NLA-Handball
Der TV Endingen kämpft mit viel Herz und verliert dennoch: Gegen Wacker Thun unterliegt er 26:28

Der TV Endingen verliert zu Hause gegen Wacker Thun mit 26:28. Mit der Niederlage ist auch klar: TVE-Abwehrchef Simon Huwyler wartet weiterhin auf seinen ersten Pflichtspielsieg gegen seinen jüngeren Bruder und Wacker-Abwehrchef Stefan.

Dean Fuss
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Viel Herz bewiesen und doch verloren: TVE-Abwehrchef Simon Huwyler.

Viel Herz bewiesen und doch verloren: TVE-Abwehrchef Simon Huwyler.

Bild: Alexander Wagner

«Moment. Ich muss da etwas richtig stellen: Ich habe ihn schon einmal besiegt – das war zwar ein Testspiel, aber Sieg ist Sieg. Damit habe ich ihn wochenlang aufgezogen», sagt Simon Huwyler.

Seit der Schlusssirene sind erst ein paar Minuten vergangen. Das Adrenalin pumpt noch. Der 29-jährige Kreisläufer des TV Endingen würde jetzt lieber ausführen, wie er seinem jüngeren Bruder Stefan (27) den Triumph genüsslich unter die Nase reibt.

Stattdessen sitzt er da und muss eine Niederlage erklären. Auch nach dem fünften Bruderduell wartet Simon weiterhin auf seinen ersten Pflichtspielsieg gegen Stefan.

Die Flucht in die Erinnerung vermag immerhin den unmittelbaren Ärger über die 26:28-Niederlage des TV Endingen gegen Wacker Thun etwas zu dämpfen:

«Wir waren so nahe dran. Aber nahe dran reicht nun einmal einfach nicht. Das haben wir in dieser Saison schon mehrfach erfahren müssen.»

Tatsächlich waren die Surbtaler nahe dran gewesen, 91 Tage nach ihrem letzten Punktgewinn – beim 32:32 auswärts, ausgerechnet in Thun – endlich wieder einmal zu punkten.

Es war um die 40. Spielminute, als die Partie zu Gunsten des TV Endingen zu kippen schien. Statt in Rückstand wie zuvor über die meiste Zeit lag die Mannschaft von Simon Huwyler plötzlich mit zwei Treffern in Front, verpasste es aber die Führung in dieser Phase weiter auszubauen.

Dem TV Endingen fehlt weiterhin der Killerinstinkt

«Uns hat der Killerinstinkt gefehlt. Einmal mehr», sagt TVE-Trainer Zoltan Majeri im Rückblick auf die Partie. Nach der 19:38-Klatsche vom vergangenen Wochenende auswärts bei den Kadetten Schaffhausen war der 47-Jährige vom Auftritt seiner Mannschaft völlig enttäuscht gewesen. Das ist dieses Mal anders:

«Ich bin naturgemäss nicht zufrieden mit dem Ausgang dieser Partie. Aber im Gegensatz zum Schaffhausen-Spiel war meine Mannschaft gegen Wacker präsent. Sie hat gekämpft, sie hat alles versucht. Aber leider haben wir einfach zu viele Fehler gemacht.»
TVE-Trainer Zoltan Majeri.

TVE-Trainer Zoltan Majeri.

Bild: Freshfocus

Ein Blick in die Statistik bestätigt das: 18 Fehlwürfe leistete sich der TVE, Wacker deren 15. Bei den Technischen Fehlern lautet das Verhältnis 9:6. Die Niederlage mit zwei Treffern Differenz ist damit bereits hinlänglich erklärt.

Immerhin: Den Fehlern zum Trotz haben die Spieler des TV Endingen eine Reaktion auf den vor allem in der zweiten Halbzeit dürftigen Auftritt in Schaffhausen gezeigt. Dass sie am Ende gegen Wacker Thun in einer beidseits intensiv geführten Partie als Verlierer von der Platte gehen müssen ist nach dieser Leistung hart.

Kein verfrühtes Geburtstagsgeschenk für Stefan Huwyler

Und damit zurück zum Bruderduell der Huwylers: «Ich bin sehr froh, dass ich nun keine ­hämischen Sprüche von ihm zu befürchten habe», sagt Stefan.

Feiert am Mittwoch seinen 28. Geburtstag: Wacker-Abwehrchef Stefan Huwyler.

Feiert am Mittwoch seinen 28. Geburtstag: Wacker-Abwehrchef Stefan Huwyler.

Bild: Freshfocus

Beim Sieg handelte es sich aber keinesfalls um ein verfrühtes Geschenk zum am kommenden Mittwoch anstehenden 28. Geburtstag. Dafür musste sich sein Wacker den Sieg über Simon und den TVE zu hart erarbeiten.

«Ich bin froh, dass wir uns nach der kurzen Schwächephase Mitte der zweiten Halbzeit wieder gefangen und die zwei Punkte nach Hause gebracht haben», sagt der frühere TVE-Spieler und heutige Wacker-Abwehrchef.

Und so bleibt die Hoheit über Sprüche zum Bruderduell bei Stefan Huwyler – zumindest in Sachen Pflichtspielsiegen.

Telegramm

Endingen – Wacker Thun 26:28 (12:13)

GoEasy Arena, Siggenthal Station. – Keine Zuschauer. – SR Abalo/Maurer. – Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Endingen, 3-mal 2 Minuten gegen Wacker Thun.

Endingen: Schams (12 Paraden)/Imhof; N. Grau (6 Tore), Huesmann (1), Si. Huwyler (1), Larouche (3), Mauron (2), Pejkovic (2), Portmann (2), Radovanovic (5), C. Riechsteiner (3), L. Riechsteiner, Schafroth (1).

Wacker Thun: Wick (4 Paraden), Winkler (5); Bouilloux (2 Tore), Chernov (2), Dähler (4), Dannmeyer (5), Felder, Friedli, St. Huwyler, Raemy (3), Schwab (3), Sorgen (1), von Deschwanden (8).

Bemerkungen: Endingen ohne S. Grau, Mischler, Mühlebach (ohne Einsatz) und Fischer (nicht im Aufgebot). – Verhältnis verschossener Penaltys: 0:0.

Sie haben die Partie verpasst? Schauen Sie sie sich hier in der Aufzeichnung des Livestreams an:

Lesen Sie im Folgenden den Spielverlauf nach:

Der TV Endingen wartet vor Beginn der Partie gegen Wacker Thun mit positiven Neuigkeiten aus seinem Lazarett auf: Mit Kreisläufer Leonard Pejkovic und den beiden rechten Flügeln Oliver Mauron sowie Jérome Portmann kehren gleich drei Spieler ins Aufgebot der Surbtaler zurück.

Der Auftakt in die Partie verläuft dann etwas weniger erfolgreich. Allerdings: Obwohl die TVE-Offensive erst kurz vor Ablauf der 10. Spielminute zum zweiten Mal erfolgreich ist, liegt das Heimteam zu diesem Zeitpunkt nur mit 2:3 zurück und kann eine halbe Minute später sogar erstmals wieder ausgleichen 3:3. In der Folge entwickelt sich das Skore erst einmal gleichmässig weiter.

Kurz vor Ablauf der 19. Spielminute beträgt der Rückstand der Endinger dann erstmals drei Treffer (5:8) – und bei dieser Differenz bleibt es vorerst. Als TVE-Trainer Zoltan Majeri viereinhalb Minuten vor der Pausensirene sein erstes Team-Timeout bezieht steht es 8:11. Die Worte des Trainers scheinen ihre Wirkung nicht zu verfehlen: Eine knappe Minute später verkürzt der TVE nach der vierten Parade von Torhüter Vit Schams auf 10:11.

Einen verpatzten Angriff später liegt das Heimteam indes in der 28. Spielminute wieder um drei Längen (10:13) zurück. Dank zwei weiteren Paraden von Torhüter Schams schaffen die Endinger dann mit einem Treffer wenige Sekunden vor der Pause den erneuten Anschluss und verabschieden sich mit einem knappen 12:13-Rückstand in die Kabine.

Die Chance auf den erstmaligen Ausgleich seit dem 3:3 stehen nach der Pause gut, denn die Endinger starten mit Ballbesitz in den zweiten Durchgang. Weil sie aber in den ersten knapp drei Spielminuten gleich drei Mal am neu zwischen den Wacker-Pfosten stehenden Marc Winkler scheitern, wächst der Rückstand stattdessen wieder auf zwei Treffer (12:14) an.

Mit etwas Verspätung gelingt der Ausgleich dann doch noch: Kurz nach Anbruch der 36. Spielminute gelingt im schnellen Gegenstoss nach einem Wacker-Fehler das 14:14. Und eine Minute später ist es nach einer weiteren Schams-Parade ausgerechnet Simon Huwyler, der den TVE mit seinem ersten Treffer der Partie zum 16:15 erstmals in Führung wirft.

Nun nehmen das Spiel und vor allem auch der TVE so richtig Fahrt auf: Und es ist Portmann, der bei seinem «zweiten Debüt» im Trikot der Endinger nach einem weiteren Wacker-Fehler in der 39. Minute zum 18:16 trifft. Und das, nur zwei Wochen nach seinem beim «ersten Debüt» gegen den RTV erlittenen Nasenbeinbruch.

Nachdem ein Abschlussversuch von Pejkovic durch Wacker-Torhüter Winkler pariert wird, muss der TVE kurz nach Ablauf der 44. Spielminute den Ausgleich zum 20:20 hinnehmen. Und weil sich das Heimteam gleich im nächsten Angriff einen Fehler leistet, liegt es anderthalb Minuten später wieder zurück (20:21). TVE-Trainer Majeri beruhigt die Partie nun, indem er sein zweites Team-Timeout bezieht.

Obwohl der TVE danach zwischenzeitlich (48., 21:23) mit zwei Treffern in Rückstand gerät, gelingt Milomir Radovanovic mit seinem fünften persönlichen Treffer kurz nach Ablauf der 50. Spielminute und dem 24:24 der erneute Ausgleich. Die Schlussphase in dieser intensiven Partie verspricht nun viel Spannung.

Knapp sieben Minuten vor der Schlusssirene hat der Zweitore-Rückstand (24:26) dann nach einem unglücklichen Endinger Pfostentreffer doch wieder Bestand. Und weil Captain Christian Riechsteiner seinen nächsten Versuch über den Kasten der Thuner setzt, sieht es zwei Minuten später nach dem erfolgreichen Gegenstoss der Gäste und dem 24:27 noch etwas schlechter aus.

Trotz weiterer Chancen und auch aufgrund eines weiteren unglücklichen Pfostenschusses (58.) gelingt es dem TVE nicht mehr, ein weiteres Mal zum Gegner aufzuschliessen. Und so muss sich das Heimteam den Thunern trotz eines beherzten Auftritts schliesslich mit 26:28 geschlagen geben.