2. Liga
Neuer Trainer, bekannte Ziele: Der FC Lenzburg verfolgt eine Top-3-Platzierung - trotz fehlender Kader-Breite

Der FC Lenzburg will mit dem neuen Trainer Samuel Drakopoulos an den Leistungen anknüpfen, die man vor Corona gezeigt hatte: Als unangefochtener Leader der 2. Liga. Doch so einfach ist das nicht.

Silvan Hartmann
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Trainer Samuel Drakopoulos im Training mit dem 2.-Liga-Team des FC Lenzburg
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Trainer Samuel Drakopoulos im Training mit dem 2.-Liga-Team des FC Lenzburg
So gehts! Trainer Samuel Drakopoulos im Training mit dem 2.-Liga-Team des FC Lenzburg
Trainer Samuel Drakopoulos gibt eine Übung bekannt

Trainer Samuel Drakopoulos im Training mit dem 2.-Liga-Team des FC Lenzburg

Severin Bigler

Der Corona-Lockdown mit dem abrupten Saisonabbruch liegt dem FC Lenzburg noch immer etwas schwer auf dem Magen. 6 Punkte betrug der Vorsprung nach absolvierter Hinrunde, Lenzburg dominierte die 2. Liga. Ja, der FCL befand sich auf dem Weg, ein Wörtchen mitzureden in Sachen Aufstieg in die 2. Liga inter. Dorthin also, wo sich der Verein mittelfristig gerne sehen würde.

Doch Ziele wurden noch selten ohne Höhen und Tiefen erlebt. Trainer Emilio Munera, der in der abgebrochenen Saison eine gute Mannschaft zu einem Topteam geformt hatte, warf völlig überraschend den Bettel hin. Weil er seine Leidenschaft für den Fussball nicht mehr habe ausleben können.

Nun steht der FC Lenzburg vor einer neuen Saison – und einem neuen Kapitel. Ein Altbekannter im Aargauer Fussball übernimmt: Samuel Drakopoulos. Der 46-jährige Schweiz-Grieche wird mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet.

«Es ist ein schöner Vertrauensbeweis und war mit ein Grund, diesen Schritt zu machen. Es zeigt auf, dass der FC Lenzburg auf Kontinuität setzen will. Während dieser Zeit kann ich mit der Mannschaft etwas aufbauen», sagt Drakopoulos, der Götti des Sohnes von FC-Lenzburg-Sportchef Carmine Viceconte.

Drakopoulos, als Spieler dreifacher griechischer Meister mit AEK Athen, und einst auch Spieler des FC Aarau und GC, hat nicht zuletzt auch als Trainer schon das eine oder andere Ausrufe­zeichen gesetzt.

Begonnen hatte er seine Trainerlaufbahn eher per Zufall. Als er sich im Herbst seiner Spieler­karriere befand, wurde der Trainer von Buochs entlassen, Drakopoulos übernahm und führte das Team prompt zum Aufstieg in die 1. Liga.

Als man ihm Mario Cantaluppi vor die Nase stellte, wechselte er nach Stans. Dort führte er den damals hoch verschuldeten Krisenklub innert sechs Jahren von der 4. Liga in die 2. Liga und war schliesslich sogar nur mickrige zwei Punkte vom Aufstieg in die 2. Liga inter entfernt. Und schliesslich schaut er auch auf seine letzte Station, dem FC Frick, dankbar zurück.

«Ein eher dünnes Kader»: 19 Spiele mit 17 Feldspielern?

Nun will er in Lenzburg seinen Trainererfolgen anknüpfen. Der erste Eindruck passt für Samuel Drakopoulos schon mal. «Man merkt schon, dass Lenzburg im Regionalfussball einen Namen hat, es ist alles etwas professioneller hier als anderswo.»

Nur etwas fiel ihm über­raschend auf: «Unser Kader zählt nur 20 Spieler, darunter drei Torhüter. Es fehlt etwas die Breite, wir haben eher ein dünnes Kader. Aber in der Mannschaft ist zweifellos Qualität vor­handen.»

Allfällige Verletzungen oder Absenzen werde das Team besonders zu spüren bekommen. Drakopoulos rechnet vor: «Überstehen wir im Cup eine Runde, so werden wir mit 17 Feldspielern in der Vorrunde 19 Spiele bestreiten. Ich freue mich auf diese Aufgabe, aber es ist eine Challenge. Es ist bereits klar, dass es Situationen geben wird, die wir gemeinsam meistern müssen.»

Ausserdem, so die Prognosen von Ligakennern, werde das Team die schwerwiegenden Abgänge ihrer zwei bewährten Aussenläufern noch zu spüren bekommen. Drakopoulos winkt ab: «Diese Mannschaft hat Charakter. Die Spieler haben gezeigt, zu was sie fähig sind. Ich bin zuversichtlich, dass sie das Positive der abgebrochenen Saison mitnehmen können.»

Der FC Lenzburg peilt einen Top-3-Platz an, was hat der Erfolgsdruck für ihn als Trainer zu bedeuten? «Ich habe schon so viel Druck in meiner Karriere erlebt, so schnell haut mich nichts aus den Socken. Ich weiss, dass wir hohe Ziele verfolgen und werde gemeinsam mit unserem Team mein Bestes geben.»

Es freut Drakopoulos, der in Nieder­gösgen ein Fitnessstudio führt, dass er mit Gerry Guarino seinen Wegbe­gleiter nach Lenzburg mitziehen konnte. «Wir arbeiten seit neuneinhalb Jahren zusammen und ergänzen uns sehr gut. Er ist längst nicht nur ein Assistent von mir, sondern auch ein ganz guter Freund geworden. Ich vertraue ihm zu 100 Prozent, auch weil er eine Philosophie verfolgt, die zu mir passt. Es ist schön, jemand solches an seiner Seite zu haben.»

Bleibt nur die Frage, ob sie es schaffen werden, den Saisonabbruch-Koller mit ihrem Team abzuschütteln und dort anzuknüpfen, wo der FC Lenzburg vor dem Lockdown aufgehört hat – als 2.-Liga-Dominator.