NLA-Handball
Deutliche Niederlage im Kellerduell: Der TV Endingen muss sich GC Amicitia geschlagen geben

Der TV Endingen verliert die Partie der 24. Runde in der NLA zu Hause gegen GC Amicitia mit 27:33 deutlich. Bereits zur Pause war das Heimteam mit 16:20 zurückgelegen. Nach der 21. Saisonniederlage ist nun auch rechnerisch klar: Die Surbtaler müssen in die Playouts.

Dean Fuss
Merken
Drucken
Teilen
Enttäuschung pur: Kreisläufer Leonard Pejkovic (vorne) und seine Teamkollegen ärgern sich nach der Niederlage.
19 Bilder
Sven Schafroth (l.) und Simon Huwyler ärgern sich nach Spielschluss über das klare Verdikt gegen GC Amicitia.
Auch TVE-Topskorer Justin Larouche ist nach der Partie selbstredend sehr unzufrieden.
TVE-Abwehrchef Simon Huwyler (hinten) packt gegen GC-Spieler Simon Schild kräftig zu.
Der ehemalige Endinger und heutige GC-Flügel Florian Leitner (l.) enteilt der TVe-Defensive.
TVE-Trainer Zoltan Majeri gibt seinen Spielern während eines Team-Timeouts Anweisungen.
Kein Durchkommen für Endingens Joel Huesmann (hinten) gegen die GC-Defensive um Anton Prakapenia (l.) und Jorge Paban.
TVE-Trainer Zoltan Majeri (hinten) tröstet seinen rechten Flügel Jérôme Portmann.
Die Endinger Oliver Mauron (r.) und Justin Larouche (l.) versuchen gemeinsam, Albin Alili zu stoppen.
TVE-Topskorer Justin Larouche setzt sich gegen die GC-Defensive durch.
TVE-Flügel Oliver Mauron kommt am Kreis der Zürcher zum Abschluss.
Der Endinger Rückraumspieler Sven Schafroth (l.) setzt sich gegen GC-Amicitia-Spieler Anton Prakapenia durch.
TVE-Topskorer Justin Larouche (r.) im Sprungwurf gegen GC-Torhüter Nikola Marinovic.
Der GC-Kubaner Jorge Paban scheitert nach der Schlusssirene mit seinem direkten Freiwurf-Versuch an der Endinger Mauer.
Vit Schams, die nominelle Nummer 1 im Tor beim TV Endingen, muss sich GC-Topskorer Paul Kaletsch beim Siebenmeter geschlagen geben.
TVE-Abwehrchef Simon Huwyler (l.) stemmt sich mit aller Kraft gegen Amicitia-Spieler Jorge Paban.
TVE-Shooter Joel Huesmann (l.) tut sich in der Offensive wie auch die Mehrzahl seiner Teamkollegen schwer.
TVE-Topskorer Justin Larouche (l.) im Zweikampf mit GC-Spieler Albin Alili.
TVE-Rückraumspieler Sven Schafroth (l.) setzt sich gegen den Zürcher Martin Popovski durch.

Enttäuschung pur: Kreisläufer Leonard Pejkovic (vorne) und seine Teamkollegen ärgern sich nach der Niederlage.

Bild: Alexander Wagner

Noch minutenlang sitzen die Spieler des TV Endingen nach der Schlusssirene auf ihrer Bank. Leere Blicke, einige schweigen, andere diskutieren – die Enttäuschung ist fast schon greifbar.

Nach der 27:33-Pleite zu Hause gegen GC Amicitia – der insgesamt 21. Niederlage im 24. Spiel der Saison – steht nun auch rechnerisch fest: Der TV Endingen muss definitiv in die Playouts. Natürlich hat sich das seit Wochen, ja Monaten abgezeichnet. Es war aufgrund der Ausgangslage schon vor Saisonbeginn von verschiedensten Seiten als wahrscheinlichstes Resultat der Hauptrunde prognostiziert worden.

Wütender Captain Riechsteiner wird laut

Es ist auch nicht der Hauptgrund, für den tief sitzenden Frust nach dieser Partie gegen den Tabellenvorletzten aus Zürich. Das liegt viel mehr an der Art und Weise dieser neuerlichen Niederlage. «Dieser Auftritt hat mich unglaublich wütend gemacht», gibt TVE-Captain Christian Riechsteiner nach Spielschluss zu Protokoll.

Der 30-Jährige hatte seinen Teamkollegen gleich zu Beginn des dritten und letzten Team-Timeouts in der 44. Spielminute lautstark die Meinung gegeigt. Zusammen mit Trainer Zoltan Majeri gelang es Riechsteiner damit in der Auszeit immerhin, die Mannschaft bei der Ehre zu packen.

Aus dem Rückstand von zwölf Treffern wurde so bis zur Schlusssirene einer von «nur» noch deren sechs – gegen allerdings auch nicht mehr ganz so konsequent und mit der zweiten Garde aufspielende Zürcher. «Jeder einzelne muss sich nach dieser Partie an der eigenen Nase nehmen. Auch ich habe kein gutes Spiel gemacht», sagt Riechsteiner gewohnt selbstkritisch.

Die Hoffnung auf den Ligaerhalt lebt weiter

Auch Majeri zeigt sich nach Spielschluss enttäuscht vom Auftritt seiner Schützlinge: «Meine Mannschaft hat nicht das umgesetzt, was wir vor der Partie besprochen haben», sagt der Trainer und fügt an:

«Wenn du so viele 1-gegen-1-Situationen verlierst, dann ist es unmöglich, etwas zu holen.»

Die Aufbruchstimmung, die rund um den TV Endingen seit der Verkündung des Nachfolgeprojekts «Handball Endingen» vor anderthalb Wochen zu spüren gewesen war, scheint nach dem verlorenen Kellerduell weit weg.

Allerdings nur ein paar wenige Minuten lang. Dann betonen sowohl Captain Riechsteiner als auch Trainer Majeri, dass in den Playouts – voraussichtlich gegen denselben Gegner wie am Samstag, die Karten wieder neu gemischt werden: «Wir müssen uns jetzt auf uns fokussieren, aus den Fehlern lernen und ebendiese abstellen», erklärt Majeri.

Sollte das alles nichts helfen, gibt es noch eine letzte Rückfallebene: Es könnte nämlich durchaus sein, dass das Coronavirus (siehe Kasten unten) dem TVE plötzlich noch zupass kommt und dem Abenteuer «Handball Endingen» doch noch die Chance auf einen Beginn in der NLA gibt.

Coronavirus

Nach sechs Coronafällen: Der TV Möhlin ist in Quarantäne

Dass sowohl die Fortsetzung der Meisterschaft in der NLB als auch deren regulärer Abschluss innert nützlicher Frist keineswegs gesichert ist, zeigte sich bereits am vergangenen Samstag ein erstes Mal: Dann nämlich vermeldete der Aargauer NLB-Verein TV Möhlin, dass sich die gesamte erste Mannschaft seit Donnerstag und bis auf Weiteres in Quarantäne befindet. Dies, nachdem vier Spieler, Trainer Samir Sarac und Sportchef Guido Wirthlin positiv auf das Coronavirus getestet worden sind – «trotz sehr strengem Schutzkonzept», wie es in der entsprechenden Mitteilung heisst. Die Tests aller restlichen Teammitglieder seien negativ ausgefallen.

Wie lange die Quarantäne andauert, sei noch offen und hänge vom Entscheid der Aargauer Kantonsärztin ab. Die Quarantäne der Fricktaler sollte zwar bis zur Wiederaufnahme des NLB-Spielbetriebs nach Ostern beendet sein, trotzdem zeigt dieser Fall die Schwierigkeiten, vor der man in der zweithöchsten Spielklasse steht.

Diese Entwicklungen haben auch Einfluss auf den Abstiegskampf in der NLA. Seit Jahresbeginn werden in den beiden höchsten Ligen allfällige Modusanpassungen für die kommende Saison diskutiert. Je nach Einfluss der Pandemie auf den Spielbetrieb steht gemäss gut informierten Kreisen beispielsweise eine zwischenzeitliche Erhöhung der Anzahl Mannschaften in der NLA auf deren elf und damit faktisch ein einmaliges Aussetzen des Abstiegs zur Diskussion. (dfs)

Telegramm

Endingen - GC Amicitia 27:33 (16:20)

GoEasy-Arena, Siggenthal Station. – Keine Zuschauer. – SR Abalo/Maurer. – Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Endingen, 4-mal 2 Minuten gegen die GC Amicitia.

Endingen: Schams (10 Paraden)/Imhof (1); N. Grau (3 Tore), Huesmann, Huwyler (1), Larouche (8), Mauron (3), Pejkovic (4), Portmann, Radovanovic (3), C. Riechsteiner (2), L. Riechsteiner, Schafroth (3).

GC Amicitia: Marinovic (8 Paraden)/Bachmann (3); Alili, Bader, Bodenheimer, Brücker (4), Dell, Kaletsch (6), Klampt (1), Leitner (1), Paban (4), Popovski (7), Prakapenia (1), Quni (1), Reznicek (1), Schild (6).

Bemerkungen: Endingen ohne S. Grau, Fischer, Mischler (alle nicht im Aufgebot) und Mühlebach (ohne Einsatz). – Verhältnis verschossener Penaltys: 0:1.

Sie haben die Partie verpasst? Schauen Sie sie sich hier in der Aufzeichnung des Livestreams an:

Lesen Sie im Folgenden den Spielverlauf nach:

Obwohl die Spieler des TV Endingen ihren ersten Angriff gegen GC Amicitia nicht verwerten können, liegt das Heimteam in der GoEasy-Arena im NLA-Kellerduell kurz nach Ablauf der fünften Spielminute erstmals mit zwei Treffern (4:2) in Führung. Die Surbtaler profitieren einerseits von einer frühen Zweiminutenstrafe gegen die Zürcher und einem guten Auftakt ihres Torhüters Vit Schams.

In der Folge kassieren die Endinger zwar den Ausgleich zum 4:4, lassen sich davon aber nicht aus dem Konzept bringen. Und nach knapp zehneinhalb Spielminuten liegt das Heimteam erneut mit zwei Treffern vorne (7:5). Fünf Minuten später hat sich das Blatt allerdings nach zwei TVE-Fehlern in der Offensive gewendet: Nun liegen die Aargauer erstmals seit dem 0:1 zum Auftakt wieder hinten (8:9).

In der 19. Minute wächst der Rückstand des TVE, der zu diesem Zeitpunkt in Unterzahl spielt, erstmals in dieser Partie auf zwei Treffer (10:12) an. Nach einem weiteren Fehler im Angriff beträgt die Distanz zum Gast knapp fünf Minuten später drei (12:15) und weitere zweieinhalb Minuten später bereits vier Treffer (14:18). Dagegen kann auch Yves Imhof nichts ausrichten, der bei den Endingern für die Schlussphase der ersten Halbzeit den Platz zwischen den Pfosten von Schams übernommen hat.

Bis zur Pausensirene entwickelt sich das Skore in der Folge gleichmässig weiter. Und so liegt der TVE nach den ersten 30 Minuten des Kellerduells gegen GC Amicitia mit 16:20 zurück.

Weil sich die Zürcher ihre erste Chance dank Ballbesitz nach der Pause nicht entgehen lassen, liegt der TVE eine halbe Minute nach Wiederbeginn erstmals mit fünf Treffern (16:21) zurück. Gut neuneinhalb Minuten, zwei Technische Fehler, zwei parierten Würfe und einen Fehlwurf später steht es aus Endinger Sicht sogar bereits 17:26. Die Partie scheint 20 Minuten vor der Schlusssirene vorzeitig entschieden.

Trotz erneutem Torhüterwechsel zurück zu Schams und einem Team-Timeout tritt im Spiel der Endinger keine Besserung ein. Offensiv lassen sie sich Fehler um Fehler zu Schulden kommen, die Zürcher bestrafen das Mal für Mal mit erfolgreichen Gegenstössen. So sieht sich TVE-Trainer Zoltan Majeri gut 16 Minuten vor der Schlusssirene beim Spielstand von mittlerweile 18:30 gezwungen, sein drittes und letztes Team-Timeout zu beziehen. Die Punkte liegen nun definitiv ausser Reichweite, es geht nun nur noch darum, das Gesicht zu wahren.

Noch vor Trainer Majeri richtet sich Captain Christian Riechsteiner lautstark an seine Teamkollegen und fordert sie zu einer Reaktion auf. Und tatsächlich: Der TVE kann den Rückstand bis zur 48. Spielminute dank drei Treffern in Serie auf neun Treffer (21:30) verkürzen.

Fünfeinhalb Minuten vor Schluss verkürzen die Endinger den Rückstand auf sieben Treffer (25:32). Sie scheinen sich nach dem letzten Team-Timeout tatsächlich etwas gefangen zu haben und verhindern hier den Totalausfall zumindest resultatmässig. Und dabei bleibt es bis zur Schlusssirene: Der TVE muss sich GC Amicitia schliesslich mit 27:33 geschlagen geben.

Nach der 21. Saisonniederlage im 24. Spiel fest, was sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer deutlicher abgezeichnet hatte – und angesichts der Ausgangslage bereits vor Saisonstart realistisch gewesen war: Der TV Endingen steht definitiv als Playout-Teilnehmer fest.