Rudern
Olivia Wyss sitzt alleine im Boot

Olivia Wyss hat sich ihren ersten Start bei Elite-Weltmeisterschaften anders vorgestellt. Nach dem gescheiterten Projekt mit dem leichten Doppelzweier will die Zofingerin in Neuseeland nun die Situation nutzen, sich zu verbessern. Alleine.

Pia Schüpbach
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Olivia Wyss

Olivia Wyss

Aargauer Zeitung

Olivia Wyss ist gerüstet für ihre erste Weltmeisterschaft bei der Elite. Ihre Eltern haben ihr einen Frosch-Anhänger mit auf die Reise nach Neuseeland gegeben, ihr Freund hat ihr eine neue Sonnenbrille geschenkt. «Diese Dinge sind mir wichtig, und eine Art Glücksbringer für mich.» Auch im neuen Boot, das direkt von Kanada nach Neuseeland verschifft worden ist, fühlt sich die 23-Jährige «sehr wohl». Mental stimmts. Und der Körper ist fit getrimmt für ihren Start im Skiff.

Denn Olivia Wyss hat sich im Sommer kaum eine Pause gegönnt. Das Training lenkte ab vom gescheiterten Projekt im leichten Doppelzweier mit Pamela Weisshaupt: Die beiden hatten es nicht geschafft, international nahe genug zur Spitze vorzudringen. So fiel das Projekt nach drei Monaten ins Wasser. «Dafür gibt es kein Trostplästerli», sagt Olivia Wyss. Auch die Skiff-WM nicht. Diese will sie jetzt aber nutzen, um sich «persönlich zu verbessern». Ihr Ziel: Der A-Final.

Natur statt Cappuccino

Bereits vor zwei Wochen war das Schweizer Team nach Neuseeland geflogen und trainierte bis gestern im abgelegenen Dorf Mangakino. «Für mich hat es hier schon fast ein bisschen zu viel reine Natur», sagt Wyss. Lachend ergänzt sie: «Da bevorzuge ich schon die grösseren Städte, wo ich auch mal in ein Café gehen und einen Cappuccino geniessen kann.» Immerhin: «Die Backwaren sagen mir sehr zu.» Bis zu ihrem ersten Start will sie indes noch ein paar Gramm loswerden. Zwei Stunden vor jedem Rennen darf die Leichtgewicht-Ruderin höchstens 59 kg schwer sein.

Noch kämpft die Zofingerin mit den Wetterkapriolen in Neuseeland. Es windet heftig, dementsprechend unruhig ist das Wasser. Davon lässt sich Olivia Wyss indes nicht bremsen - «es spornt mich eher an, härter an mir und meiner Technik zu arbeiten, als dass es mir weiche Knie verursacht.»

Im Wettkampf möchte der Neuling vom Start an aktiv die Rennen mitgestalten. «Wenn das klappt, werde ich auch ein paar Gegnerinnen schlagen.» Sollte im Schweizer Frauen-Doppelvierer eine Athletin ausfallen, würde Olivia Wyss allerdings nicht im Einer rudern, sondern deren Platz im Mannschaftsboot einnehmen.

«Es ist zwar schwierig, das Mannschaftsboot als oberstes Ziel zu haben und nun, im Einer, weit weg von den Teamkolleginnen zu sein.» Doch Olivia Wyss schaut lieber nach vorne als zurück. Sie hofft auf ein neues Projekt im leichten Doppelzweier im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2012. «Ich werde an dieser WM Erfahrungen sammeln, die ich in den Zweier mitnehmen kann.»