Eidgenössisches Turnfest Aarau

Nur wenig fehlte für das Comeback des BTV Aarau beim Turnfest

Die Leichtathleten des BTV Aarau am Eidgenössischen Turnfest 1996 in Bern bei der Pendelstafette.

Anstatt am Eidgenössischen Turnfest den Festsieg anzupeilen, engagieren sich die Leichtathleten des BTV Aarau als Helfer. Nachdem sich die Aarauer trotzig aus dem Turnverband zurückgezogen haben, hatten sie für das Heimfest die Rückkehr überlegt.

Nicht einmal der Regierungsrat konnte es richten. Es war ein persönlicher Wunsch von Sportminister und OK-Präsident Alex Hürzeler, dass der BTV Aarau quasi im eigenen Wohnzimmer sein Comeback am Eidgenössischen Turnfest gibt. Vor zwölf Jahren in Frauenfeld verloren die Aarauer den Kampf um den Festsieg in der 1. Stärkeklasse des dreiteiligen Vereinswettkampfs nur um einen Wimpernschlag. Vor sechs Jahren in Biel verkündeten sie den Abschied von der Turnfestbühne, die nicht für sie gemacht sei.

Obwohl der damalige Schlussstrich ebenso trotzig wie endgültig daherkam, war man in den Reihen des BTV Aarau im Vorfeld des Heimspiels durchaus offen für eine Rückkehr. Man hatte auf keinen Fall die Absicht, Alex Hürzeler von vorneherein einen Korb zu geben. Nur das Drehbuch zum Comeback stand ausser Frage: Wenn man mitmacht, dann in der 1. Stärkeklasse und mit grossen Ambitionen auf eine Herausforderung des Kantonsrivalen STV Wettingen, der den Vereinswettkampf an den vergangenen drei Eidgenössischen gewann.

2007 in Frauenfeld gelang den Wettingern gar das Kunststück, den dreiteiligen Wettkampf mit der Maximalnote von 30,00 Punkten abzuschliessen. Dies war auch notwendig, denn Verfolger BTV Aarau kam mit seinem Leichtathletik-Programm ebenfalls auf fantastische 29,94. Doch zum zweiten Mal in Folge zog man trotz optimalem Wettkampf in den messbaren Disziplinen gegen die drei Maximalnoten, welche die Kampfrichter für die Wettinger Turner auspackten, den Kürzeren. Das war zuviel für den BTV. Die Leichtathleten traten 2011 aus dem Schweizerischen Turnverband aus und verzichteten auf Einsätze an regionalen, kantonalen und eidgenössischen Turnfesten.

Keine Turner, dafür Helfer

Nun scheitert also auch das regierungsrätlich forcierte Comeback. Peter Egli, Präsident des Stammvereins, und der langjährige Technische Leiter, Ruedi Klaus, erklären wieso. «Den Ausschlag gab, dass die 4×100-m-Staffel aus dem Angebot des dreiteiligen Wettkampfs gestrichen wurde. Damit verunmöglicht man den Leichtathletikvereinen faktisch einen Start in der höchsten Stärkeklasse», sagt Klaus.

Für den BTV Aarau sei es ohne ihren Pool von Sprintern nicht machbar gewesen, ein genügend grosses Team zu nominieren, damit es quantitativ für die Teilnahme in der 1. Stärkeklasse und qualitativ für eine Kampfansage an den STV Wettingen reicht.

Peter Egli nennt einen weiteren Grund, der zum negativen Entscheid beitrug. Um starten zu können, hätte der BTV Aarau Athletics für zwei Jahre wieder die Mitgliedschaft im Turnverband lösen müssen. Die Festteilnahme hätte den Verein demnach rund 20 000 Franken gekostet. Weil der Stammverein mit der neuen Struktur keine Einnahmequellen mehr generiert, wäre auch das zuvor übliche «Sponsoring» der Leichtathletik-Sektion weggefallen.

So bleibt die Geräteturnriege der einzige BTV-Faktor auf dem Aarauer Wettkampfplatz. Abseits steht der Verein am Eidgenössischen deswegen aber nicht. Praktisch alle Riegen stellen Helfer und Material – auch die Leichtathleten packen in den nächsten zwei Wochen kräftig mit an. Für diesen Einsatz gibt es zwar nicht wie erhofft Bestnoten, aber immerhin eine gehörige Portion Turnfest-Aura.

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