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Die «riesige Baustelle» Endingen will aufsteigen – doch das soll erst der Anfang sein

Der Handballklub aus Endingen wurde in diesem Sommer generalüberholt. Nicht nur der Name ist anders, auch elf neue Spieler sind gekommen. Für Trainer Zoltan Majeri bedeutet das viel Arbeit, um die Puzzleteile zusammenzufügen.

Frederic Härri
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Für die Mannschaft von Zoltan Majeri (links) gibt es in dieser Saison nur ein Ziel: aufsteigen.

Für die Mannschaft von Zoltan Majeri (links) gibt es in dieser Saison nur ein Ziel: aufsteigen.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Wo soll man anfangen? Vieles ist neu in Endingen, fast alles, um genau zu sein. Es fängt beim Namen an. Das «TV» vor der Ortsbezeichnung ist nicht mehr, in dicken Lettern prangt da jetzt ein «Handball» auf dem Logo. Dieses kommt selbstredend ebenfalls in verändertem Look daher, wie die neuen Trikots auch. Die gewichtigste Veränderung aber betrifft den Teil, der fürs Endprodukt zuständig ist: die Mannschaft. Elf Spieler sind gegangen, elf Spieler gekommen. Und der Mann, der den Umbruch zu bewältigen hat, sagt: «Unser Team ist eine riesige Baustelle».

Endingens Trainer Zoltan Majeri.

Endingens Trainer Zoltan Majeri.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Zoltan Majeri meint das keineswegs im negativen Sinne, wie man vielleicht denken könnte. Der Trainer selbst war es ja, der die neue Stossrichtung entscheidend mitgeprägt hat. Weg vom Halbprofi- und Hobbytum, hin zu mehr Professionalität. Trainiert wird nun sechs bis sieben Mal in der Woche, manchmal auch morgens und abends. Es sind Strukturen, wie sie denjenigen von erfolgreichen Vereinen in der Nationalliga A gleichen, was kein Zufall ist. Denn in Endingen soll die Kultur künftig eine andere sein. Und insbesondere möchte man sich von etwas befreien, das den Handballern aus dem Surbtal schon seit einigen Jahren anhaftet: dem Ruf der Liftmannschaft.

Majeri mit der U17 erfolgreich

Zoltan Majeri ist nicht nur Trainer von Handball Endingen, sondern betreut auch die U17-Auswahl der HSG Aargau Ost. In der Vorwoche konnte der Coach mit seinen Junioren einen grossen Erfolg feiern: Am GoEasy International Cup bezwang die die HSG die U17-Mannschaft des Bundesligaklubs Balingen-Weilstetten, die im internationalen Vergleich zu den Top-Auswahlen gehört. Majeris Team gewann gegen Balingen-Weilstetten im Final mit 30:28.

Ziel in dieser Saison ist der Aufstieg, da führt kein Weg daran vorbei. Majeri und den Klubverantwortlichen steht der Sinn jedoch nach Höherem. Das Auf und Ab der Vergangenheit soll passé sein. Mittelfristig will sich Endingen in den Top sechs im Schweizer Handball etablieren, wie es in den (natürlich ebenfalls neuen) Leitsätzen geschrieben steht. Man wolle eine «Siegermannschaft formieren» und «zeigen, dass das nicht nur leere Worte sind», sagt Majeri. Oder anders ausgedrückt: «Handball Endingen wird immer um den Sieg spielen, egal gegen wen.»

Neuzuzug Nino Grzentic soll in der neuen Saison für die Tore aus dem linken Rückraum sorgen.

Neuzuzug Nino Grzentic soll in der neuen Saison für die Tore aus dem linken Rückraum sorgen.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Das klingt ambitiös. Doch wer Majeri kennt, der weiss auch, dass es wenige Herausforderungen im Leben gibt, vor denen er zurückweichen würde. Für die hochtrabenden Pläne hat sich der Coach das nötige Personal beschafft. Spieler, dessen Vita auf dem Papier interessant erscheint. Spieler aber auch, an die sich die Fans in der GoEasy Arena noch gewöhnen werden müssen. Das Gros der Zuzüge kommt aus der slowenischen und der kroatischen Liga, auch bei Wacker Thun, GC Amicitia oder im österreichischen Graz ist man fündig geworden. Die einen sind potenzielle Spielentscheider, andere als Rollenspieler eingeplant.

Nach vier Jahren beim HSC ist Dario Ferrante zurück in Endingen.

Nach vier Jahren beim HSC ist Dario Ferrante zurück in Endingen.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Bei all den neuen Gesichtern fällt ein vertrautes umso mehr auf. Dario Ferrante ist zurück im Endinger Tor, nachdem er vier Jahre beim Kantonsrivalen HSC Suhr Aarau verbracht hatte. Der 27-Jährige hätte auch anderswo spielen können, entschied sich aber bewusst für den Schritt zurück, weil ihm der neu implementierte Leistungsgedanke gefällt. Ferrante wird wichtige Erfahrungswerte aus der Nationalliga A mitbringen, die dem Rest des Teams ein wenig abgeht, wenn man die arrivierten Christian und Lukas Riechsteiner einmal ausser Acht lässt. Komplettiert wird das Torhütertandem vom talentierten Lars Gross, der aus der Region stammt und zuletzt bei den Kadetten Schaffhausen ausgebildet worden war. Aus dem Vorjahr noch bestens vertraut sind Shootingstar Noah Grau und Publikumsliebling Justin Larouche. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich der Kanadier eine Liga tiefer machen wird, nachdem er in seiner letztjährigen Debütsaison bereits bester Torschütze der Endinger geworden war.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht ganz leicht, das Leistungsvermögen dieser neuformierten Mannschaft einzuschätzen. Der jüngste Sieg im Axpo Cup gegen den HSC Suhr Aarau lässt aufhorchen, wenngleich man Testspielergebnissen nicht zu viel Bedeutung beimessen sollte. Und doch war jene Partie eine Spiegelung dessen, was sie in Endingen sehnlichst herbeisehnen: konkurrenzfähig zu sein in der höchsten Spielklasse des Landes.

Erst muss allerdings die Nationalliga B bewältigt werden. «Wir brauchen möglichst schnell Erfolgserlebnisse, um Vertrauen zu schaffen und Automatismen zu erarbeiten», sagt Zoltan Majeri. Da können zwei Punkte zum Start gegen Steffisburg sicherlich nicht schaden.

Handball Endingen startet am Samstag (17 Uhr) auswärts beim TV Steffisburg in die Saison.

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