Nick Alpiger
Verletzung nach der Verletzung: «Das schmeisst dich dann mal so richtig aus der Bahn»

Eigentlich wollte Nick Alpiger endlich wieder eine normale Schwingsaison erleben – doch es kam anders. Eine Geschichte über Umwege. Oder warum er am Sonntag am Basellandschaftlichen zum zweiten Mal in dieser Saison sein Comeback an einem Kranzfest gibt.

Martin Probst
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Am Solothurner Kantonalfest verletzte sich Nick Alpiger (r.) erneut. Im Anschwingen gegen Samuel Giger (l.) war davon noch nichts zu spüren.

Am Solothurner Kantonalfest verletzte sich Nick Alpiger (r.) erneut. Im Anschwingen gegen Samuel Giger (l.) war davon noch nichts zu spüren.

Patrick Luethy

Die ersten Tage waren nicht leicht für Nick Alpiger. «Und nicht nur für mich. Auch für meine Familie, meine Trainer und meine Physiotherapeutin.» 21 Monate musste er zuvor auf sein Comeback ­warten. Und dann, als er endlich wieder schwingen durfte, verletzte er sich erneut. Bereits am zweiten Schwingfest nach seiner Rückkehr.

«Und das schmeisst dich dann mal so richtig aus der Bahn», sagt er und gibt damit einen Einblick in die Psyche eines Sportlers in jener Phase, in der Ziele entschwinden und Träume platzen.

Alpiger hatte sich so sehr auf seine Rückkehr gefreut. Auf jene Momente im Sägemehl, die ihm so viel bedeuten. Kein Wunder war das erneute und schnelle Aus ein Schock. «Das musste ich zuerst einmal verarbeiten», sagt er.

«Ich war auf einem Weg und der führte plötzlich nicht mehr ins Ziel. Da kann man nicht einfach weiter laufen. Man muss einen neuen Wege finden.»

Doch das dauert. Und diese Momente des Zweifelns, des Haderns, des Frusts und der Wut sind nicht leicht.

Krücken – oder wenn aus den Stützen eine Last wird

Gegen aussen ging Nick Alpiger locker mit dem Rückschlag um, zeigte sich humpelnd aber aufgestellt. In ihm drin aber begann ein harter Prozess. Harte Arbeit, ohne Schweiss zwar, aber ebenso fordernd. «Mein Umfeld half mir enorm, mich wieder positiv zu stimmen. Es war ein Unfall, das kann passieren. Und es geht weiter.»

Vier Wochen war Alpiger auf Krücken angewiesen, weil ein Band im linken Fuss angerissen war. Es war eine Zeit, in der ihn die Stöcke immer wieder an den Rückschlag erinnerten, in der aus den Stützen eine mentale Last werden konnte.

Schon nach dem Eidgenössischen Schwingfest 2019 in Zug war Nick Alpgier auf Krücken angewiesen.

Schon nach dem Eidgenössischen Schwingfest 2019 in Zug war Nick Alpgier auf Krücken angewiesen.

Andre Albrecht

«Doch es gelang mir immer besser, wieder freudig nach vorne zu schauen», sagt er. «Und spätestens als die Krücken weg waren und ich arbeiten konnte, fühlte ich mich zurück auf dem Weg, dem neuen Weg.»

Es fühlt sich für ihn fast ein wenig wie Heimkommen an

Vor gut zwei Wochen gab Alpiger am Hombergschwinget ob Reinach sein erneutes Comeback und musste sich einzig seinem guten Freund und regelmässigen Trainingspartner Patrick Räbmatter geschlagen geben. Zusammen mit vier Siegen und einem Gestellten gegen den Eidgenossen Joel Strebel ergab das den geteilten vierten Schlussrang.

Es ist ein gutes Resultat. Auch wenn der 25-Jährige noch vor zwei Jahren mit der Ambition angetreten wäre, ein solches Fest zu gewinnen. Doch nach einer so langen Pause und besonders nach der erneuten Verletzung ist Alpiger vor allem froh, «dass ich in dieser Saison überhaupt noch Schwingfeste absolvieren darf».

Wie zum Beispiel am Sonntag das Basellandschaftliche in Muttenz. Auch dort wird das Ziel ein ähnliches sein. Es geht vor allem darum, Vertrauen zu fassen. Der Rest, so Alpiger, komme dann von alleine. «Die Rückkehr ins Sägemehl ist für mich ein wenig, als wenn ich nach den Ferien ­zurück in meine vier Wände komme.» Es fühlt sich vertraut an und richtig.

Das Schwingen hat er zwar auch während seiner Verletzung verfolgt, «wichtig war mir aber, mich vor allem auf mich selbst zu konzentrieren». Weil es nur das ist, was er beeinflussen kann.

Das Basellandschaftliche am Sonntag wird ein nächster Gradmesser sein, wo Alpiger steht. Besonders starke Gäste fehlen zwar, doch die Konkurrenz ist mit vier Eidgenossen auch ­innerhalb der Nordwestschweiz gross. Gut möglich, dass es jetzt, wo er zurück ist, für die ­Anderen nicht leicht wird. Dafür wieder für ihn.

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