Der Weg nach Tokio

Oliver Hegis Alltag zwischen Kontaktpflege mit anderen Turnnationen und einer Gratwanderung im Training

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Die Olympischen Sommerspiele 2020 sind das grosse Ziel der vier Aargauer Athleten Oliver Hegi (Kunssturnen), Aline Seitz (Rad Bahn), Ciril Grossklaus (Judo) und Michelle Heimberg (Wasserspringen). In ihrer wöchentlich erscheinenden Kolumne geben sie abwechselnd Einblicke in ihren Alltag auf dem Weg nach Tokio. Diesmal Oliver Hegi.

Der Februar verhält sich dieses Jahr untypisch. Kein Schnee weit und breit. In Magglingen kommt das nicht häufig vor, aber bei Temperaturen um 15 Grad und Sonnenschein ist das kein Wunder.
Auch in Madrid, im Trainingslager, war es sonnig und warm. Die Woche in der spanischen Hauptstadt war anstrengend, aber hat sich gelohnt. Wir konnten unseren Kontakt zum spanischen Nationalteam pflegen und viel trainieren.

Wir hatten aber auch Zeit um die Stadt etwas anzuschauen. Beeindruckend war nicht nur die Grösse Madrids, sondern auch der Trainingseifer der spanischen Turner.

Unterschiedlicher Trainingsstand

Ihre Wettkampfsaison begann dieses Jahr früher als unsere, deshalb trainierten sie bereits ihre Wettkampfübungen, während wir unser Hauptaugenmerk auf das Athletiktraining legten. Es ist immer wieder interessant andere Trainingsmethoden zu beobachten.

Nicht nur die Art des Trainings kann von Land zu Land abweichen, sondern auch die Konstellation zwischen Athleten und Trainern. Manche Turner sind komplett selbstständig und wissen was sie brauchen, andere trainieren in einer Gruppe mit drei Coaches, die jeden Schritt verfolgen.

Das türkische Team zu Gast in Magglingen

Zurück in der Schweiz trafen wir auf das nächste Nationalteam. Die türkische Mannschaft verbrachte eine Woche bei uns in Magglingen. Im Gegenzug dazu hatten wir vergangenes Jahr eine Woche in der Türkei verbracht.

Auch die türkischen Turner sind auf einem ähnlichen Niveau wie wir, sie schafften aber die Qualifikation für die Olympischen Spiele mit dem Team leider nicht. Erfolgreich waren sie aber trotzdem bei der letztjährigen WM, zwei Medaillen an Einzelgeräten konnten sie sich erturnen (Gold an den Ringen und Silber am Barren).

EM ist erst im Mai, deshalb steht Krafttraining an

Die Europameisterschaften finden dieses Jahr im Mai statt, meine ersten Wettkämpfe sind deshalb erst im April geplant, damit ich mich optimal vorbereiten kann. Momentan heisst das für mich Krafttraining. Diese Woche habe ich in Absprache mit den Sportwissenschaftlern vom Bundesamt für Sport in Magglingen, ein neues exzentrisches Kraftprogramm begonnen.

Kurz erklärt bedeutet das, dass ich die Gewichte nicht mehr anhebe, sondern sie so langsam wie möglich herunter lasse. Der Grund dafür liegt in der Physik: Weil meine neue Methode weniger schwierig ist als die alte, kann ich bis zu 40 Prozent mehr Gewicht auflegen und die Belastung steigern.

Muskelkater als ständiger Begleiter

Auch hier ist der Muskelkater wieder mein ständiger Begleiter, was sich leider auch auf mein restliches Training auswirkt. Hohe Belastungen an den Turngeräten gilt es zu vermeiden, da sonst der Effekt nachlässt. Das ist nicht immer einfach miteinander zu vereinbaren. Es treffen zwei Fronten aufeinander. Beide Aspekte – Kraft und Technik – sind unverzichtbar im Turnen, beides gleichzeitig zu trainieren ist aber vorstellbar schwierig.

Man muss Kompromisse eingehen und vor allem viel Zeit für die Erholung einplanen, zum Glück fehlt es mir an nichts in der Halle – neben einer Sauna gibt es ein Warmwasserbecken. Eine Regentonne, die wir zum Kaltwasserbad umfunktioniert haben, steht in der Dusche, doch im Winter schätze ich eher die warmen Temperaturen und verzichte auf die eisige Regentonne.

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