Die Aarauer sind gebrannte Kinder. GC, Thun und den FC Basel haben sie in den Vorbereitungsspielen bezwungen. Allesamt Klubs aus der Super League. Dann aber sahen sie in der Challenge League bei sechs Niederlagen am Stück, was Testspielresultate aussagen: nichts. So ist es vielleicht ganz gut, haben sie gestern Morgen bei der Zweitauflage gegen die Hoppers nicht noch einmal gewonnen.

Nichtssagend – so müssen sie nun auch das Ergebnis vom Dienstag werten. Wer bloss das nackte Resultat sieht, könnte nämlich leicht erschrecken. Selbst wenn ein 5:2 eines Super-League-Klubs gegen den Tabellenletzten der Challenge League eigentlich nichts anderes als standesgemäss ist, klingt es verdächtig nach einer Lektion.

Eine Halbzeit lang sehr gut

Könnte man meinen. So aber war es nicht. Überhaupt nicht. Eine Viertelstunde vor Schluss führte Aarau nämlich nach Toren von Goran Karanovic und Martin Liechti noch mit 2:1. Doch die vielen Wechsel hatten die Partie nach und nach etwas konfus werden lassen, sodass durchaus gilt, was der Aarauer Trainer Patrick Rahmen hinterher sagte: «Eine Halbzeit lang waren wir sehr gut, während einer Stunde gut. Ich bin zufrieden.»

Erst in der Schlussphase waren die Zürcher durch Tore von Nabil Bahoui, Marco Djuricin, Raphael Holzhauser und Dylann Nyangi zum – viel zu hohen – 5:2-Sieg gekommen. Zwei Treffer davon waren Foulpenaltys gewesen.

Um noch kurz beim Rekordmeister zu bleiben: Es war ziemlich erschreckend, vor allem einsatzmässig, was dieser bot. Pomadig, ja lustlos, spulte er das Pensum ab. Ohne jegliches Tempo und den Ehrgeiz, dem Unterklassigen den Klassenunterschied aufzuzeigen. Da durfte auch nicht als Ausrede herhalten, dass diverse Spieler, verletzungsbedingt oder weil sie bei einer Landesauswahl weilten, nicht zur Verfügung standen. Es ist zu hoffen, dass Trainer Thorsten Fink seinen Akteuren erklärt, wie professionelles Verhalten ausschaut.

Eine ansprechende Leistung

Zum FC Aarau: Mit dem neu bis zur Winterpause verpflichteten Karanovic in der Startformation und mit Giuseppe Leo als Rechtsverteidiger neben dem ebenfalls frisch zum Team gestossenen Nicolas Bürgy, zeigte Aarau vor den Augen der Klubführung mit Präsident Alfred Schmid und Vizepräsident Roger Geissberger eine sehr ansprechende Leistung. Auch wenn anzufügen ist, dass die neu formierte Viererkette erstaunlicherweise wenig gefordert wurde.

Nachdem Varol Tasar in der Startphase in der Offensive der auffälligste Spieler gewesen war, traf Karanovic als Erster. Viele Wochen lang in Aarau Trainingsgast gewesen, wurde er mit einem sicher verwandelten Penalty gleich Torschütze. «Vor der Pause waren wir die klar bessere Mannschaft», sagte der Stürmer danach. «Ich fühle mich wohl in diesem Team, sonst hätte ich gar nicht erst unterschrieben. Physisch bin ich auf einem guten Niveau, brauche aber noch Spielpraxis.»

Nach einer Stunde hatte Rahmen dann mit Stefan Maierhofer auch die zweite Neuerwerbung für den Angriff gebracht. Der 36-Jährige, der einen Vertrag bis zum Saisonende unterschrieben und zuvor keine einzige Trainingseinheit mit dem FCA absolviert hatte, vergab zwar eine hochkarätige Kopfballchance, doch es war gut zu beobachten, dass er mit seiner Körpergrösse von 2,02 Metern und den 102 Kilogramm Gewicht enorm viel körperliche Präsenz ins Spiel bringt.

«Ich denke schon, dass ich der Mannschaft helfen kann», sagte der Modellathlet, der zuletzt in der heimischen Bundesliga für Mattersburg gespielt hatte. «Jetzt freue ich mich aufs Kurztrainingslager.» Hier hat er die Gelegenheit, die neuen Teamkollegen kennenzulernen.

Am Ende sogar Captain

Gleich nach der Partie reiste der FC Aarau ins Allgäu, um sich aufs Cupspiel gegen Xamax am Sonntag und die folgenden Aufgaben vorzubereiten. Alle machten den Trip mit, auch jene, die wegen Verletzungen noch nicht bereit sind, dem Team aus dem Schlamassel herauszuhelfen.

Bei Captain Gianluca Frontino etwa ist ungewiss, wann dessen Achillessehnenschmerzen abklingen und eine Rückkehr auf den Platz möglich wird. Aber mit Karanovic und Maierhofer hat der Trainer nun zwei Optionen mehr. Der Österreicher trug am Ende des Testspiels gegen GC sogar schon die Captainbinde…