Fussball
Nganga – ein Mann zwischen Genie und Wahnsinn

Beim 2:1 gegen die Young Boys bereitet der Verteidiger ein Tor vor und verschuldet den Gegentreffer. Für Nganga ist der Erfolg eine Genugtuung gegen einen Ex-Verein.

Ruedi Kuhn
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Igor Nganga (r.) sieht beim Ausgleichstreffer nicht gut aus.

Igor Nganga (r.) sieht beim Ausgleichstreffer nicht gut aus.

Keystone

Wehe, wenn er los gelassen: Nach 50 Minuten setzt Aaraus Igor Nganga zum Rush an. Der bald 27-jährige Kongolese schüttelt nahe der Strafraumgrenze die YB-Cracks Milan Gajic und Moreno Costanzo ab und startet zu einem Lauf übers halbe Spielfeld.

Keiner kann ihn halten. Nach einem Traumpass zu Sven Lüscher und einem Schuss ins Glück führt der FC Aarau 1:0. Eine Minute später steht Nganga etwas zu weit weg von Raphael Nuzzolo. Der Flügelstürmer erwischt FCA-Torhüter Lars Unnerstall mit einem Heber. Die Young Boys gleichen zum 1:1 aus.

Nganga lässt sich trotz des Stellungsfehlers nicht beirren, fightet weiter wie ein Löwe und hat in der hektischen Schlussphase massgeblichen Anteil daran, dass es im Brügglifeld vor 6153 Zuschauern beim verdienten 2:1-Sieg des Aufsteigers bleibt.

Ein Vorkämpfer

Angesprochen auf sein unwiderstehliches Solo zu Beginn der zweiten Halbzeit, spricht Nganga von einer kuriosen Situation: «Ich schnappte mir an der Strafraumgrenze den Ball und war überrascht, dass mich kein YB-Spieler angegriffen hat. Ich lief und lief und lief. Dann sah ich Lüscher - und schon war der Ball im Tor.» Nganga spulte gegen die Berner wie immer ein enormes Laufpensum ab und gewann die Mehrzahl der Zweikämpfe.

Dass Aaraus Trainer René Weiler dem Team nach dem Überraschungserfolg zwei trainingsfreie Tage geschenkt hat, kommt dem Energiebündel gelegen. «Die Partie gegen YB hat sehr viel Kraft gekostet. In der Schlussphase war es brutal», sagt er. Logisch also, dass er die Freizeit in erster Linie für die Regeneration nützt. Zudem gibts den einen oder andern Spaziergang mit seiner Frau und den beiden kleinen Töchtern.

Keine Chance in Bern

Für Nganga ist der Erfolg gegen die Berner eine besondere Genugtuung. Schliesslich spielte er von 2005 bis 2008 im YB-Nachwuchs. Allerdings schaffte er den Durchbruch trotz des Super-League-Debüts am 24. September 2006 beim 1:2 in St. Gallen nicht. Nganga blickt zurück. «Ich habe in Bern eine schöne Zeit erlebt. Der Sprung in die erste Mannschaft gelang mir allerdings nicht.»

So wechselte er 2008 zum FC Schaffhausen. Drei Jahre später folgt der Transfer zum FC Aarau. Im Brügglifeld wurde er nach kurzer Anlaufzeit zur Stammkraft und erzielte in 80 Meisterschaftsspielen acht Tore. Während der Winterpause verlängerte Nganga den Vertrag mit dem FCA bis 2016. Das ist für beide Parteien ein guter Deal.

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