Die erste Hauptrunde des Schweizer Cups als Fussballfest und Kassenschlager für Kleinklubs wie den FC Mutschellen? Weit gefehlt! Während der Auslosung werden Jahr für Jahr Nieten statt Traumlose gezogen. Ein paar Beispiele gefällig? Bitte schön! Wo liegt der Reiz von Spielen wie Wetzikon - Meyrin, Altstätten - Bassecourt, Taverne - Kriens, Escholzmatt - Bavois, Bulle - Chiasso und Uster - Lancy?

Und, aus Aargauer Sicht besonders bitter, wo liegt der Reiz der Partie zwischen dem Zweitligisten FC Mutschellen und Stade Nyonnais aus der Promotion League? Man muss ein grosser Fussball-Fan sein, um diese Paarung attraktiv zu finden. Thomas Kälin will nicht klagen. «Natürlich hätten wir lieber ein grosses Kaliber wie Basel, die Young Boys, GC oder den FC Aarau empfangen», sagt der Präsident von Mutschellen. «Wir haben uns auch schon Gedanken darüber gemacht, was bei einem grossen Gegner alles auf uns zugekommen wäre. Aber wir müssen nun mal nehmen, was kommt. Und deshalb nehmen wir jetzt Stade Nyonnais. Ich hoffe auf ein gutes Spiel mit 500 Zuschauern.»

Mutschellens Gegner ist schon im Rhythmus

500 Zuschauer? Eine optimistische Prognose! Sergio Colacino ist nicht ganz so optimistisch. «Natürlich hätte ich mir einen attraktiveren Gegner gewünscht», sagt der Trainer des FC Mutschellen. «Stade Nyonnais ist wirklich nicht das grosse Los. Ich rechne mit einer Zuschauerzahl zwischen 250 und 300.» Und wie stehen die Chancen auf ein Weiterkommen? «Die Vorteile liegen klar beim Gegner», sagt Colacino. «Nyonnais hat drei Meisterschaftsspiele ausgetragen. Wir haben den Saisonstart noch vor uns. Wir werden versuchen, mit Einsatz und Kampfgeist dagegenzuhalten.»

Der FC Mutschellen lebt vom Kollektiv. Einen Spieler mit prominentem Namen gibt es allerdings: Mit Gianluca Sforza spielt der 23-jährige Sohn des früheren Bayern-Stars Ciriaco Sforza für Mutschellen. Spricht Colacino über Sforza junior, gerät er ins Schwärmen: «Gianluca ist physisch und konditionell in einem Topzustand, technisch begabt und hat ein gutes Auge», sagt der Trainer. «Ich kann ihn im zentralen, offensiven Mittelfeld und in der zentralen Abwehrreihe einsetzen. Zu Saisonbeginn wird Gianluca in der Innenverteidigung spielen.»

Die grösste Anzahl Mannschaften im Aargau

Mal schauen, was der FC Mutschellen im Duell David gegen Goliath ausrichten kann. Klar ist: Der Verein hat sich im vergangenen Jahrzehnt zu einer festen und vor allem erfolgreichen Grösse im Aargauer Fussball entwickelt. Nach dem Einzug in die wunderschöne Sportanlage Burkertsmatt im Jahr 2011 wurden die Weichen auf sportlichen Erfolg gestellt. In der Saison 2012/13 stieg Mutschellen erstmals in der Vereinsgeschichte in die regionale 2. Liga auf. Dass man in der ersten Saison in der neuen Spielklasse gleich den fünften Rang erreichte, ist als Erfolg zu werten. Das Highlight war zweifellos der Aargauer Cupsieg 2019 mit dem 2:1-Sieg im Final gegen Othmarsingen. Mit 27 Mannschaften stellt Mutschellen momentan das grösste Kontingent im Aargau.

Bleibt zu guter Letzt wenigstens eine gute Nachricht für Kleinklubs wie den FC Mutschellen: Der Schweizerische Fussballverband hat die Zeichen der Zeit erkannt und eine Arbeitsgruppe Schweizer Cup eingesetzt. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, den Wettbewerb für die Amateurvereine attraktiver zu gestalten und die Auslosung der Spiele in der ersten Hauptrunde regional zu steuern. Das würde bedeuten, dass Kleinklubs wie Mutschellen nicht mehr auf einen Gegner aus der welschen Schweiz treffen können. Die Neuerungen sollen bereits für die Saison 2020/21 Gültigkeit haben. Der Aargauer Cupsieger 2020 darf also auf ein Glückslos hoffen.