Challenge League

Nico Elvedi über seinen Zwillingsbruder: «Jan hatte nicht so viel Glück mit seinen Trainern»

Jan Elvedi: Zweite Chance in Wohlen

Jan Elvedi: Zweite Chance in Wohlen

Nico ist Nati- und Bundesliga-Star. Zwillingsbruder Jan startet in der Challenge League beim FC Wohlen den zweiten Versuch, sich als Profi zu etablieren.

Warum er und nicht ich? Auch Jan Elvedi hat sich die Frage schon gestellt. Die Antwort: «Nico war in der körperlichen Entwicklung weiter und insgesamt reifer als ich.» Jan sagt das nüchtern, ohne Verdruss. «Ich gönne ihm den Erfolg von ganzem Herzen. Weil er schon mit 17 beim FC Zürich debütierte und später die Leistungen bestätigte, stieg das Interesse an ihm enorm.» Dann geht alles rasend: Transfer zu Gladbach, Stammplatz, Nati-Aufgebot. Als Nico mit 19 in der Bundesliga debütiert, pendelt Zwillingsbruder Jan beim FC Winterthur zwischen Challenge League und 1. Liga, zwischen 1. Mannschaft und U21.

Wie sieht die Zukunft von Jan Elvedi aus?

Wie sieht die Zukunft von Jan Elvedi aus?

Lange läuft vieles parallel im Leben der Zwillingsbrüder. Vor elf Jahren wechseln sie vom FC Greifensee zum FC Zürich. Gemeinsam erklimmen sie eine Stufe nach der anderen. Doch mit der Promotion von der U15 zur U16 kommt es zur Trennung. Die Trainer teilen Jan mit, dass für ihn die Luft in der U16 dünn wird. Aber Jan will spielen. Also wechselt er zu Winterthur und beginnt später wie sein Zwillingsbruder mit einer KV-Lehre.

Der Durchbruch gelingt nicht

«Jan ist ehrgeizig aber gleichwohl bescheiden – ein richtig guter Typ», erinnert sich Winterthurs Geschäftsführer Andreas Mösli. Aber den Durchbruch schafft er in Winterthur trotzdem nicht. Woran es liegt? «Schwierig», sagt Elvedi. Näher darauf eingehen will er nicht. Fakt ist: Elvedi wird in Winterthur nicht auf seiner bevorzugten Position als Innenverteidiger gefördert. Wenn er spielt, dann als rechter Aussenverteidiger. Das tut er bisweilen richtig gut. Aber das unerschütterliche Vertrauen der Trainer spürt er nie. Nico sagt einmal: «Jan ist bestimmt nicht schlechter als ich. Er hatte nur nicht so viel Glück mit seinen Trainern.»

Doch das Blatt scheint sich zu wenden. Im März 2016 darf Jan bei Gladbachs U23 ein Probetraining absolvieren. Zum Schluss der Woche sogar noch ein Testspiel bestreiten. Und plötzlich schleicht so etwas wie Glamour in Elvedis Welt. Seine temporären Teamkollegen heissen nicht Patrik Schuler oder Tunahan Cicek, sondern Lars Stindl und André Hahn, notabene zwei Akteure mit Länderspielerfahrung. Der damalige Trainer André Schubert resümiert: «Jan hat das prima gemacht.» Ein Vertrag wird ihm aber nicht angeboten. Es kommt nicht zur Wiedervereinigung mit seinem fünf Minuten jüngeren Bruder. Wochen später stellt sich Jan gar die Grundsatzfrage: Wie weiter?

Hoffnungssuche in Cham

Zweifel kommen keine auf. Schon deswegen ist aufgeben keine Option. Aber in Winterthur weiterhin eine Statistenrolle zu besetzen, kommt ebenso wenig infrage. Elvedi macht einen Schritt zurück. Zum drittklassigen SC Cham. Dort wird zwar nur dreimal die Woche trainiert. Doch Elvedi kompensiert mit Zusatzschichten. Heute ist er gar etwas kräftiger als sein Bundesliga-gestählter Bruder.

Momentan darf sich Jan Elvedi bei Wohlen beweisen.

Momentan darf sich Jan Elvedi bei Wohlen beweisen.

In Cham spielt er zusammen mit Dejan Jakovljevic. Die Begegnung könnte sich als schicksalhaft herausstellen. Mitte Juni wird Ranko Jakovljevic beim FC Wohlen als neuer Trainer vorgestellt. Mit im Gepäck hat er den Tipp seines Sohnes, «unbedingt den Elvedi zu testen». Elvedi kommt auf die Niedermatten, begeistert und unterschreibt für ein Jahr. «Jan ist ein äusserst spiel- und kopfballstarker Verteidiger. Eine echte Verstärkung für Wohlen», sagt Trainer Jakovljevic. Elvedi sagt: «Wohlen ist meine zweite Chance. Wenn ich aber in zwei Jahren nicht weiter bin, muss ich über die Bücher gehen.»
Heute wird Jan Elvedi für Wohlen debütieren– ausgerechnet in Winterthur. Gut möglich, dass diese Partie dereinst als Initialzündung für eine glorreiche Karriere etikettiert wird.

Autor

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

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