Universiade
Neun Aargauer Sportler kämpfen an der Universiade in Kasan um Rang und Ehre

Die sportlichsten Studenten der Welt messen sich in Russland. In Kasan, der siebtgrössten Stadt Russlands, werden 10 442 Teilnehmer aus 162 Nationen erwartet. Die Schweiz reist mit 69 Athleten nach Kasan. Mit dabei sind auch neun Aargauer.

Andreas Fretz
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Matthias Gantner (24), Muri, Schach Das Superhirn: Weil die russischen Gastgeber Schach als zusätzliche Disziplin auswählten, erlebt auch der ETH-Student der Interdisziplinären Naturwissenschaften (9. Semester) seinen ersten internationalen Grossanlass. Gantner spielt in der NLA und NLB für Réti Zürich. In Kasan steht er an sechs Tagen über neun Runden im Einsatz. Er will sich aber nicht nur abschotten, sondern auch die Atmosphäre geniessen: «Wenn ich entspannt bin, spiele ich besser.»
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Jan Hochstrasser (24), Safenwil, Leichtathletik Der Glückspilz: Die Selektions-Limite von 1:48,70 hat der 800-m-Läufer um eine Hundertstel unterboten. Die Universiade hat für den BTV-Aarau-Athleten einen hohen Stellenwert: Die Mittelstrecken sind traditionell top besetzt, zudem will Hochstrasser mit Blick auf die EM 2014 in Zürich die Abläufe eines Grossanlasses kennenlernen. Der Betriebsökonomie-Student der Fachhochschule Nordwestschweiz (6. Semester) will in Kasan die Vorläufe überstehen.
Tobias Furer (25), Abtwil, Leichtathletik Der Langzeitstudent: Obwohl Furer bereits seit 12 Semestern Sport und Geografie an der Uni Basel studiert, ist es für den LK-Zug-Athleten die erste Universiade. Er startet über 110 m Hürden und hat kürzlich eine Zeit von 13,88 hingelegt. Vor zwei Jahren hätten 13,96 für den Einzug in den Universiade-Final gereicht. Doch die Konkurrenz ist schwer einzuschätzen. Furer ist in Form, strebt eine persönliche Bestzeit und den Final an und hofft auf eindrückliche Erlebnisse.
Christoph Hänggi (19), Gipf-Oberfrick, Volleyball Der Unbefangene: Der Mittelblocker des NLA-Clubs TV Schönenwerd will ganz unbefangen an den Grossanlass herangehen. «Solche Dimensionen wie in Kasan habe ich noch nie erlebt», sagt er, «ich bin gespannt, wie das wird.» Hänggi studiert Geschichte und Ethnologie an der Uni Basel (1. Semester) und will in Russland möglichst viele Erfahrungen sammeln. Er freut sich auf den Vergleich mit den Weltklassespielern aus Top-Nationen wie Brasilien und Polen.
Reto Giger (21), Aarau Rohr, Volleyball Der Geehrte: Für Giger sind die Spiele an der Universiade der erste internationale Einsatz. Der Schönenwerder Passeur hat sich im 3-wöchigen Trainingslager selektioniert. «Das ist für mich eine grosse Ehre», sagt er. Er will nicht nur «den Plausch haben», sondern auch sportlichen Erfolg. Um die nächste Runde zu erreichen, muss die Schweiz den zweiten Gruppenrang erreichen. Giger studiert Informatik an der Fachhochschule Nordwestschweiz (1. Semester).
Fabian Brander (26), Rothrist, Volleyball Der Überragende: Der Annahme-Spezialist des A-Ligisten TV Schönenwerd nimmt in Kasan bereits an seiner dritten Universiade teil. Mit seinen 1,98 Metern ist er der überragende Athlet im Schweizer Team. «Für Schweizer Volleyballer gibt es nicht Grösseres als die Teilnahme an der Universiade», sagt er. Vor zwei Jahren erreichte die Schweiz überraschend Rang 8, das möchte Brander wiederholen. Er studiert Bewegungswissenschaften an der ETH Zürich (10. Semester).
Olivia Wyss (25), Zofingen, Rudern Die Neugeborene: Die Athletin des Seeclub Sursee startet in Kasan im Leichtgewichts-Einer. Dank der Universiade hat sie die Freude an ihrer Sportart zurückgewonnen. Die letzte Saison mit der verpassten Olympia-Qualifikation verlief enttäuschend. «Jetzt fühle ich mich wie neugeboren», sagt sie. Wyss studiert an der ETH Zürich Lebensmittelwissenschaften (4. Semester). Ihr Ziel in Kasan ist die Teilnahme am A-Final mit den sechs besten Booten.
Yannick Käser (21), Mumpf, Schwimmen Der Olympionike: Der Fricktaler startet in Kasan über 50 m, 100 m und 200 m Brust und eventuell in der Lagenstaffel. Käsers letzte Saison war mit der Olympiateilnahme äusserst erfolgreich. In diesem Jahr spürt er die Doppelbelastung aus Studium und Sport. Käser studiert an der School of Commerce der Universität Virginia (2. Semester). Für das Mitglied der Limmatsharks wäre eine Finalqualifikation ein Erfolg, die besten Chancen rechnet sich Käser über 200 m aus.
David Karasek (25), Meisterschwanden, Schwimmen Der Medaillenkandidat: «Im Stillen erhoffe ich mir eine Medaille», sagt der Student der Business School Madrid, der gerade den Master in Finance abgeschlossen hat. Karasek startet bei seiner vierten Universiade über 100 und 200 m Crawl, 200 m Lagen und in der Staffel. 2009 erreichte er den fünften Rang. Für ihn ist Kasan der absolute Saisonhöhepunkt. «Die Universiade ist spannender als eine EM oder WM», sagt der Olympia-Teilnehmer von 2012.
Universiade: neun Aargauer für Kasan

Matthias Gantner (24), Muri, Schach Das Superhirn: Weil die russischen Gastgeber Schach als zusätzliche Disziplin auswählten, erlebt auch der ETH-Student der Interdisziplinären Naturwissenschaften (9. Semester) seinen ersten internationalen Grossanlass. Gantner spielt in der NLA und NLB für Réti Zürich. In Kasan steht er an sechs Tagen über neun Runden im Einsatz. Er will sich aber nicht nur abschotten, sondern auch die Atmosphäre geniessen: «Wenn ich entspannt bin, spiele ich besser.»

AZ

Der Timer auf der offiziellen Homepage zählt Sekunde für Sekunde herunter. Am Samstag, um 21.30 Uhr, wird der Zähler bei null angekommen sein. Dann sind sie eröffnet, die 11-tägigen Studenten-Wettbewerbe, die vom Namen her an die Olympischen Spiele erinnern.

Nur: Zugelassen sind einzig Sportler, die an einer Universität eingeschrieben und unter 28 Jahre alt sind.

Die Weltspiele der Studierenden werden im Zwei-Jahre-Rhythmus im Sommer und Winter vom Weltverband des Hochschulsports veranstaltet. Die Sommer-Universiade ist nach den Olympischen Spielen die zweitgrösste Multisport-Veranstaltung der Welt.

In Kasan, der siebtgrössten Stadt Russlands, werden 10 442 Teilnehmer aus 162 Nationen erwartet. Die bisher grössten Universiaden wurden 2011 in Shenzhen (China) mit 10 622 Teilnehmern und 2003 in Daegu (Südkorea) mit 174 teilnehmenden Ländern veranstaltet.

Das Wettkampfprogramm besteht aus 27 Disziplinen. 13 davon sind vorgeschrieben, 14 Sportarten dürfen vom jeweiligen Gastgeber ausgesucht werden. Die Russen haben sich unter anderen für Schach, Ringen und Gewichtheben entschieden.

69 Athleten aus der Schweiz

Die Schweiz reist mit 69 Athleten nach Kasan. Die gesamte Delegation umfasst 114 Personen. «Unser Ziel sind zwei Podestplätze und fünf Diplomränge», sagt Thomas Mörgeli, Head of Delegation.

Vor zwei Jahren in Shenzhen sammelten die Schweizer fünf Medaillen und 21 Diplome. Prominentester Vertreter und heissester Medaillenanwärter in Kasan ist Max Heinzer, die Fecht-Weltnummer 2 von der Fechtgesellschaft Basel.

Der Aargau ist mit neun Studenten vertreten. Die heissesten Eisen sind die Schwimmer David Karasek und Yannick Käser. Beide haben an den Olympischen Spielen 2012 in London teilgenommen.

Karasek erreichte an der Universiade 2009 den fünften Rang. Sein Problem in Kasan: Zwischen dem 200-m-Crawl- und dem 200-m-Lagenfinal liegen nur 12 Minuten Pause.

«Ich werde beide Vorläufe absolvieren», sagt Karasek, «den Final bestreite ich aber nur in jener Disziplin, in der ich mir bessere Chancen ausrechne. Lieber einmal Erster als zweimal Sechster.»

Besondere Atmosphäre

Wie alle Athleten freut sich Karasek auf die besondere Atmosphäre: auf die Eröffnungsfeier, das Beziehen des Zimmers im Athletendorf und auf neue Bekanntschaften. Für manche ist die Universiade ein einmaliges Erlebnis, für viele der Saisonhöhepunkt, für andere ein Vorgeschmack auf die Olympischen Spiele.

Einen Teil der Kosten müssen die Studenten selbst tragen. Je nach Verband liegt ihr Anteil zwischen 20 und 30 Prozent. «Ohne die Universiade wäre ich wohl nie nach Russland gereist», sagt Leichtathlet Jan Hochstrasser, «aber ich bin nicht als Tourist, sondern als Sportler in Kasan.»