Leader! Als der FC Wohlen am Freitagabend Neuchâtel Xamax empfing, taten sie das als bestes Team der Challenge League. Zuoberst nach dem ersten Spieltag: für einen vermeintlichen Abstiegskandidaten eine wunderbare Momentaufnahme.

Nach dem 0:0 gegen Xamax hat der FC Wohlen nun vier Punkte aus zwei Spielen auf dem Konto und ist noch ohne Gegentor. Man kann sagen: Den Freiämtern ist der Start in die Saison geglückt.

Dass die Wohler nicht die Ambition haben, die Position in den vordersten Rängen zu halten, scheint klar. Darum blieb die Tabellenkonstellation das einzig Ungewohnte an diesem milden Freitagabend. Altbekannt war hingegen der Offensivauftritt des Heimteams. Bereits in der vergangenen Saison trafen die Freiämter nur 35 Mal ins Tor. Das war vor Zwangsabsteiger Biel, das nicht alle Spiele absolvierte, der zweitschlechteste Wert der Liga. Sogar Chiasso, das dafür bekannt ist, den Catenaccio-Fussball zu zelebrieren und sich rund um den eigenen Strafraum zu verschanzen, erzielte vier Tore mehr als der FC Wohlen.

Fehlende Ideen

Die Wohler Offensivschwäche war auch in der Partie gegen Xamax zu erkennen.Hochkarätige Torchancen? Mangelware. Erspielte sich der FCW dann doch einmal eine, traf Miguel Castroman den Ball aus knapp fünf Metern alleine vor Xamax-Hüter Walthert nicht. Routinier Alain Schulz, Hoffnungsträger Marko Dangubic und ebendiesem Castroman gelang es selten bis nie, zwingend aufzutreten oder gar zu brillieren. Das war beim 3:0 gegen den FC Le Mont vor einer Woche noch ganz anders. Einzig Nico Abegglen vermochte gegen Xamax mit Einzelaktionen für Aufregung zu sorgen.

Einer, der in Zukunft vielleicht einmal den Unterschied ausmachen könnte,ist Neuzugang Janko Pacar. Der Stürmer, der mit der Erfahrung aus 49 Super-League-Einsätzen und einem Engagement in der rumänischen Profiliga ins Freiamt kam, blieb bei seinem Debüt aber erschreckend unsichtbar.

Hat der FC Wohlen also ein Stürmerproblem?

Nein. Die Diagnose sollte vielmehr «Offensivproblem» heissen – zumindest derzeit. Dass mit Schultz, Abegglen, Castroman und den Neuzugängen Dangubic und Pacar offensive Qualität vorhanden ist, ist offensichtlich und wurde beim Startsieg gegen Le Mont eindrücklich unter Beweis gestellt. Dass sich der FC Wohlen traditionell vermehrt über den Kampf definiert als über Zauberfussball, ist ebenfalls bekannt. Dass die Spieler aber gegen einen defensiv gut stehenden Gegner, wie die Neuenburger es sind, fast ausschliesslich mit langen Bällen, nie aber mit schnellen Gegenstössen operieren, sagt vieles. Es fehlt den Wohlern momentan noch an klarenIdeen und Spielzügen nach vorne, die es erlauben würden, mit Zug in die Zone des Gegners einzudringen und so auch die stärkeren Gegner unter Druck setzen zu können.

Starke Defensive

Im selben Atemzug darf man dem FC Wohlen aber ein grosses Kompliment für seine Defensive aussprechen. Mit der neu formierten Abwehr um Königstransfer Florian Stahel und Goalie Joel Kiassumbua blieben die Freiämter nun in zwei Spielen ohne Gegentor. Etwas, das in der gesamten vergangenen Saison nie gelang. Auch dies beweist: Der FCW scheint auf dem richtigen Weg zu sein.

Dass Coach Martin Rueda und sein Team jedoch noch Zeit brauchen, um Automatismen in Defensiv- wie Offensivspiel aufkommen zu lassen, steht ausser Frage. Dennoch scheint die Offensive eine Baustelle im Freiamt zu bleiben. Zumindest vorerst. Dass diese Baustelle in einigen Wochen geschlossen werden kann, ist jedoch nicht auszuschliessen. Was dabei helfen könnte, wäre der Zugang eines weiteren Offensiven. Das Transferfenster wäre für internationale Transfers noch bis zum 31. August offen,für Schweizer Transfers gar einen Monat länger.