. Ponte hält diese Variante nach eigener Aussage für durchaus realistisch. Warum nicht im Spiel der wohl letzten Chance in Sion? Zu verlieren hat der FC Aarau in der aktuellen Situation eh nicht mehr viel. Und im Hinblick auf die Saison 2015/16 wäre das Duo Burki/Jäckle mindestens schon mal einen Versuch wert.