NLA-Handball

Neue Entwicklung im Fall Raemy/Skvaril: Der ehemalige HSC-Topskorer lehnt ein Vergleichsangebot ab

Milan Skvaril hat ein Vergleichsangebot von Nicolas Raemy aufgrund der dafür gestellten Bedingungen abgelehnt.

Milan Skvaril hat ein Vergleichsangebot von Nicolas Raemy aufgrund der dafür gestellten Bedingungen abgelehnt.

Wacker-Thun-Spieler Nicolas Raemy hat angeboten, seine Anzeige gegen Milan Skvaril zurückzuziehen. Dieser aber hat den Vergleich abgelehnt – die Bedingungen für den Rückzug der Strafanzeige gingen dem ehemaligen HSC-Tschechen zu weit.

Die Schlagzeile «Anzeige vom Tisch – Nicolas Raemy und Milan Skvaril einigen sich auf aussergerichtlichen Vergleich» hätte sich hervorragend für die Weihnachtsausgabe dieser Zeitung geeignet. Hätte. Denn es gibt keinen Vergleich. Ganz im Gegenteil.

Aber von Anfang an: Das Rencontre zwischen Ex-HSC-­Topskorer Milan Skvaril und Wacker-Spieler Nicolas Raemy in der Playoff-Viertelfinalpartie vom 23. April dieses Jahres beschäftigt die Justiz vorläufig weiterhin. Anfang Dezember bot Raemy an, das Strafverfahren gegen Skvaril wegen versuchter, schwerer Körperverletzung, eventualiter einfacher Körperverletzung und subeventualiter fahrlässiger Körperverletzung zu beenden. Das entsprechende Schreiben vom 6. Dezember 2019 liegt der AZ vor.

Handball: Das Rencontre von Milan Skvaril, Topskorer des HSC Suhr Aarau, mit Wacker Thuns Nicolas Raemy in Spiel 4 der Playoff-Viertelfinalserie der Saison 2018/19.

Das Rencontre von Milan Skvaril, Topskorer des HSC Suhr Aarau, mit Wacker Thuns Nicolas Raemy in Spiel 4 der Playoff-Viertelfinalserie der Saison 2018/19.

«Milan Skvarils Anwalt hat uns gegenüber verlauten lassen, dass er sich gerne aussergerichtlich einigen würde, wozu ich mit unserem Vorschlag Hand geboten hätte», sagt Raemy.

Bedingungen: Entschuldigung, Dementi und Geld

Warum haben Skvaril und Co. das nun abgelehnt? Der Angezeigte lässt über seinen Anwalt Rolf Müller ausrichten: «Die Bedingungen für den Vergleich sind allesamt inakzeptabel.» Zur Beendigung des Strafverfahrens stellte Raemy gegenüber Skvaril drei zentrale Forderungen:

  • Erstens hätte sich der Angezeigte schriftlich bei Raemy entschuldigen müssen. Ausserdem hätte er an dieser Stelle auch einen Zusammenhang seines Abganges beim HSC mit der Anzeige dementieren müssen.
  • Zweitens hätte Raemy den Inhalt der Entschuldigung Skvarils in seiner öffentlichen Kommunikation zum Rückzug der Anzeige verwenden dürfen.
  • Und Drittens hätte Skvaril einen Parteikostenbeitrag von 2500 Franken an Raemy leisten müssen.
Das Rencontre zwischen Milan Skvaril (oben) und Nicolas Raemy in den Playoff-Viertelfinals 2019.

Das Rencontre zwischen Milan Skvaril (oben) und Nicolas Raemy in den Playoff-Viertelfinals 2019.

Dass Raemy überhaupt zu einem aussergerichtlichen Vergleich bereit gewesen wäre, hat auch damit zu tun, dass der Schweizerische Handballverband SHV dabei ist, seine Praxis in Bezug auf grobe Verstösse an den europäischen Standard anzupassen. Wäre dem nicht so, würde der Vergleich hinfällig, wie eine weitere Bedingung in Raemys Vergleichsangebot klar macht.

«Mir ging es von Beginn weg nicht um meine Person, sondern um den Schweizer Handballsport als Ganzes. Mein Ziel war und ist es, dass Spieler auf dem Feld besser geschützt werden», erklärt Raemy den Zusammenhang mit seinem Angebot an Skvaril.

HSC zeigt sich irritiert, Verband dementiert

Das stösst dem HSC Suhr Aarau sauer auf: «Wir sind über die Vorgehensweise, den Kontakt und die Einflussnahme seitens des SHV irritiert. Dass ein Spieler eigene Verbandspolitik hinter dem Rücken aller anderen Vereine betreibt [...] ist alarmierend und nicht zu tolerieren», lässt Skvarils ehemaliger Arbeitgeber verlauten.

Das wiederum kann der SHV nicht so stehen lassen: «Einen Konnex zwischen einer Verschärfung der Sanktionierungspraxis und dem Fall Raemy/Skvaril kann ich nicht bestätigen», sagt Marco Ellenberger, Medienverantwortlicher des SHV.

Vielmehr habe eine Analyse ergeben, dass die Schiedsrichter im internationalen Handball grobe Verstösse schneller mit roten (Platzverweis) und blauen (Verfahrenseröffnung) Karten zücken als in der Schweiz. Diese Ergebnisse habe der SHV in Gesprächen mit Schiedsrichtern, Offiziellen und mehreren Schweizer Nationalmannschafts-Spielern, darunter auch Raemy, diskutiert und in die künftige Entwicklung miteinbezogen. «Aber», betont Ellenberger, «wir führen keine neuen Regeln ein. Es findet lediglich eine Sensibilisierung und Entwicklung statt.»

Das Strafverfahren läuft vorderhand normal weiter

Über sein weiteres Vorgehen nach der Ablehnung des Vergleichsangebotes ist sich Raemy selber am Freitagnachmittag noch nicht sicher: «Ich werde mich jetzt mit meinen Leuten beraten. Deshalb kann ich dazu noch nichts sagen.»

Juristisch gesehen ist es allerdings einfach: Vorderhand läuft das Strafverfahren ganz normal weiter.

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