Motocross

Nicole Irniger ist ein Farbtupfer im Männersport

Motocrosserin NIcole Irniger hat grosse Ambitionen und will dereinst von ihrem Sport leben können.

Motocrosserin NIcole Irniger hat grosse Ambitionen und will dereinst von ihrem Sport leben können.

Spektakuläre Rundkurse und waghalsige Überholmanöver, Geschwindigkeiten von maximal 80 Kilometern pro Stunde und Sprünge, die bis zu 30 Meter weit gehen; das ist Motocross. Nicole Irniger aus Baldingen ist amtierende Schweizer Meisterin.

Motocross ist eine Sportart, die fest in Männerhand ist. Doch im aargauischen Baldingen – einem abgelegenen 290-Seelen-Dorf in der Nähe von Endingen – lebt eine junge Frau, die auf dem besten Weg ist, diese Testosteron-dominierte Szene aufzumischen.

Die erst 15-jährige Nicole Irniger ist die aktuell beste Deutschschweizer Motocrosserin. Vor wenigen Wochen hat sie mit dem Gewinn der SAM-Meisterschaft (Schweizerischer Auto- und Motorradfahrerverband) für Frauen ihren grössten Erfolg feiern können. Ein Erfolg, der überraschend kam. «Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, denn in den letzten drei Jahren hatte ich mit dem Motocross aufgehört.

Ich hatte schlicht keine Lust mehr», blickt sie zurück. Dem Motocrosssport blieb Nicole Irniger, die bereits im Alter von vier Jahren erstmals auf einem Motorrad sass, trotzdem treu. Denn sie kommt aus einer richtigen Motocross-Familie. Ihr Vater Noldi war siebenfacher Schweizer Meister und auch ihr älterer Bruder Joel fährt ambitioniert. «Daher war ich trotzdem fast jedes Wochenende an einem Rennen, und so hat es mich auch wieder gepackt.»

Vier Siege in Serie

Im Februar fasste sie den Entschluss, den Helm wieder aufzusetzen und sich in den Sattel zu schwingen. Beinahe ohne Training startete sie im März in die SAM-Meisterschaft und fuhr gleich den siebten Rang heraus. «Konditionell war ich aber überhaupt nicht bereit, denn in den drei Jahren zuvor hatte ich kaum Sport getrieben», blickt Irniger lachend zurück. Doch der Ehrgeiz hatte sie gepackt und sie steigerte sich kontinuierlich. Nach den Sommerferien war sie dann nicht mehr zu schlagen. Vier Rennen in Serie gewann Irniger, die von ihrem Vater trainiert und betreut wird.

Mit dem Triumph an der SAM-Meisterschaft bekam Nicole Irniger auch viel Anerkennung. Man traut ihr zu, im kommenden Jahr in der gemischten Kategorie in ihrer Stärkeklasse ganz vorne mitzumischen. Doch diese Anerkennung musste sich Irniger hart erarbeiten. Nicht selten bekam sie von ihren männlichen Kollegen zu hören, dass Motocross kein Sport für Frauen sei, wenn sie auf der Rennstrecke auftauchte. «Das war eine besondere Motivation für mich. Genau denen, die mir solche Dinge gesagt haben, wollte ich zeigen, dass ich schneller fahren kann als sie», so Irniger. Und das hat sie in diesem Jahr wiederholt getan.

Der Traum vom Profidasein

Dennoch wird oft unterschätzt, wie viel Arbeit hinter dem Erfolg steckt. «Viele glauben, ich würde auf dem Motorrad ein wenig im Kreis herumfahren, bremsen und Gas geben.» Doch Irniger, die im Sommer eine Lehre als Malerin in Angriff genommen hat, trainiert bis zu sechsmal pro Woche Kraft und Ausdauer, damit sie die 95 Kilogramm schwere Maschine unter Kontrolle halten kann. Hinzu kommen die Trainings auf dem Motorrad, für die sie oftmals weite Wege auf sich nehmen muss, da es im Aargau kein Trainingsgelände gibt.

Nicole Irniger muss auch in Zukunft weiter hart arbeiten, wenn sie ihren grossen Traum verwirklichen will. «Einmal die Weltmeisterschaft der Frauen zu fahren und als Profi von meinem Sport leben zu können, wäre genial.» Doch das ist Zukunftsmusik. Zuerst hat ihre Lehre Priorität, und erst an zweiter Stelle folgt der Sport. Doch auch unter diesen Umständen wäre es keine Überraschung, wenn Nicole Irniger sich nächste Saison nochmals steigern könnte.

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