Der Weg nach Tokio

Oliver Hegi macht wegen Corona-Virus Krafttraining mit kiloschweren Einkaufstaschen

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Die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio sind und waren das grosse Ziel von vier Aargauer Athletinnen und Athleten. Der Kunstturner Oliver Hegi (Schafisheim), die Bahnradfahrerin Aline Seitz (Buchs), der Judoka Ciril Grossklaus (Brugg) und die Wasserspringerin Michelle Heimberg (Fislisbach) nehmen uns seit dem vergangenen Herbst mit auf ihre ganz individuellen Reisen der Hoffnung. In einer wöchentlichen Kolumne für diese Zeitung erzählen die Spitzensportler abwechslungsweise aus ihrem Alltag, der durch die «Corona-­Krise» mittlerweile ziemlich aus den Fugen geraten ist. Es ist nicht mal mehr sicher, ob der sportliche Grossanlass in Japan überhaupt stattfinden wird. Dieses Mal: Oliver Hegi.

Nach dem Bundesentscheid vom Montag steht die ganze Schweiz still. Neben Restaurants, Cafés und den meisten Läden, auch die Sportstätten. Alle Hallen wurden per sofort geschlossen und der Trainingsbetrieb wurde eingestellt.

Für jeden Sportler eine extrem schwierige Situation, für Kunstturner aber eine besondere Herausforderung. Während Läufer, Fussballspieler oder Judokas schnell wieder ins Training finden, ist eine so lange Zwangspause für Turner eine Hiobsbotschaft.

Nicht nur koordinativ, sondern auch körperlich kann die Form nicht aufrechterhalten werden. Ein Training zu Hause ist kaum möglich, wer hat schon Platz für ein zwölf mal zwölf Meter grosses Bodenfeld?

Tägliches Training ist ein Muss

Trotzdem muss die physische Verfassung so gut wie möglich erhalten bleiben. Tägliches Kraft- und Beweglichkeitstraining ist also ein Muss. Weil auch die Fitnesscenter geschlossen sind, bleibt nur das Training zu Hause mit dem eigenen Körpergewicht und den Utensilien, die es im eigenen Heim gibt.

Beim Trainingsprogramm ist nun also Kreativität gefragt. Ein täglicher Grosseinkauf, für ältere Leute zum Beispiel, mit kiloschweren Tragetaschen könnte mir helfen meine Muskelmasse zu erhalten.

Das Virus beeinflusst nicht nur das Training, sehr viele Events und Wettkämpfe mussten abgesagt werden. Bis mindestens Juni finden in der Schweiz keine Wettkämpfe statt, die Europameisterschaften, die im Mai geplant waren, wurden ebenfalls auf Eis gelegt.

Es droht der Super-GAU!

Ein möglicher Super-GAU steht aber noch bevor. Die Olympischen Spiele sind der grösste Sportanlass des Jahres und bringen Tausende Menschen aus der ganzen Welt zusammen – in Zeiten einer Pandemie sicherlich eine Gefahr. Im Mai entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ob und wie die Spiele stattfinden können.

Die globale Gesundheit geht zweifelsohne vor. Trotzdem könnte es für viele Athleten die sofortige Beendigung ihrer langjährigen Karriere bedeuten und die vielen harten Trainingsstunden wären umsonst gewesen.

Sollten die Olympischen Spiele tatsächlich durchgeführt werden, hängt alles davon ab, wann die Sporthallen wieder genutzt werden können. Momentan scheint alles darauf zu deuten, dass bis am 19. April kein Training möglich sein wird, falls ich danach wieder einsteigen kann, hätte ich genug Zeit für eine seriöse Vorbereitung.

Es gibt aber auch positive Neuigkeiten

Neben den ganzen Negativschlagzeilen gibt es auch einige positive Entwicklungen. Vor zwei Wochen schaffte ich zum ersten Mal meine erschwerte Reckübung mit einem zu­sätzlichen Flugelement.

Ich habe lange daran gearbeitet und bin überglücklich, dass es immer besser funktioniert und die Übung stabiler wird. Mit dieser neuen Schwierigkeit in meinem Programm kann ich an den Olympischen Spielen nicht nur den Final erreichen, sondern um Medaillen ­kämpfen!

Oliver Hegis neue Reckübung im Video

Für die nächsten Wochen gilt: Abwarten und hoffen, dass sich alles zum Guten wendet.

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