Viel wollen wir wissen. Nach fünfmonatiger Verletzungspause aber stellt sich die erste Frage von selber.

Wie geht es Ihnen?
Jäckle: Wieder viel besser – ich sehe mich auf einem guten Weg und will am 5. Februar beim Rückrundenstart gegen Schaffhausen einsatzbereit sein. Aber es waren harte Monate, so lange war ich noch nie verletzt.

Was hat Ihnen besonders Mühe gemacht?
Nicht helfen zu können, als es der Mannschaft schlecht lief. Um nicht ständig daran erinnert zu werden, war ich bewusst nur selten im Brügglifeld. Schon das Eingeständnis, dass ich die Muskelverletzung jetzt einfach ausheilen muss und ich dadurch ein halbes Jahr ausfalle, war brutal. Denn eigentlich fühlte ich mich ja gut. Gleichzeitig wollte ich wieder besser spielen als im Sommer – und dafür war die Pause alternativlos.

Viele Fussballer sagen nach langen Verletzungspausen, sie kämen stärker zurück. Wie ist das bei Ihnen?
Ob ich ein besserer Spieler bin, wird sich zeigen. Aber als Mensch habe ich gelernt, mich mit mir selber zu beschäftigen. Früher musste ich jeden Abend unter Leuten sein. Ich wohne mittlerweile mit meinem Bruder und dessen Freundin zusammen, da muss ich mich gezwungenermassen auch mal zurückziehen (lacht).

Olivier Jäckle hat während seiner Verletzungspause viel gelernt

Olivier Jäckle hat während seiner Verletzungspause viel gelernt

Vor Ihrer Verletzung vertraten Sie Sandro Burki als Captain. Seither hat sich viel verändert beim FC Aarau. Zuerst einmal: Wo sehen Sie sich heute in der Teamhierarchie?
Weiterhin als Führungsspieler. Ich bin das typische Bindeglied: Die Jungen trauen sich, mit mir zu sprechen. Ich wiederum habe keine Berührungsängste gegenüber den Teamsenioren. Ich bin seit sechs Jahren und somit hinter Juan Pablo Garat (seit 2011) am längsten in der Mannschaft.

Sie haben vor ein paar Tagen Ihren 25. Geburststag gefeiert, sind nun im gestandenen Fussballer-Alter angekommen. Das Image des «ewigen FCA-Talents» aber werden Sie nicht los.
Das höre ich immer wieder! Aber warum? Für mich ist das eine Schweizer Eigenschaft – oder ist es sogar nur beim FC Aarau so? Für mich ist alles andere als schlecht, bislang nur bei einem Klub gespielt zu haben, der zu den 20 besten des Landes gehört. Das ist viel mehr, als andere sich erträumen. Dazu kommt, dass ich hier nicht irgendein Spieler bin. Etwas Besseres zu finden, ist eine hohe Hürde.

Es heisst, Spieler wie Sie müssten das heimische Nest verlassen, um flügge zu werden.
Das ist doch einfach eine dieser Weisheiten, es gibt genug Gegenbeispiele. Was bringt es mir, nur zu gehen, damit ich gegangen bin? Wenn, dann brauche ich eine Perspektive. Ich fühle mich wohl in Aarau und will hier noch einiges erreichen.

Olivier Jäckle fühlt sich wohl in Aarau

Olivier Jäckle fühlt sich wohl in Aarau

Wollen Sie bis zum Karriereende beim FC Aarau bleiben?
Warum nicht? Früher hatte ich wie jeder junge Fussballer grosse Träume und wollte nicht im Brügglifeld stranden. Die Super League ist noch ein Ziel von mir – am liebsten mit dem FC Aarau.

Ob Ihr auslaufender Vertrag verlängert wird, entscheidet hauptsächlich der Sportchef. So weit, so normal. Doch Sie sind mit Sandro Burki befreundet.
Ja, aber in diesem Zusammenhang ist er mein Chef.

Es ist doch nur menschlich, die Freundschaft in den Gesprächen nicht aussen vor lassen zu können.
Natürlich ist die Situation nicht einfach. Sandro war immer da, seit ich mich mit der ersten Mannschaft des FC Aarau beschäftige, er war immer da. Als ich im Januar 2012 dazukam, hat er mich aufgenommen und mir viel geholfen. Und in den vergangenen Jahren sind wir nach den Abgängen von Lüscher, König oder Gygax noch enger zusammengerückt. Aber deswegen bekomme ich von ihm keine Lohnerhöhung. Und wenn er nicht will, dann wir Sandro mir auch keinen neuen Vertrag geben.

Was dann?
Dann springe ich ihm sicher nicht zum Dank um den Hals. Aber wenn es so kommt, dann wird Sandro mir driftige Argumente liefern. Er handelt zu 100 Prozent im Sinne des FC Aarau.

Welche Gründe hat Burki denn, um Ihren Vertrag zu verlängern?
Sandro kennt mich als Spieler in- und auswendig. Aber klar, aktuell habe ich wenig bis keine Argumente. Wie nach dieser Vorrunde fast jeder Spieler mit auslaufendem Vertrag. Aber es ist Fussball, wenn wir im Frühling eine Serie hinlegen wie vor zwei Jahren und das beste Rückrundenteam werden, sieht alles anders aus und Sandro muss um uns kämpfen (grinst).

Behält Burki Oliver Jäckle?

Behält Burki Oliver Jäckle?

Nochmals der Fall, sie erhalten keinen neuen Vertrag in Aarau: Wie geht es dann im Sommer weiter?
Das ist zu weit weg. Ich konzentriere mich darauf, eine gute Rückrunde mit dem FC Aarau zu spielen.

Aber Sie sind nicht beim FC Basel, sondern beim FC Aarau. Für dessen Spieler gibt es keinen goldenen Fallschirm. Und der einfache Wechsel zum FC Wohlen hat sich erledigt.
Ich habe keine Angst. Und für Gedanken über ein Karriereende bin ich erstens zu jung und zweitens genug von mir überzeugt, dass ich einem guten Verein weiterhelfen kann. Aber falls Sie darauf hinauswollen: In den vergangenen Monaten ist mir einige Male durch den Kopf gegangen, wie es nach dem Fussball weitergehen soll. So viel Geld verdient, um nach der Karriere nicht mehr arbeiten zu müssen, habe ich nicht. Aber: Ich spiele Fussball aus Leidenschaft, nicht wegen des Geldes.