NLA-Handball
Newcomer Flavio Wick: Emotional, präsent und mental stark

In den letzten beiden Partien hat Flavio Wick dem Torhüter-Urgestein Martin Pramuk beim HSC Suhr Aarau die Show gestohlen. Doch wer ist der 19-Jährige aus Seengen ? Ein Porträt vor dem heutigen Auswärtsspiel in Stäfa (16.30 Uhr).

Fabio Baranzini
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Flavio Wick im Männerbad Seengen, wo er gerne seine Freizeit verbringt.

Flavio Wick im Männerbad Seengen, wo er gerne seine Freizeit verbringt.

Fabio Baranzini

«Bester Spieler» des Teams bei der Niederlage in Thun. «Matchwinner» beim ersten Saisonsieg gegen Kriens. So lautete das mediale Urteil nach den letzten zwei NLA-Auftritten des 19-jährigen Torhüters Flavio Wick im Kasten von Aufsteiger HSC Suhr Aarau.

Dass der 2,02 Meter grosse Rotschopf bei seinen Einsätzen auf der grössten nationalen Bühne gleich überzeugt, mag Aussenstehende überraschen. Nicht aber diejenigen, die ihn kennen. «Wenn wir nicht wüssten, dass Flavio über diese Qualitäten verfügt, hätten wir neben Martin Pramuk noch einen weiteren erfahrenen Torhüter verpflichtet», sagt HSC-Torhütertrainer Philipp Ramseier, der Wick seit sieben Jahren betreut.

Ungewohnte Situation

Und wie beurteilt der zuletzt viel gelobte Teenager selbst die Situation? «Es ist super, wie es derzeit läuft. Ich werde aber nicht immer so stark spielen wie gegen Kriens», wiegelt er ab. Dass er nach dem Sieg von fremden Personen auf seine Leistungen angesprochen wurde, ist für Flavio Wick noch ungewohnt.

«Im Coop hat mir eine ältere Frau gratuliert. Da wusste ich erst gar nicht, wie ich reagieren soll», sagt er schmunzelnd. Über die positiven Kommentare freut sich der Berufsmaturand aus Seengen, bildet sich jedoch nichts darauf ein. «Martin Pramuk ist die Nummer eins. Ich werde aber alles dafür tun, so viele Einsatzminuten wie möglich zu bekommen», so Wick, der auch noch beim B-Ligisten Möhlin zwischen den Pfosten steht.

Person mit zwei Facetten

Fragt man Philipp Ramseier, was seinen Schützling auszeichnet, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: «Sein Kopf. Er ist mental extrem stark.» Dem pflichtet Wick bei. «Ich kann schlechte Leistungen und negative Erfahrungen gut wegstecken.»

Das war nicht immer so. Als Kind war Wick jähzornig, konnte seine Emotionen nicht kontrollieren. «Wenn ich wütend war, hätte ich alles kurz und klein schlagen können», erinnert er sich. Dank einer Kinesiologie-Therapie kann er seine Wut kanalisieren – genauso die negativen Emotionen auf dem Feld.

«Ein Torhüter muss Leader sein»

Trotzdem ist Wick noch immer ein Spieler, der laut werden kann. Ein Spieler, der Emotionen ins Spiel bringt und Präsenz markiert. «Ein Torhüter muss ein Leader sein. Schliesslich hat er viel Verantwortung. Wenn er nichts hält, kann sein Team nicht gewinnen», sagt Wick.

Dass der Schlussmann der U21-Nationalmannschaft wegen seines Auftretens ab und zu als arrogant bezeichnet wird, stört ihn nicht. «Auf dem Platz muss ich so sein. Ausserhalb bin ich jedoch eher ruhig. Diese zwei Facetten gehören zu mir.»

Irgendwann will Wick den Schritt ins Ausland wagen – am liebsten zu den Rhein-Neckar-Löwen. Doch zuvor wartet auf ihn und seine Kollegen heute das Auswärtsspiel gegen Stäfa, wo der ehemalige Suhr-Torhüter Tobias Wipf spielt. Und die Suhrer wollen den Sieg. «Wenn wir Stäfa nicht schlagen, war der Exploit gegen Kriens für die Katz», so Wick.