NLA-Handball
Wieder Kreisläufer statt Kommentator: TVE-Spieler Leonard Pejkovic steht vor seinem Comeback

Leonard Pejkovic hat sich im Juni eine schwere Schulterverletzung zugezogen. Im Heimspiel seines TV Endingen gegen den RTV Basel vom Freitag (Anpfiff: 20 Uhr) soll der 30-jährige Slowene sein Comeback geben – 335 Tage nach seinem letzten Ernstkampf.

Dean Fuss
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Im Herbst amtete Leonard Pejkovic bei den Livestreams der Heimspiele des TV Endingen als Co-Kommentator.

Im Herbst amtete Leonard Pejkovic bei den Livestreams der Heimspiele des TV Endingen als Co-Kommentator.

Bild: Alexander Wagner

Die Matchuhr in der Aarauer Schachenhalle zeigt 59:20 an. Der TV Endingen liegt nach dem nächsten Gegentreffer auswärts beim HSC Suhr Aarau mit 20:24 zurück. Punkte liegen für die Surbtaler Gäste keine mehr drin. Es geht nur noch um die Ehre.

Trotzdem führt TVE-Kreisläufer Leonard Pejkovic das Anspiel am Mittelkreis zügig aus. Der Kreisläufer läuft ohne Ball ein, reibt sich an der HSC-Defensive auf. Während der Ball in den Reihen seiner Teamkollegen zirkuliert, duelliert er sich zuerst intensiv mit Martin Slaninka, dann auch noch mit Patrick Strebel.

TVE-Kreisläufer Leonard Pejkovic erzielte am 7. März 2020 gegen den HSC Suhr Aarau drei Treffer.

TVE-Kreisläufer Leonard Pejkovic erzielte am 7. März 2020 gegen den HSC Suhr Aarau drei Treffer.

Bild: Alexander Wagner

Schliesslich setzt sich Pejkovic von seinen Bewachern am Kreis ab. Der 30-jährige Slowene erhält den Ball und bezwingt HSC-Torhüter Dragan Marjanac neun Sekunden vor der Schlusssirene mit einem wuchtigen Wurf in die nahe, obere Ecke. 21:24. Endstand.

335 Tage ohne Pflichtspieleinsatz

Die geschilderte Szene spielte sich Anfang März des vergangenen Jahres ab. 335 Tage sind seither vergangen. Kein einziges Pflichtspiel hat Pejkovic seither absolviert. Denn wenige Tage nach dem Aargauer Derby wurde die Saison 2019/20 wegen der Coronakrise abgebrochen. Und als die Vorbereitung auf die neue Spielzeit im Juni so richtig Fahrt aufnahm, kugelte er sich die Schulter in seinem rechten Wurfarm aus. Die Folgen: Bruch des Schulterknochens und Schäden an Kapsel und Labrum. Pejkovic musste operiert werden.

«Das war die schlimmste Verletzung meiner Karriere», sagt er. Es folgte die harte Arbeit an der Rückkehr in die Mannschaft. Wochen-, ja monatelang musste Pejkovic für sich selber trainieren. Ausgerechnet er, dem das Team dermassen am Herzen liegt:

«Das war für mich mental nicht ganz einfach. Ich bin ein Typ, der immer mit der Mannschaft zusammen sein will.»
Leonard Pejkovic (l.) führt den Covid-19-Test bei HSC-Rückraumspieler Sergio Muggli durch.

Leonard Pejkovic (l.) führt den Covid-19-Test bei HSC-Rückraumspieler Sergio Muggli durch.

Bild: zvg

Also macht sich Pejkovic neben der Platte nützlich. Stellt sich in den Dienst des Vereins: Er wirkt als Co-Kommentator im Livestream von den TVE-Heimspielen («das war eine coole Erfahrung) mit und lässt sich zusammen mit Teammanager Arak Kin zum Covid-19-Tester ausbilden («eine spannende Sache»). Seither kann er die mittlerweile vor den Partien üblichen Schnelltests bei seinen Teamkollegen und den gegnerischen Spielern vornehmen. So ist er rund um die Partien trotz Verletzung involviert und noch näher an der Mannschaft dran.

Das ist aber seit den Weihnachtsferien kein Problem mehr. Seit Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes steht Pejkovic wieder mit seinen TVE-Teamkollegen in der Halle. Die Zeit des Solotrainings ist vorbei. «Mir geht es sehr gut. Bis jetzt läuft alles wie geplant und die Schulter macht problemlos mit», sagt Pejkovic. Die Freude darüber ist ihm auch via Telefon richtiggehend anzuhören – zumal er ergänzt: «Ich bin wieder da und stehe dem Trainer beim Auftakt gegen den RTV Basel zur Verfügung. Ob er mich einsetzt oder nicht, ist dann natürlich seine Entscheidung.»

Leonard Pejkovic (r.) im Einsatz als Livestream-Co-Kommentator zusammen mit Liga-Mediensprecher Matthias Schlageter.

Leonard Pejkovic (r.) im Einsatz als Livestream-Co-Kommentator zusammen mit Liga-Mediensprecher Matthias Schlageter.

Bild: Alexander Wagner

Allerdings wird TVE-Trainer Zoltan Majeri so oder so kaum auf die Dienste Pejkovics verzichten können: Startet doch der TV Endingen nach der Winterpause gleich mit zwei Partien innert 48 Stunden. Am Freitagabend empfangen die Surbtaler den RTV Basel (Anpfiff: 20 Uhr) und am Sonntagnachmittag gastieren sie zum dritten Aargauer Derby der Saison beim Kantonsrivalen HSC Suhr Aarau (Anpfiff: 16 Uhr) in der Schachenhalle.

Auch Simon Huwylers Vorfreude ist riesig

Pejkovics Vorfreude jedenfalls ist riesig. So riesig, dass in dieser Hinsicht wohl nur einer mithalten kann: Simon Huwyler. Das zumindest sagt Pejkovic:

«Simon hat mir vor ein paar Wochen gesagt, dass er sich wohl am meisten auf meine Rückkehr freue. Klar, auf seinen Schultern lagerte zuletzt eine grosse Last. Es ist unglaublich, wie er das gemeistert hat. Respekt!»

Das ist durchaus verständlich. Hatte der bald 30-jährige Defensivspezialist Huwyler die Rolle des Kreisläufers doch während Pejkovics verletzungsbedingter Abwesenheit fast über die komplette Spielzeit offensiv sowie defensiv ausfüllen müssen. Mit der Rückkehr Pejkovics darf er sich künftig wohl wieder in erster Linie auf die Abwehrarbeit konzentrieren.

TVE-Kreisläufer Simon Huwyler darf sich dank der Rückkehr von Leonard Pejkovic künftig wohl wieder vornehmlich um die Defensivarbeit kümmern.

TVE-Kreisläufer Simon Huwyler darf sich dank der Rückkehr von Leonard Pejkovic künftig wohl wieder vornehmlich um die Defensivarbeit kümmern.

Bild: Alexander Wagner

Pejkovics Zukunft ist noch nicht geregelt

Wie Huwyler, der nach einem Abstecher ins Berner Oberland auf diese Saison hin von Wacker Thun zum TV Endingen zurückgekehrt ist, und die Brüder Christian und Lukas Riechsteiner gehört Pejkovic zu den Urgesteinen des Vereins. Seit 2011 spielt er für die Surbtaler und hat in insgesamt 222 Meisterschaftspartien 820 Tore geworfen.

Gleichwohl ist Pejkovics Zukunft noch nicht geklärt. Sein Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Gespräche über eine Verlängerung hat es bisher noch keine gegeben. «Das ist zu diesem Zeitpunkt in Ordnung für mich. Denn zuletzt lag meine Konzentration voll und ganz auf meinem Comeback. Sobald ich aber wieder voll im Einsatz bin, möchte ich meine Zukunft möglichst bald geregelt haben», sagt Pejkovic.

TVE-Kreisläufer Leonard Pejkovic (M.) war auch während seiner verletzungsbedingten Abwesenheit immer ganz nahe an der Mannschaft dran.

TVE-Kreisläufer Leonard Pejkovic (M.) war auch während seiner verletzungsbedingten Abwesenheit immer ganz nahe an der Mannschaft dran.

Bild: Alexander Wagner

Und diese sieht der Familienvater noch für die nächsten paar Jahre auf der Platte. «Ich habe noch viel vor, der Rücktritt ist deshalb noch kein Thema. Ich habe noch drei, vier Saisons in mir. Das ist es auch, was mich für den harten Kampf zurück nach der schweren Schulterverletzung motiviert hat», sagt Pejkovic.

Und so dürfte auf seinem Statistikblatt in den kommenden Jahren noch das eine oder andere Tor hinzukommen, bevor er sich dann vielleicht an die Erfahrungen aus dieser Saison erinnert und zum TV-Kommentator wird.

TV Endingen

Auftakt ins letzte Drittel der Hauptrunde

Als einzige Mannschaft in der gesamten NLA hat der TV Endingen bis zur Winterpause 18 Partien und damit zwei Drittel aller Partien der Hauptrunde absolviert. Für die Surbtaler markiert das Heimspiel gegen den RTV Basel am Freitag deshalb den Auftakt ins letzte Drittel der Hauptrunde. Und es geht gleich um viel: Der aktuelle Tabellenletzte aus Endingen (18 Partien/4 Punkte) liegt derzeit vier Punkte hinter den achtplatzierten Baslern (15/8) zurück. Mit einem Sieg könnten Pejkovic und Co. den Rückstand halbieren. Bis auf Oliver Mauron, der wegen einer Fussverletzung ein paar Wochen ausfallen dürfte, kann TVE-Trainer Zoltan Majeri aus dem Vollen schöpfen. An Stelle von Mauron dürfte am Freitag gegen den RTV der rechte Flügel Jerome Portmann seinen Einstand im Trikot der Endinger geben. Der 23-jährige Linkshänder hat aus Konstanz, wo er in der 2. und 3. Bundesliga zum Einsatz kam, ins Surbtal gewechselt und einen Vertrag bis Ende der laufenden Saison unterschrieben.