In der Schlussviertelstunde spielt nur noch eine Mannschaft: Beim Stand von 1:1 wirft der FC Aarau alles nach vorne, die Rapperswiler kommen nicht mehr über die Mittellinie. Aber die Effizienz des FCA lässt zu wünschen übrig.

84. Minute: Tasar vergibt aus zehn Metern schon seine vierte Grosschance! 85. Minute: Neumayr schiesst von der Strafraumgrenze schon zum dritten Mal daneben! Wie viele Chancen braucht der FC Aarau für das Siegtor denn noch?

Dann die 86. Minute: Stefan Maierhofer kommt an den Ball, beweist ungeahnte Dribbling-Qualitäten und zieht ab. Doch der Schuss ist ein laues Lüftchen. Als die nächste Chance vergeben scheint, steht plötzlich Markus Neumayr da und lenkt den Ball mit dem Aussenrist an Rappi-Goalie Yanz vorbei ins Tor. Das Heimteam reklamiert Abseits – zu Unrecht: Ausgerechnet Jérome Thiesson, der im Sommer nach Aarau wechselt, hebt es auf. Der Treffer zählt, der FC Aarau hat die nächsten drei Punkte im Sack.

Aber was war das für ein hartes Stück Arbeit auf dem holprigen Rasen im Stadion Grünfeld. FCA-Trainer Patrick Rahmen sieht die Widerstände schon vor dem Spiel auf seine Mannschaft zu kommen und warnt in der Ansprache: «Seid bereit! Wir werden Rückschläge erleiden, nur mit der richtigen Einstellung können wir hier punkten!»

Guter Start wie gegen bereits gegen Wil

Der Beginn ist wie vor einer Woche gegen den FC Wil vielversprechend: Damals traf Marco Schneuwly in der dritten Minute zum 1:0; in Rapperswil braucht Varol Tasar nur drei Minuten länger, um den FCA in Front zu bringen. Der 22-Jährige versenkt eine herrliche Flanke von Linus Obexer per Kopf im Tor.

Wer denkt, der Traumstart verleiht dem FC Aarau Sicherheit, der irrt. Je länger, desto mehr überlässt Rahmens Team in der ersten Halbzeit dem Gegner das Spieldiktat. Die Rapperswiler kommen zwar zu keinen zwingenden Chancen, weil sie die erstaunlich vielen Räume nicht nutzen. Trotzdem: Einbilden können sich die Aarauer auf der Führung zur Pause nichts. Sie leben von der Schwäche des Heimteams.

Maierhofer schafft die nötigen Räume

Kurz nach der Pause wechselt Rahmen Stefan Maierhofer ein. Der Österreicher sitzt zu Beginn auf der Bank, weil sich nach dem Sieg gegen Wil keine Wechsel aufgedrängt haben. Das Theater um den geplatzten Wechsel sei, so Rahmen, kein Grund für die Nichtnomination des «Majors» gewesen.

Die Einwechslung Maierhofers bringt sofort die gewünschte Wirkung: Er schafft Räume für die Kollegen, insbesondere für Tasar, doch der hat mit dem Tor zum 1:0 scheinbar sein Pulver verschossen. In der 52. und in der 56. Minute schiesst er drüber, statt den Ball ruhig ins Tor zu schiessen. 

Aarau müsste längst höher führen. Und wie schon so oft im Fussball rächt sich die schlechte Chancenauswertung. Der Ausgleichstreffer zum 1:1 durch Schmied in der 69. Minute nach einem Freistoss ist doppelt ärgerlich. Denn zwei Minuten zuvor fliegt Rappis Rexhepi mit Gelb-Rot vom Platz, der FCA kassiert den Ausgleich also in nummerischer Überzahl.

«Das ist typisch», sagt Markus Neumayr, «wenn der Gegner einen Spieler weniger auf dem Platz hat, schaltest du im Unterbewusstsein einen Gang zurück. Aber natürlich darf uns das nicht passieren.»

Neumayr macht den Unterschied

Nach dem 1:1 zeigt der FCA jene Qualität, die ihn seit Wochen auszeichnet: Statt nach einem Rückschlag wie ein Kartenhaus auseinanderzufallen, legt die Mannschaft den Schalter wieder um. Ab der 75. Minute ziehen die Aarauer ein Powerplay vor dem gegnerischen Strafraum auf. Auch wenn das 2:1 erst in der 85. Minute fällt, angesichts des klaren Chancenplus ist der vierte Sieg in Folge für den FC Aarau hochverdient.

«Wir zeigen der Konkurrenz, dass wir auch in der Rückrunde da sind. Man merkt schon, wie die Gegner Respekt haben vor uns», sagt Neumayr. Der Neuzugang hat einen Traumstart hingelegt: Gegen Wil das vorentscheidende 2:0 erzielt, in Rapperswil den Sieg klargemacht. So kann es weitergehen. Mit Neumayr und mit dem FC Aarau. Weil Lausanne in Vaduz (2:2) und Winterthur in Kriens (0:2) gepatzt haben, ist der Abstand auf Rang 2 erneut geschrumpft.

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