NLA-Handball
Dritter Sieg im dritten Spiel des Jahres 2021: Der HSC Suhr Aarau dominiert Wacker Thun und gewinnt mit ganz viel Liebe

Der HSC Suhr Aarau verfügt im Jahr 2021 auch nach drei Partien weiterhin über eine weisse Weste: Dank einer starken Defensive besiegen die Aargauer Wacker Thun mit 24:15. Zur Pause war der Gastgeber in der Aarauer Schachenhalle mit 11:9 in Führung gelegen.

Dean Fuss
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Der HSC Suhr Aarau feiert den Sieg gegen Wacker Thun am Valentinstag mit ganz viel Herz – und sendet damit auch Genesungswünsche an die Adresse von Assistenztrainer Tom Reichmuth.

Der HSC Suhr Aarau feiert den Sieg gegen Wacker Thun am Valentinstag mit ganz viel Herz – und sendet damit auch Genesungswünsche an die Adresse von Assistenztrainer Tom Reichmuth.

Bild: Alexander Wagner

Ein paar Augenblicke nach der Schlusssirene versammelt sich die Mannschaft des HSC Suhr Aarau zum obligaten Fototermin vor dem Torgestänge.

Alles wie immer. Fast. Statt geballter Fäuste oder Victoryzeichen gibt es von den meisten Spielern mit ihren Fingern geformte Herzen zu sehen. Die Spieler des HSC feiern den 24:15-Sieg gegen Wacker Thun mit ganz viel Herz. So, wie es sich am Valentinstag gehört.

Es entsteht ein Bild, das den beherzten Auftritt des HSC am Sonntagnachmittag fast schon perfekt auf den Punkt bringt. Mit ganz besonders viel Herz geht das Heimteam in der coronabedingt einmal mehr leeren Schachenhalle in der Defensive ans Werk.

Leo Grazioli steht in den letzten zehn Minuten der Partie beim HSC zwischen den Pfosten und kassiert nur zwei «statistische Treffer». Es sind die beiden Würfe auf seinen Kasten, als er in Unterzahl einem sechsten Feldspieler Platz gemacht hat.
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HSC-Torhüter Dragan Marjanac (hinten) steht bis zur 50. Minute im Kasten und pariert 15 von 28 Würfen auf seinen Kasten.
Der HSC Suhr Aarau feiert den Sieg am Valentinstag mit ganz viel Liebe.
Die obligate Jubeltraube des HSC nach dem deutlichen 24:15-Sieg.
Manuel Zehnder war mit acht Treffern der erfolgreichste Werfer des HSC.
HSC-Spielmacher Tim Aufdenblatten (hinten) war drei Mal erfolgreich.
Wacker-Topskorer Lukas von Deschwanden (l.) gelang gegen die starke HSC-Defensive (hier Tim Aufdenblatten) nur ein einziger Treffer.
Martin Slaninka (l.) und João Ferraz (r.) machen zu und lassen Wacker-Spieler Roman Bouilloux nicht durch.
Phasenweise gab es für die Thuner kaum ein Durchkommen gegen die HSC-Defensive.
HSC-Kreisläufer Martin Slaninka (r.) lässt sich von Wacker-Topskorer Lukas von Deschwanden nicht stoppen.
HSC-Linkshänder Daniel Parkhomenko (vorne) wird vom Thuner Topskorer Lukas von Deschwanden in die Mangel genommen.
Manuel Zehnder (l.), der in Abwesenheit von Timothy Reichmuth auf dem linken Flügel zum Einsatz kam, im Zweikampf mit Wackers Stefan Huwyler.
HSC-Portugiese Diogo Oliveira (r.) wird von Wacker-Abwehrspezialist Stefan Huwyler hart angegangen.
HSC-Trainer Misha Kaufmann gibt im Livestream-Interview vor Beginn der Partie Auskunft.
Wacker-Topskorer Lukas von Deschwanden ärgert sich.
Kuscheln am Valentinstag: Die Thuner Roman Bouilloux (r.) und Stefan Huwyler (oben) gehen mit HSC-Linkshänder Daniel Parkhomenko zu Boden.
HSC-Portugiese Diogo Oliveira (M.) wird von den Thunern Stefan Huwyler (l.) und Max Dannmeyer gestoppt.
Wacker-Trainer Martin Rubin gibt seinen Spielern Anweisungen.

Leo Grazioli steht in den letzten zehn Minuten der Partie beim HSC zwischen den Pfosten und kassiert nur zwei «statistische Treffer». Es sind die beiden Würfe auf seinen Kasten, als er in Unterzahl einem sechsten Feldspieler Platz gemacht hat.

Bild: Alexander Wagner

Nur gerade 15 Gegentreffer lässt Suhr Aarau zu. Ein Schlüssel dafür sind neben der starken Defensive auch die beiden Torhüter: Dragan Marjanac und Leo Grazioli. Ersterer steht bis zur 50. Spielminute zwischen den Pfosten und pariert 15 der 28 Würfe auf seinen Kasten. Das schlägt sich in der überragenden Abwehrquote von 54 Prozent nieder.

Gar noch besser liest sich die Statistik von Zweiterem: Grazioli, der für die letzten zehn Spielminuten eingewechselt wird, pariert vier von vier Würfen. Gleichwohl kommt er wegen der beiden Thun-Treffer ins leere Tor «nur» auf eine Abwehrquote von 67 Prozent. Denn weil der 20-Jährige in Unterzahl einem sechsten Feldspieler Platz gemacht hat, gehen diese Gegentreffer statistisch auf seine Kappe.

Der HSC verfügt im Jahr 2021 weiterhin über eine weisse Weste

«Das war ein ganz starkes Spiel von uns», sagt Marjanac und fügt an:

«Die Abwehr stand gut und hat sehr stark geholfen. Wenn wir so aufspielen, dann schlägt sich das im Endresultat nieder.»

Tatsächlich: Bei den zwei Siegen gegen St. Otmar (39:32) und Endingen (32:23) hatte der HSC für seine Verhältnisse sehr viele Gegentreffer kassiert. Gegen Wacker scheint die Mannschaft von Trainer Misha Kaufmann zu ihrer Defensivstärke zurückgefunden zu haben.

Ausdruck dessen sind die beiden rund zehnminütigen Phasen ohne einen einzigen Gegentreffer rund um die Pause. Es waren diese Momente Ende der ersten und Anfang der zweiten Halbzeit, in denen der HSC die Partie vorentscheiden konnte.

Dank des deutlichen Sieges gegen die Berner Oberländer wahrt der HSC weiterhin seine weisse Weste 2021: Im neuen Jahr haben Marjanac und Co. bisher in drei Partien drei Mal gewonnen.

Läuft alles nach Papierform, dürfte sich daran auch am kommenden Donnerstag nichts ändern: Ins Gastspiel beim BSV Bern gehen die Aargauer mit zwölf Punkten Vorsprung in der Tabelle als klarer Favorit.

Herzen gelten Assistenztrainer Tom Reichmuth

Doch zurück zu den Herzen auf dem Siegerbild. Diese geben nicht nur der Freude über den Vollerfolg am Valentinstag Ausdruck: Viel mehr gelten sie Assistenztrainer Tom Reichmuth, der bisher nicht in den Kreis der Mannschaft hat zurückkehren können und derzeit nicht an der Seitenlinie steht.

Der 52-Jährige hat sich wie sein Sohn und HSC-Flügelspieler Timothy, der gestern Nachmittag nach überstandener Coronaerkrankung zumindest das Aufwärmen mit den Teamkollegen mitmachte, mit dem Coronavirus infiziert und erholt sich derzeit im Spital von den Folgen der Covid-19-Erkrankung.

Telegramm

Suhr Aarau - Wacker Thun 24:15 (11:9)

Schachenhalle, Aarau. – Keine Zuschauer. – SR Hennig/Meier. – Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Suhr Aarau, 4-mal 2 Minuten gegen Wacker Thun.

Suhr Aarau: Marjanac (15 Paraden)/Grazioli (4); Attenhofer, Aufdenblatten (3 Tore), Ferraz (5), Oliveira (3), Laube, Muggli (2), Müller, Parkhomenko (1), Poloz (1), Sarlos, Slaninka (1), Zehnder (8).

Wacker Thun: Winkler (4 Paraden)/Wick (4/2 Tore); Bouilloux (3 Tore), Chernov, Dähler (1), Dannmeyer (3), Felder (1), Huwyler, Linder (1), Raemy (1), Schwab, Sorgen (2), von Deschwanden (1).

Bemerkungen: Suhr Aarau ohne Reichmuth (rekonvaleszent), Peter, Hofer, Strebel (alle verletzt), Brandt, Kalt (beide ohne Einsatz) und Ferrante (abwesend). – Verhältnis verschossener Penaltys: 1:1.

Sie haben die Partie verpasst? Schauen Sie sie sich hier in der Aufzeichnung des Livestreams an:

Lesen Sie im Folgenden den Spielverlauf nach:

Der HSC Suhr Aarau kommt gut ins Heimspiel gegen Wacker Thun: Obwohl die Aargauer in der Defensive starten liegen sie nach etwas mehr als vier Spielminuten mit 2:0 in Front. Einen von Manuel Zehnder verschossenen Siebenmeter später ist die ganze Geschichte in der 7. Minute allerdings bereits wieder ausgeglichen (2:2).

Danach entwickelt sich das Skore ausgeglichen weiter. Es dauert bis zur 13. Spielminute, ehe es dem HSC gelingt, wieder zwei Treffer Differenz (6:4) zu schaffen. Drei Minuten später lässt sich HSC-Torhüter Dragan Marjanac bereits seine fünfte Parade (Abwehrquote: 50 Prozent) notieren und seine Vorderleute wissen dies zum 9:5 zu nutzen.

Nach zwei Technischen Fehlern des Heimteams in Serie bezieht Trainer Misha Kaufmann in der 20. Spielminute beim Stand von 10:8 für den HSC sein erstes Team-Timeout. In den folgenden acht Minuten gelingt keinem der beiden Teams auch nur ein einziger Treffer. Das hat einerseits mit den Torhütern auf beiden Seiten zu tun, andererseits leisten sich die Offensivreihen in dieser Phase auch schlicht und einfach zu viele Fehler.

Es ist der HSC, der diesen torlosen Patt bricht. Und wie! Diogo Oliveira schliesst nach Zuspiel von David Poloz mit einem Flieger zum 11:8 ab. Bis zur Pause gelingt dann auch den Gästen noch ein Treffer und so steht es nach der ersten Halbzeit 11:9.

Der HSC kommt erneut gut aus der Kabine und startet sogar noch besser, als im ersten Durchgang. Hinten wird der eigene Kasten konsequent verbarrikadiert, Torhüter Marjanac pariert erneut Ball um Ball und vorne zeigen sich die Aargauer mehr oder weniger treffsicher. Und so wird bis nach Ablauf der 40. Spielminute aus der Zweitoreführung eine mit neun Treffern Differenz (18:9). Das Heimteam nimmt die Gäste in dieser Phase richtiggehend auseinander.

Es dauert bis kurz vor Ablauf der 41. Spielminute und dem 10:18 der Gäste, ehe sich HSC-Torhüter Marjanac – der bis zu diesem Zeitpunkt 13 von 23 Würfen auf seinen Kasten gehalten hat – erstmals wieder bezwingen lassen muss.

In den folgenden zehn Minuten erzielt der HSC zwar nur drei Treffer, kassiert aber eben auch nur deren drei – und liegt so weiterhin unbedrängt mit 21:13 in Front.

In der Folge macht Dragan Marjanac im HSC-Kasten seinem Stellvertreter Leo Grazioli Platz. Und der macht so weiter, wie sein Vorgänger aufgehört hat. Grazioli pariert die ersten drei Würfe auf seinen Kasten allesamt.

Drei Minuten vor der Schlusssirene scheint es, als würde Grazioli erstmals hinter sich greifen müssen – doch er pariert auch den Siebenmeter von Wackers Topskorer Lukas von Deschwanden. Und dann passiert es doch noch: Sowohl das 14. als auch das 15. Gegentor gehen statistisch auf die Kappe von Grazioli – obwohl er in Unterzahl zu Gunsten des sechsten Feldspielers gar nicht auf der Platte gewesen war.

Schliesslich gewinnt der HSC Suhr Aarau die Partie gegen Wacker Thun mi 24:15 deutlich. Auch dank einer Leistungssteigerung nach der Pause bleiben die Aargauer damit im dritten Spiel 2021 ungeschlagen.