Sportler-RS
Oldie-Rekrut Karasek leistet momentan Dienst am Vaterland

David Karasek absolviert derzeit die Sportler-RS. Der Spitzenschwimmer aus Meisterschwanden fühlt sich puddelwohl im «Tenü grün». In den ersten Wochen verglich er seinen Körper teilweise mit einem Stein.

Michael Schenk
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Der lange Weg zum Dienst am Vaterland: Rekrut Karasek ist via Virginia und Madrid in Magglingen gelandet. msk

Der lange Weg zum Dienst am Vaterland: Rekrut Karasek ist via Virginia und Madrid in Magglingen gelandet. msk

Michael Schenk

Kurz nach seiner Aushebung 2006 zum Betriebsoldat, verabschiedete sich der in Meisterschwanden lebende David Karasek Richtung USA. Im Aquatic Center der Universität Virginia zog der Lagen- und Crawl-Spezialist fortan während vier Jahren seine täglichen Bahnen.

Parallel schloss er den Bachelor in Business Administration ab. Nach den Olympischen Spielen 2012 in London, wo er über 200 m Lagen den 28 .Rang belegt hatte, dislozierte der schnelle Aargauer in die Partystadt Madrid. Trainiert habe er in Spanien zwar nicht mehr so extrem hart, doch «schwimmerisch konnte ich von Zeit in den USA zehren.»

Perfekte Bedingungen

Beruflich schloss der 26-Jährige in der Königsstadt das Master-Studium in «Finance» ab. «Eigentlich hatte ich gehofft, dass mich das Militär in der Zwischenzeit vergessen hat», schmunzelt Karasek.

Doch dem war nicht so. Zum Glück, wie er heute zugeben muss. Kraft einer Ausnahmebewilligung darf der «Oldie-Rekrut» derzeit die Spitzensportler-RS in Magglingen absolvieren.

Und: «Es ist überhaupt nicht so, dass ich die Tage zählen, bis es vorbei ist. Ganz im Gegenteil. Die Trainingsbedingungen sind super», sagt Karasek. Zusammen mit vier weiteren Schwimmern bildet der Aargauer eine starke, militärische Trainingsgemeinschaft.

«Das Essen ist fein, die Erholung kommt nicht zu kurz, die Infrastruktur ist perfekt.» Nichts also von Dauer-Leerläufen, ständiger Müdigkeit und zweifelhaftem Drill, wie das dem landläufigen Militär-Image oft so entspricht.

Gefühlt wie ein Stein

Während den ersten fünf Wochen freilich hatten Rekrut Karasek und seinen Spitzensportler-Kollegen die «normale» Grundausbildung in der Kaserne in Lyss zu absolvieren. «Wir waren viel auf den Beinen – das habe ich gespürt.»

Als er jeweils am späteren Nachmittag ins Training gefahren und ins Wasser gesprungen sei, «kam ich mir vor wie ein Stein.» Harte, müde Muskeln. Inzwischen jedoch bleibt Karasek nebst der Militärsport-Leiter-Ausbildung wie erwähnt sehr viel Zeit zum persönlichen Training.

«In Lyss kam ich mir vor wie ein Amateur, jetzt in Magglingen wie ein Profi», so der Mittelstrecken-Spezialist. Im Januar wird Karasek ins Leistungszentrum des Verbandes nach Tenero umziehen, um während seiner restlichen RS-Diensttage auf einer 50-Meter-Bahn trainieren zu können.

Von ihm aus könnten die RS also durchaus länger als 18 Wochen dauern. Bessere Trainingsbedingungen bei Kost und Logis und Sold finden Einzelsportlern in diesem Land nicht. Die Armee ist in dem Sinn vom Karriere-Killer früherer Tage zum Karriere-Förderer der Gegenwart geworden.

Als sehr wertvoll und bereichernd bezeichnet David Karasek die Erfahrung, mit Spitzensportlern aus anderen Genres intensiv zusammen zu sein. Nach fünf Jahren Studium sei er sich gewohnt zu lesen und sich Dinge zu merken, sagt Karasek.

«Wenn es aber um mechanische Angelegenheit geht, wie etwa Gewehr zerlegen und zusammenbauen oder den Schlafsack korrekt zu verstauen habe ich gewisse Probleme.»

Da sei ihm speziell der handwerklich begabte Ringer Philipp Hutter immer wieder eine grosse Hilfe. «Aber auch mit allen anderen macht es Spass zusammen zu sein. Wir haben es gut untereinander und lustig.»

Jobsuche und WG gründen

Einer sei immer am Johlen. Wohnen tut die Sondereinheit der Armee im 8. Stock des Grand Hotel. Wenn er an den Wochenenden «zu Hause» ist, steht sein Bett inzwischen wieder bei seinen Eltern in Meisterschwanden.

Nach der RS will sich Karasek indes einen Teilzeit-Job im Bank- oder Consulting-Bereich suchen und zusammen mit seinem Limmat Sharks Team- und RS-Kollegen Lukas Räuftlin eine WG gründen. Eventuell solle die Gemeinschaft gar fünf, sechs Leute umfassen, die alle das Ziel Olympische Spiele in Rio 2016 verfolgen.

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