NLA-Handball
Der HSC Suhr Aarau und die Kadetten Schaffhausen trennen sich 27:27 Unentschieden

Der HSC Suhr Aarau kehrt nach der dreiwöchigen Nati-Pause mit einem 27:27-Remis gegen die Kadetten Schaffhausen in den Meisterschaftsbetrieb zurück. Die Aargauer ärgern sich allerdings über einen verlorenen Punkt gegen den Ligakrösus.

Dean Fuss
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Freuen will sich in den Reihen des HSC Suhr Aarau niemand. Zumindest nicht unmittelbar nach der Schlusssirene. Nicht über diesen einen Punkt, den die Aargauer dank dieses 27:27-Unentschiedens gegen die Kadetten Schaffhausen auf ihrem Konto gutschreiben können.

Zu tief sitzt die Enttäuschung, das NLA-Spitzenspiel nicht gewonnen zu haben. Das ist verständlich, zumal die Aargauer die Partie über weite Strecken bestimmten und auch während eines Grossteils der Spielzeit in Führung lagen.

HSC-Portugiese Diogo Oliveira (hinten) täuscht einen Wurf an.
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Kadetten-Rückraumspieler Zarko Sesum (r.) nimmt HSC-Topskorer Manuel Zehnder in die Mangel.
HSC-Coach Misha Kaufmann (M.) spricht während des Team-Timeouts zu seinen Spielern.
Diogo Oliveira geht zu Boden.
Diogo Oliveira (r.) bezwingt Kadetten-Hüter Ignacio Biosca vom Siebenmeterpunkt.
Kadetten-Trainer Adalsteinn Eyjolfsson (M.) richtet das Wort an seine Spieler.
Kein Durchkommen gegen die HSC-Defensive für Kadetten-Kreisläufer Erik Schmidt (M.).
Manuel Zehnder sorgte mit dem 27:27 24 Sekunden vor der Schlusssirene für den Endstand.
HSC-Trainer Misha Kaufmann ärgert sich über einen Entscheid der Schiedsrichter.
HSC-Rückraumspieler Manuel Zehnder beim Siebenmeter gegen Ignacio Biosca.
HSC-Portugiese Diogo Oliveira (l.) setzt gegen Luka Maros zum Sprungwurf.
HSC-Topskorer Manuel Zehnder zeichnet für 6 Treffer verantwortlich.
Schaffhausens Topskorer Sebastian Frimmel traf sieben Mal.
HSC-Torhüter Dragan Marjanac (hinten) hat gegen Kadettens Gabor Csaszar das Nachsehen.
HSC-Flügel Timothy Reichmuth (l.) erzielte zwei Treffer.
João Ferraz (M.) setzt sich gleich gegen zwei Gegenspieler durch.
Luka Maros (l.) und Erik Schmidt (r.) kümmern sich um HSC-Rückraumspieler Diogo Oliveira.
João Ferraz (l.) im Zweikampf mit Luka Maros.

HSC-Portugiese Diogo Oliveira (hinten) täuscht einen Wurf an.

Bild: Freshfocus

Und trotzdem ist es ein Punkt, mit dem im Vorfeld der Partie nicht einfach grundsätzlich hatte gerechnet werden können. Denn mit Captain Tim Aufdenblatten, Spielmacher Sergio Muggli und Kreisläufer Lukas Laube musste HSC-Trainer Misha Kaufmann am Sonntag gleich auf drei seiner Leistungsträger verzichten.

Kreisläufer Laube fällt für den Rest der Saison aus

Während Aufdenblatten und Muggli bald wieder auf die Platte zurückkehren dürften, präsentiert sich die Situation Laubes weniger vorteilhaft: Für den 21-Jährigen ist die Saison gelaufen.

Er hat sich im Training während der Nationalmannschaftspause eine schwere Knieverletzung zugezogen. Zwar machen die erlittene Patellaluxation sowie der Riss im Knorpel keine Operation notwendig, aber die Genesung braucht Zeit.

«Der Ausfall von Lukas Laube trifft uns unmittelbar vor der entscheidenden Saisonphase schwer», sagt HSC-Sportchef Michale Conde. Umso schwerer wiegt durch Laubes Ausfall die Last auf den Schultern von Martin Slaninka, der seinen Vertrag in den vergangenen Tagen um drei weitere Jahre bis 2024 verlängert hat und gegen die Kadetten praktisch durchspielte.

Zehnder und Marjanac sichern den Punkt am Ende

Für die entscheidenden Akzente sorgten aber andere: Beispielsweise HSC-Topskorer Manuel Zehnder, der 24 Sekunden vor der Schlusssirene mittels Siebenmeter zum 27:27-Endstand traf. Oder auch Torhüter Dragan Marjanac, der zuerst den Ausgleich mit seiner zehnten Parade erst ermöglicht und den Punkt mit einer weiteren Parade sechs Sekunden vor der Schlusssirene schliesslich festgehalten hatte.

«Am Schluss ist es zwar aufgrund unseres Ausgleichs ein gewonnener Punkt, aber über die gesamte Partie gesehen ist sicher ein verlorener. Wir waren heute die bessere Mannschaft», sagt HSC-Trainer Misha Kaufmann. Mit der kämpferischen Leistung seiner Spieler ist der 36-Jährige indes sehr zufrieden:

«Die Entwicklung meiner Mannschaft gefällt mir aber sehr. Wir hätten hier eigentlich gewinnen müssen, am Ende waren sie wohl auch einfach einen Tick cleverer und abgezockter.»

Ähnlich sieht es der verletzte Aufdenblatten, der seinen Teamkollegen von den leeren Zuschauerrängen her zusehen musste: «Das war ein riesiges Spiel von uns, wir hätten hier sicher den Sieg verdient gehabt. Aber nun müssen wir uns mit diesem Unentschieden abfinden», sagt der 25-Jährige.

Aufdenblatten, der bald wieder einsatzbereit sein dürfte, windet seinen Teamkollegen ein Kränzchen für deren Leistung: «Dieser Kampf war unglaublich. Bald stehen die Playoffs an, da können wir auf solchen Leistungen aufbauen», sagt er.

Und so bleibt die Erkenntnis, dass der HSC Suhr Aarau zwar trotz einer starken Leistung gegen den Ligakrösus nicht gewonnen, aber hinsichtlich der Playoffs durchaus ein Zeichen an die Konkurrenz in der NLA gesandt hat.

Telegramm

Suhr Aarau - Kadetten SH 27:27 (12:12)

Schachenhalle, Aarau. – Keine Zuschauer. – SR Capoccia/Jucker. – Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Suhr Aarau, 3-mal 2 Minuten gegen die Kadetten Schaffhausen.

Suhr Aarau: Marjanac (11 Paraden)/Grazioli; Ferraz (7 Tore), Oliveira (5), Poloz (3), Reichmuth (2), Sarlos, Slaninka (4), Strebel, Zehnder (6).

Kadetten Schaffhausen: Biosca (5 Paraden)/Kovacs; Bartok (2 Tore), Csaszar (4), Frimmel (7), Gerbl, Herburger, Maros (1), Montoro (2), Novak, Schmidt (4), Schopper (1), Sesum (2), Tominec (3), Zehnder (1).

Bemerkungen: Suhr Aarau ohne Aufdenblatten, Laube, Muggli (alle verletzt), Attenhofer, Gomboso, Müller, Parkhomenko, Peter, Willecke (alle ohne Einsatz), Brandt und Hofer (nicht im Aufgebot). – Verhältnis verschossener Penaltys: 2:1.

Sie haben die Partie verpasst? Schauen Sie sie sich hier in der Aufzeichnung des Livestreams an:

Lesen Sie im Folgenden den Spielverlauf nach:

Eine erste kleine Überraschung gibt es noch vor Auftakt des NLA-Spitzenspiels zwischen dem HSC Suhr Aarau und den Kadetten Schaffhausen: Mit Linkshänder Onelia Gomboso, Flügel Nikos Sarlos und Kreisläufer Joel Willecke finden sich die Namen von gleich drei Nachwuchstalenten der Aargauer auf dem Matchblatt.

Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass man den dreien wenige Tage nach der offiziellen Verkündigung ihrer Aufnahme ins NLA-Kader ein Geschenk machen wollte, sondern vielmehr mit den verletzungsbedingten Absenzen: Neben Lukas Laube, für den die Saison aufgrund einer schweren Knieverletzung gelaufen ist, fehlen gegen die Kadetten auch Captain Tim Aufdenblatten (Sprunggelenk), Sergio Muggli (Oberschenkel) und Jonas Kalt.

Der Auftakt in die Partie verläuft dann ausgeglichen. Sowohl der HSC Suhr Aarau als auch die Kadetten Schaffhausen lassen sich bei ihren jeweiligen Angriffsversuchen viel Zeit. Trotz drei Paraden von Torhüter Dragan Marjanac liegt das Heimteam nach Ablauf der ersten zehn Spielminuten mit 2:3 zurück.

In der 14. Spielminute geht der HSC erstmals in dieser Partie gegen die Kadetten in Front (5:4), in den folgenden Minuten wendet sich das Blatt allerdings wieder und wenige Sekunden vor Ablauf der 20. Spielminute liegt das Heimteam wieder zurück (6:7).

Zu diesem Zeitpunkt hat sich indes mit der Einwechslung des 17-jährigen linke Flügels Sarlos für ein paar Angriffe auch schon gezeigt, dass die drei Talente im HSC-Aufgebot keineswegs nur Dekoration sind.

Fünf Minuten vor der Pausensirene bezieht Kadetten-Trainer Adalsteinn Eyjolfsson beim Stand von 10:9 für die Gäste sein erstes Team-Timeout. Der Isländer sieht sich ganz offensichtlich dazu gezwungen, den Spielrhythmus etwas zu brechen, nachdem seine Mannschaft zuvor zwei ihrer mittlerweile erarbeiteten Dreitoreführung wieder haben abgeben müssen.

Bringen tut das vorerst allerdings nichts: Denn zwei Minuten später hat der HSC die Partie wieder gewendet und legt mit 11:10 vor. Diese Führung kann das Heimteam allerdings nicht in die Pause mitnehmen, stattdessen muss man beim HSC froh sein, dass die Gäste im letzten Angriff vor der Pausensirene scheitern und es deshalb mit 12:12 in die Kabinen geht.

Die zweite Halbzeit beginnt so, wie sie aufgehört hat: Mit einem Fehler von Kadetten-Spieler Luka Maros. Und so ist es der HSC Suhr Aarau, der in Person von Topskorer Manuel Zehnder in der 32. Spielminute den ersten Treffer nach der Pause zum 13:12 erzielt.

In der Folge legt der HSC jeweils nach dem Ausgleich der Kadetten wieder vor. Bis zur 37. Minute: Da fängt die Defensive des Heimteams in Überzahl einen Angriff der Schaffhauser ab und geht dank eines Treffers in den leeren Kasten der Kadetten erstmals in dieser Partie mit zwei Treffern in Führung (16:14).

Unmittelbar nach Anbruch der Schlussviertelstunde wechselt HSC-Trainer Misha Kaufmann seinen Torhüter: Marjanac, der einen Drittel aller 27 Würfe auf seinen Kasten pariert hat, macht zwischen den Pfosten Platz für Leo Grazioli, der dem Schweizer Nationalteam vor Wochenfrist den Weg zum Sieg im zweiten EM-Quali-Spiel gegen Finnland geebnet hat.

Bis knapp acht Minuten vor der Schlusssirene ändert sich an der Entwicklung des Skore nichts. Dann aber scheitert das Heimteam mit seinem Angriffsversuch in Unterzahl und muss im Gegenzug prompt den Ausgleich zum 24:24 hinnehmen. Es ist alles angerichtet für eine turbulente Schlussphase.

Kurz vor Ablauf der 55. Spielminute scheitert HSC-Portugiese Diogo Oliveira beim Siebenmeter an Kadetten-Torhüter Ignacio Biosca – und im nächsten Angriff kassiert das Heimteam das 25:26. Weil Oliveira im folgenden HSC-Angriff ein umstrittenes Offensivfoul abgepfiffen wird, verschlechtert sich die Situation für Suhr Aarau bis gut drei Minuten vor dem Ende sogar noch. Erstmals in der zweiten Halbzeit liegt der HSC wieder mit zwei Treffern zurück (25:27).

War es das bereits? Nein! Denn gut 80 Sekunden vor der Schlusssirene dürfen die Aargauer dann trotz Unterzahl noch einmal auf Punkte hoffen: Torhüter Marjanac, der wieder in den Kasten zurückgekehrt ist, pariert beim Stand von 26:27 den Abschlussversuch von Kadetten-Topskorer Sebastian Frimmel. Im folgenden Angriff trifft HSC-Topskorer Zehnder 24 Sekunden vor der Schlusssirene mittels Siebenmeter zum 27:27. Und dabei bleibt es.