Eineinhalb Jahre ist es her, dass sich Ramona Härdi aus ihrem Heimatdorf Möriken-Wildegg im Aargau verabschiedet hat und mit Sack und Pack ins niederländische Heerenveen gezogen ist. Die heute 21-jährige professionelle Eisschnellläuferin wollte mit dem Umzug ihre Sportkarriere vorantreiben und fortan in der Eisschnelllauf-Nation Holland für das Team FrySk trainieren. Sie ist sich damals sicher: Das ist die richtige Entscheidung.

Vor drei Wochen packte Ramona Härdi ihre Sachen erneut zusammen. Sie entschliesst sich, das Abenteuer Holland zu beenden, noch bevor die laufende Saison vorbei ist. Für Härdi geht es zurück – zurück ins Schweizer Nationalteam, mit dem die Eisschnellläuferin ihre Saison beenden wird. Härdi hat gemerkt: «Für mich stimmt es nicht mehr hundertprozentig in Holland.»

Technik ist das A und O

In ihrer Zeit im Ausland lernt Härdi viel und wird stärker, aber sie macht nicht die gewünschten Fortschritte. «Ich bin in meiner Eisschnelllauf-Technik keinen Schritt weiter gekommen», erzählt sie. Im Vergleich zu ihren holländischen Teamkollegen begann Härdis Eisschnelllaufkarriere spät, erst mit 13 Jahren tauschte die frühere Inlineskaterin die Rollen gegen Kufen ein. «In Holland hingegen steht man schon von Kindesbeinen an auf dem Eis und beherrscht die Technik im Schlaf.»

Im Eisschnelllauf sei ebendiese Technik enorm wichtig: «Wenn du die nicht im Griff hast, kannst du noch so stark sein, dann wirst du trotzdem Letzte», erklärt Härdi. Durch ihren späten Karrierestart habe sie gerade in dieser Hinsicht noch viel zu lernen. Doch die technischen Übungen, die Härdi dafür bräuchte, bietet man ihr in Holland nicht. So fällt sie schliesslich die Entscheidung, ins Schweizer Nationalteam zurückzukehren.

Viermal Gold in St. Moritz

Der Neuanfang in ihrem alten Team hätte Härdi gar nicht besser gelingen können. Zwei Wochen nach ihrer Rückkehr aus Holland gewinnt sie an den Schweizer Meisterschaften in St. Moritz gleich viermal Gold. «Es war schön, zu sehen, dass ich es doch noch draufhabe. Auch wenn die Saison bisher nicht so optimal lief, wie ich mir das gewünscht habe», meint die 21-Jährige zu ihren jüngsten Erfolgen.

Ramona Härdi holte an den Schweizer Meisterschaften in St. Moritz gleich viermal Gold.

Ramona Härdi holte an den Schweizer Meisterschaften in St. Moritz gleich viermal Gold.

Nachdem sie sich Anfang 2018 zum ersten Mal für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang qualifiziert hatte, fiel es Härdi in dieser Saison schwer, an die Erfolge des letzten Jahres anzuknüpfen. Für die WM in Inzell, die am Wochenende stattfindet, konnte sich die Eisschnellläuferin nicht qualifizieren. «Das Niveau an der WM ist sehr hoch. Ich bin im Moment noch nicht so weit, dass ich mit der Weltspitze mithalten kann», meint Härdi. In der Disziplin Massenstart belegt sie den fünften Reserveplatz – «die Chancen auf eine Teilnahme sind aber sehr klein.»

Hingegen dabei sein wird die Eisschnellläuferin am Weltcupfinal U23 in Italien, wo sie gleich in drei Disziplinen antreten wird. Über 3000 m und im Massenstart belegt Härdi im Gesamtklassement momentan einen Platz unter den ersten drei: «Da muss ich fast am Final teilnehmen, um meine Position zu verteidigen.»

Bis ganz an die Spitze

Trotz der Nichtqualifikation für die WM bereut Härdi ihren Entschluss, das niederländische Team zu verlassen, nicht: «Genau, wie ich damals wusste, dass es die richtige Entscheidung ist, nach Holland zu gehen, weiss ich jetzt, dass es richtig ist, wieder im Schweizer Team zu trainieren.»

Verschwendete Zeit seien ihre eineinhalb Jahre im Ausland keineswegs gewesen. «Immerhin habe ich mich zum ersten Mal für Olympia qualifiziert – ganz so schlecht kann das Training dort also nicht gewesen sein», meint Härdi und lacht.

Trotzdem ist sich die Sportlerin sicher, dass ihr Platz für die nächsten vier Jahre im Schweizer Nationalteam sein wird – bis zu den Spielen 2022, für die sich Härdi erneut qualifizieren will. «Ich habe mit diesem Team eine super Chance. Wieso sollte ich die nicht nutzen?», sagt sie. Gemeinsam mit ihren Teamkollegen will Ramona Härdi die Schweiz im Eisschnelllaufen bis ganz an die Spitze bringen: «Wir wollen allen zeigen, dass man auch in der Schweiz weiss, wie Eisschnelllaufen geht – und nicht nur in Holland.»

Eisschnellläuferin Härdi: "Der Final wäre schon gross."

Eisschnellläuferin Härdi: "Der Final wäre schon gross."

Ramona Härdi wollte auch als Kind schon Sportlerin werden und bei Olympia dabei sein. Angefangen hat die 20-jährige Aargauerin mit Inline-Skaten, bevor sie durch das Training im Winter auf die Olympia-Disziplin Eisschnelllaufen aufmerksam wurde. Nun ist sie in der Eisarena in Gangneung als Olympionikin im Massenstart am Start. Eisschnelllauf ist die Lieblingsdisziplin der Koreaner. Im Stadion ist jeweils die Hölle los.