In den Siegerinterviews relativierte der Nordwestschweizer Leader seinen Erfolg und sprach demütig vom Glück, das er an diesem Tag beansprucht habe. Damit lag er richtig, denn im vierten Gang gegen den Ostschweizer Mitfavoriten Daniel Bösch sahen praktisch alle Zuschauer Alpiger als Verlierer. Doch das Kampfrichtertrio verweigerte die Anerkennung des Resultates.

In den restlichen Einsätzen hatte Alpiger aber überzeugt. Mit einem wuchtigen Kurz gewann er den Startkampf gegen den starken Luzerner „Eidgenossen“ Sven Schurtenberger und geriet danach in einen Lauf. So blieb auch der heimtückische Südwestschweizer Marc Gottofrey chancenlos. Im vorweggenommenen Schlussgang gegen Bösch agierte Alpiger vorsichtig, denn er wusste, dass der „böse“ St. Galler mit einem Remis aus der Entscheidung fiel. Lange kontrollierte er den Spitzengang, fühlte sich aber in der Schlussphase zu sicher, was ihm beinahe zum Verhängnis geworden wäre.

Aargauer Ausscheidung

Dank dem glückbehafteten „Gestellten“ behielt Alpiger vor dem Ausstich die Führung vor sieben Aargauer Verfolgern. Die Nordwestschweizer hatten die neun Gästeschwinger aus der Nordostschweiz, Innerschweiz und Südwestschweiz mit vereinten Kräften entscheidend zurückgebunden. Dabei war das Einteilungsgericht unter der Leitung des Freiämters Stefan Strebel umzimperlich. Obwohl die Gäste am Ende sechs Kranzgewinne feierten, spürten sie am Auffahrtstag am Rheinknie wenig Gastfreundschaft. Strebel wollte dennoch nichts wissen von einem harten Vorgehen: „Wir haben es mit den eigenen Kräften geschafft, uns durchzusetzen. Wir haben einen guten Teamgeist, der uns beflügelt.“

In der Aargauer Ausscheidung um den Schlussgang setzte sich Nick Alpiger gegen den Freiämter Jungspund Lukas Döbeli ebenso souverän durch wie Joel Strebel gegen den Aarauer David Anderegg. David Schmid blieb die Endausmarchung durch ein Remis im „Eidgenossenduell“ gegen den Appenzeller Marcel Kuster verwehrt. 150-kg-Brocken Patrick Räbmatter kam auch dank eines bärenstarken Sieges über Sven Schurtenberger auf gleiche Höhe wie Strebel. Doch das Einteilungsgericht verwehrte ihm den Schlussgang aufgrund der nicht zwingenden Startniederlage gegen Marc Gottofrey.

Alpigers Vorsicht

Joel Strebel bestritt vier Tage nach dem Aargauer „Kantonalen“ in Zofingen den zweiten Schlussgang und setzte alles daran, diesmal als Sieger hervorzugehen. Alpiger wusste um die Stärke des Freiämters in den ersten Minuten. „Ich verhielt mich zuerst defensiv, weil er mit seinem Kurzzug zu Beginn des Ganges brandgefährlich ist“, schilderte der Sieger seine Taktik. Störend für die Konzentration beider Schwinger war das Nasenbluten Strebels, das für zwei Unterbrüche sorgte. Alpiger taste danach Strebel ab und setzte nach gut sieben Minuten mit einer Finte rechts zum Übersprung links an.

„Obwohl ich damit rechnete, erwischte er mich“, zeigte sich Strebel konsterniert. Er habe sich im Schlussgang „supergut“ gefühlt und an den Sieg geglaubt. Nach der Dusche wich die erste Enttäuschung beim neuen Freiämter Leader der Genugtuung, dass er innert vier Tagen zweimal nur einem nationalen Spitzenschwinger den Vortritt lassen musste. Ausserdem zeigte er im ersten Gang, dass er selbst einem Unspunnen-Sieger (Daniel Bösch) paroli bieten kann.

Aargauer top, Solothurner flop

Hinter Alpiger sorgten die Aargauer Schwinger für eine eindrückliche Kranzrazzia. Sie heimsten 14 der 23 Exemplare ein. Die neun Gäste hielten sich mit sechs Kränzen einigermassen schadlos. Auch die Baselbieter Bilanz fiel mit dreifachem Eichenlaub solid aus. Überraschend gingen die Solothurner leer aus.

Der Mümliswiler „Eidgenosse“ Remo Stalder machte nach zwei verlorenen Gängen eine Verletzung geltend und gab auf. Ebenfalls unbefriedigend endete der Tag für Christoph Bieri. Das einstige Aargauer Aushängeschild verlor zuletzt gegen Sven Schurtenberger und verfehlte seinen 98. Kranz durch eine überstrenge Einteilung.