NLA-Handball
Das erste Ausrufezeichen: Der HSC Suhr Aarau schlägt Meister Pfadi in einem packenden Krimi

Fast schien es, als sei alles so wie immer, wenn der HSC gegen Pfadi Winterthur spielt - doch dann kam alles anders. Durch den 28:27-Sieg zieht die Mannschaft von Misha Kaufmann in der Tabelle an seinem Gegner vorbei.

Frederic Härri
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Ekstase nach Schlusspfiff: Der HSC Suhr Aarau bezwingt den amtierenden Meister.

Ekstase nach Schlusspfiff: Der HSC Suhr Aarau bezwingt den amtierenden Meister.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Die jüngsten Spiele zwischen Pfadi Winterthur und dem HSC Suhr Aarau folgten stets demselben Muster. Man sah einen anfänglich überlegenen HSC, der eine Führung herausspielt, sich dann aber zu Eigenfehlern verleiten lässt und den Vorsprung wieder hergibt. Lange schien es, als würde sich dieses Szenario auch am gestrigen Abend wiederholen – bis alles anders kam.

Mit 28:27 setzten sich die Gäste in der Winterthurer Axa Arena durch. Der Sieg gegen den Meister ist ein erstes Ausrufezeichen in der noch jungen Saison. Eines, das sich der HSC redlich verdiente, «mit Kampf und Mut», wie der überragende Abwehrchef Martin Slaninka nach Spielschluss zurecht anmerkte. «Wir haben es heute einfach ­clever gespielt und offensiv gute Bewegungen gehabt.»

Abwehrchef Martin Slaninka wurde zum Man of the Match gewählt.

Abwehrchef Martin Slaninka wurde zum Man of the Match gewählt.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Mit offensiver Deckung gegen Pfadis Schützen

Anders als bei der 19:26-Niederlage vor rund einem Monat im Supercup kristallisierte sich schnell heraus, dass es heuer eine knappere Angelegenheit werden würde. HSC-Trainer Misha Kaufmann vertraute auf eine offensive Deckung, in der Tim Aufdenblatten und die beiden Flügelspieler zuweilen als Manndecker fungierten und so versuchten, den gegnerischen Schützen den Esprit zu nehmen.

Dies brachte in den Anfangsminuten die gewünschte Wirkung. Den Rückraumspielern Pfadis fehlte die Wucht und die Bewegungsfreiheit, um zu Toren zu kommen. Nur war der HSC dadurch anfälliger auf Anspiele an den Kreis: Gleich vier der ersten acht Gegentore resultierten aus Strafwürfen.

Ohnehin war es ein ungewöhnlich torreiches Spiel für HSC-Verhältnisse. Noch vor der 20. Spielminute überschritten beide Teams die Zehn-Tore-Marke. Die Gäste zeigten sich in der Offensive kreativ und variantenreich – Qualitäten, die die Mannschaft in den ersten Spielen dieser Meisterschaft zu oft vermissen liess. Zur spielerischen Stärke gesellte sich jedoch ein altbekannter Malus, der den HSC auch an diesem Abend zuerst begleitete: die mangelhafte Chancenauswertung. Attenhofer, Ferraz und Hofer etwa vergaben im ersten Umgang frei stehend. Da aber auch Pfadi im Abschluss sündigte, stand zur Pause ein ausgeglichenes 14:14.

Beeindruckende Kaltschnäuzigkeit

Im selben Duktus setzte sich das Geschehen in der zweiten Halbzeit fort. Die Partie blieb eng, mit leichten Vorteilen für die Hausherren, die vor der Schlussphase eine knappe Führung verwalteten. Nun war der HSC gefordert. Und anders als noch im ersten Umgang glänzte die Mannschaft nun durch eine beeindruckende Kaltschnäuzigkeit: Von der 41. Minute an verwarfen die HSC-Spieler keinen einzigen Wurf mehr.

Folgerichtig schlug sich dies kurz vor Schluss in einem gewinnbringenden Resultatwechsel nieder. Gleich drei Mal ging der HSC in den letzten Minuten in Front. Doch erst auf João Ferraz’ Tor in der 60. Minute fanden die Hausherren keine Antwort mehr. Durch den Sieg zieht der HSC in der Tabelle an Pfadi vorbei und liegt neu auf Rang fünf.

Debüt für den neuen Klub: Torhüter Marin Durica.

Debüt für den neuen Klub: Torhüter Marin Durica.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Nicht unerwähnt bleiben sollte das Debüt von Zuzug Marin Durica. Gegen GC Amicitia hatte der Kroate noch gefehlt, weil die Arbeitserlaubnis zu spät eingetroffen war. Nun stand er erstmals im Tor, war mit keinem gehaltenen Wurf (aus drei Versuchen) aber noch kein Faktor.

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