Fussball
Olivier Jäckle als neuer Patron in der FC-Aarau-Abwehr

Vier Tage nach dem hart erkämpften 1:0-Sieg gegen den FC Sion im Brügglifeld sind die Aarauer im Auswärtsspiel gegen die Berner Young Boys krasser Aussenseiter. Übernimmt der 21-jährige Olivier Jäckle beim FC Aarau die Rolle des Abwehrchefs?

Ruedi Kuhn
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Der Aarauer Olivier Jäckle im Clinch zwischen den Sion-Spielern Birama Ndoye (links) und Carlitos (rechts).

Der Aarauer Olivier Jäckle im Clinch zwischen den Sion-Spielern Birama Ndoye (links) und Carlitos (rechts).

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Hätte Olivier Jäckle eine Karriere als Einzelsportler eingeschlagen, wäre er wohl Tischtennisspieler geworden. An Talent fehlt es ihm in dieser Sportart nicht. Mit Teamkollege und Ballkünstler Alain Schultz kann er jedenfalls problemlos mithalten. Jäckle setzte als Bub aber nicht auf Pingpong, sondern auf Fussball. Der Grund? «Es ist ganz einfach», sagt der junge Mann. «Ich spiele lieber in einem Team als alleine. Mit Kollegen etwas zu erreichen, macht einfach mehr Spass. Beim FC Aarau ist in der Kabine und auf dem Spielfeld immer viel los. Wir erleben Tag für Tag verrückte Dinge.»

Jugend forscht in der FCA-Abwehr

Ein «verrücktes Ding» erlebte Jäckle vor dem Spiel gegen den FC Sion. Weil Nauris Bulvitis wegen eines Nasenbeinbruchs und Juan Pablo Garat wegen einer Magen-Darm-Grippe nicht einsatzfähig waren, kam es beim FC Aarau zu einer Premiere. Trainer Sven Christ setzte auf die Karte Jugend und brachte in der zentralen Abwehrreihe den 21-jährigen Jäckle und den 20-jährigen Marco Thaler. Jugend forscht hiess das Motto: Die Rechnung ging auf. Der FCA siegte 1:0. Die Innenverteidiger Jäckle und Thaler machten mit starken Leistungen Werbung in eigener Sache. Man darf gespannt sein, ob die zwei Greenhorns heute Sonntag gegen die Young Boys erneut von Beginn an spielen werden. Umso mehr, als dass Routinier Garat wieder fit ist.

Für Jäckle ist wichtig, dass der FC Aarau gegen Sion gewonnen hat und im zweiten Spiel der Saison keinen Treffer kassierte. Das war in der letzten Meisterschaft anders. Ganz anders. Damals mussten die FCA-Fans bis zur 23. Runde und dem 1:0-Sieg in Lausanne warten, ehe man in einer Partie ohne Gegentor blieb. Zurück zu Jäckle und Thaler, die trotz fehlender Erfahrung erstaunlich abgeklärt, ja teilweise sogar cool auftraten. «Marco hat seine Sache gut gemacht», blickt Jäckle zurück. «Natürlich spürte ich, dass er vor dem Anpfiff nervös war. Auch ich war etwas angespannt. Aber alles andere wäre vor einer so wichtigen Begegnung auch nicht normal gewesen.»

Bereits 66-mal für den FC Aarau im Einsatz

Jäckle gab sein Debüt in der ersten Mannschaft am 22. April 2012 beim 3:0-Sieg in St. Gallen gegen Brühl. Gut zwei Jahre später hat er für den FC Aarau bereits 66 Meisterschaftsspiele absolviert und einen Treffer erzielt. Das war das zwischenzeitliche 1:1 beim 4:2-Sieg gegen Luzern in der zweiten Runde der letzten Saison. Jäckle startete beim FCA zwar wie eine Rakete, hatte dann aber auch den einen oder andern Durchhänger. Einen Mentalcoach, Psychologen oder Geistheiler braucht er nach eigener Aussage nicht. In schwierigen Zeiten kann er auf seine Familie, die Freundin und Kollegen zählen. Angesprochen auf seine Rolle innerhalb der Mannschaft, zögert Jäckle und sagt dann: «Das ist eine schwierige Frage. Im Laufe der Zeit habe ich gespürt, dass die Akzeptanz von den Teamkollegen immer grösser wird.» Für diese Saison hat Jäckle ein klares Ziel. «Ich will konstant gut spielen und mir so einen Stammplatz verdienen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.»