Aargauer Sport-Gala

Nicolas Gygax: Drei Sekunden entscheiden über Sieg oder Niederlage

Der Skiakrobat Nicolas Gygax wirbelt in zehn Meter Höhe durch die Luft.

Der Skiakrobat Nicolas Gygax wirbelt in zehn Meter Höhe durch die Luft.

Nicolas Gygax ist Skiakrobat aus Islisberg, der sich im Team-Event die WM-Goldmedaille gesichert hat.

Es ist ein spektakulärer Sport, den Nicolas Gygax ausübt. Und es ist auch ein Sport, der eine gehörige
Portion Mut braucht. Das wird spätestens dann klar, wenn der 23-Jährige aus Islisberg etwas genauer
erklärt, wie so ein Sprung abläuft. Mit einem Tempo von bis zu 70 Stundenkilometer fährt Gygax auf
die Schanze zu, damit er die nötige Höhe von rund zehn Meter erreicht. Ansonsten bleibt nicht
genügend Zeit, um die Schrauben und Saltis sauber auszuführen. Im Fall von Gygax sind das bei
seinem schwierigsten Sprung drei Salti und vier Schrauben.
Etwa drei Sekunden lang wirbelt Gygax durch die Luft, um dann wenn möglich eine saubere Landung
in den Schnee zu setzen. Bei einem Weltcup-Einsatz haben Gygax und seine Konkurrenten jeweils nur
einen Qualifikationssprung, um sich für den Finaldurchgang der besten 12 zu qualifizieren. Gelingt das
nicht, ist der Wettkampf nach einem Sprung vorbei. Da bleibt keine Zeit, um sich langsam an die
schwierigen Sprünge heranzutasten. «Du musst vor allem im Kopf bereit sein, um in den drei
Sekunden deine Maximalleistung abrufen zu können. Diese mentale Komponente macht in unserem
Sport sehr viel aus, denn praktisch alle Athleten springen auf einem technisch sehr ähnlichen Niveau.
Beim Sprung musst du absolut überzeugt sein, sonst klappt es nicht», so Gygax.

Die Bestleistung abgerufen

Perfekt geklappt hat es für Nicolas Gygax und seine Teamkollegen ausgerechnet an der
Weltmeisterschaft in Park City. Im erstmals durchgeführten Team-Event hatte sich das Trio um Gygax
die Finalqualifikation zum Ziel gesetzt. «Im Final haben wir maximal mit dem dritten Platz geliebäugelt,
denn gerade Russland und China haben extrem starke Teams», blickt Gygax zurück. Doch es kam
anders. Alle Schweizer riefen an diesem Tag ihre Bestleistung ab und sprangen sehr konstant. Im
Gegensatz zur Konkurrenz, die immer mal wieder patzte. Und so kam es, dass am Ende die Schweiz –
nicht zuletzt dank Gygax, der von allen Final-Springern die höchste Bewertung erhielt – ganz zuoberst
auf dem Podest jubeln konnten.
«Dieser Wettkampf war extrem cool. Nach dem Sieg haben mir viele Leute geschrieben und gratuliert.
Es war toll, diese Anerkennung und auch die Aufmerksamkeit zu erhalten, denn normalerweise
werden unsere Leistungen in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Und das obwohl wir
für unseren Sport sehr viel investieren», erzählt Gygax.

Keine Dreifach-Schanze in der Schweiz

In der Tat ist der Aufwand sehr gross, um an der Weltspitze mithalten zu können. Vor allem gemessen
daran, dass die Skiakrobaten lediglich fünf bis sieben Weltcups pro Jahr austragen können. Im Sommer
trainiert Nicolas Gygax, der bis zu seinem 15. Altersjahr als Kunstturner aktiv war, vier Tage pro Woche
auf der Wasserschanze. Dort werden neue Sprünge geübt und an der Technik gefeilt. Zusätzlich stehen
regelmässig Fitnesseinheiten auf dem Programm. Insbesondre die Rumpf- und die Beinmuskulatur
sind wichtig.
Im Winter sind dann die Trainings auf dem Schnee essenziell. Doch da gibt es in der Schweiz ein
Problem: Es gibt keine Schanze, auf der Dreifach-Sprünge – also Sprünge mit drei Salti – trainiert
werden können. «Wir müssen regelmässig im Ausland trainieren, da an der Weltspitze Dreifach-
Sprünge zum Standard gehören und wir diese daher oft trainieren müssen», sagt Gygax, der mit
seinen Teamkollegen entsprechend viel Zeit im Ausland verbringt für Trainings und Wettkämpfe.

Noch mehr Konstanz

Die ohnehin schon kurze Weltcupsaison wird für Nicolas Gygax in diesem Jahr noch kürzer. Die ersten
beiden Weltcups in China hat er nämlich verpasst. «Ich musste an der Uni Prüfungen schreiben», sagt
der 23-Jährige, der an der Uni Zürich ein Teilzeitstudium in Wirtschaft absolviert. Obwohl er deshalb
nur an fünf Weltcup-Events teilnehmen kann, möchte er in diesem Jahr nochmals einen Schritt nach
vorne machen. «Ich möchte noch konstanter springen, damit ich regelmässiger in den Final komme
und dort voll angreifen kann», sagt er.

Meistgesehen

Artboard 1