Erstliga-Fussball

Nervenspiel statt Spektakel: Warum die Zukunft des Wohler Goalgetters Davide Giampà noch nicht geregelt ist

Davide Giampa muss sich vorderhand selber beschäftigen mit dem Ball.

Davide Giampa muss sich vorderhand selber beschäftigen mit dem Ball.

Der FC-Wohlen-Regisseur und -Goalgetter Davide Giampà spielte eine überragende Vorrunde, wartete aber mit der Unterschrift unter einen neuen Vertrag. Nun könnte dem 26-Jährigen die Coronavirus-Pandemie einen Strich durch die Rechnung machen.

«Mein Ärger über die Verschiebung des Heimspiels gegen Solothurn am 29. Februar war gross. Ich hätte damals nie gedacht, dass dies der Anfang einer monatelangen Zwangspause ist. Die Krise mit dem Coronavirus hat mir aufgezeigt, dass es Wichtigeres gibt als Fussball. Momentan zählen weder Erfolge noch Tore, sondern Solidarität und Verzicht. Ich verstehe, dass der Verwaltungsrat die März- und April-Löhne um fünfzig Prozent senkt. Der FC Wohlen liegt mir am Herzen. Trotzdem: Mich nervt diese Zwangspause, aber wen nicht?»

Das Zitat von Davide Giampà ist klar und deutlich. Einerseits bringt der 26-Jährige Verständnis für die schwierige Lage auf, in welcher der FC Wohlen steckt. Andererseits hofft er, dass der Corona-Albtraum so schnell wie möglich zu Ende ist.

Wer Giampàs Karriere von Anfang an verfolgt hat, der weiss, wie ehrgeizig er ist. Als Junior galt er als Ausnahmetalent. Seine Technik und seine Spielübersicht waren augenfällig. Als Profi schaffte er den Durchbruch aber nicht.

Mag sein, dass ihm der letzte Biss gefehlt hat. Viel mehr ins Gewicht fiel aber das Verletzungspech. Nach seinem Wechsel von Cham zu Wohlen im vergangenen Sommer startete Giampà allerdings durch. Und wie! In den bisherigen 13 Spielen schoss er zwölf Tore. Er war nicht nur Goalgetter, sondern auch Denker und Lenker im zentralen, offensiven Mittelfeld.

Giampà war von August bis November vergangenen Jahres einer der auffälligsten Spieler der 1. Liga. Beim FC Wohlen war er zusammen mit dem aufstrebenden Innenverteidiger Nicolas Künzli der Mann der Stunde. Vor dem vermeintlichen Rückrundenauftakt Ende Februar hatte Giampà also gute Karten. Zumindest auf dem Spielfeld.

Giampà ist einzige Teamstütze ohne verlängerten Vertrag

Neben dem Rasen konnte er sich trotz intensiven Gesprächen mit Verwaltungsrat Adrian Meyer nicht zu einer Vertragsverlängerung durchringen. Er ist bei den Freiämtern die einzige Teamstütze, die den Kontrakt noch nicht verlängert hat.

Der Grund für das Abwarten liegt auf der Hand: Hätte Giampà in der Rückrunde weiter ein Tor nach dem andern erzielt, wäre wohl das eine oder andere Angebot auf den Tisch geflattert. Der 27-jährige Regisseur als Sieger oder Verlierer? Wer weiss es zum jetzigen Zeitpunkt schon? Ein allfälliges Horrorszenario Saisonabbruch könnte dazu führen, dass er bezüglich eines neuen Vertrags zwischen Stuhl und Bank fallen wird.

Verständnis für die finanziellen Einschnitte

Mal schauen, was die Zukunft bringen wird. Das Schreiben des Verwaltungsrats am 24. März mit der Halbierung der Löhne von März und April hat Giampà gezeigt, dass zuerst einmal die Gegenwart bewältigt werden muss. Am 26. März kam es zu einer telefonischen Gesprächsrunde mit Verwaltungsratspräsident Andre Richner, Verwaltungsratsmitglied Adrian Büchler und dem Spielerrat des FC Wohlen. Diesem gehören Giampà, Marko Muslin, Stefano Geri, Esat Balaj und Stefano Geri an.

In der Diskussion rund um den finanziellen Bereich zeigten die fünf Spieler Verständnis für die Massnahmen der Freiämter. Schliesslich kämpft der FC Wohlen um die Sicherung der Existenz. Im Wissen darum, dass einer wie Giampà monatlich kaum mehr als geschätzte 2000 Franken verdient – also eine ordentliche Lohneinbusse hinnehmen muss – ist das nicht selbstverständlich.

Noch einmal voll auf die Karte Fussball setzen?

Bleibt die Frage, wie es mit Giampà weitergehen wird. Dass er neben dem Fussball einen Job in der Immobilienbranche hat, gibt ihm Sicherheit. Läuft alles nach Plan, wird er in den nächsten Monaten die Prüfungen für ein höheres Wirtschaftsdiplom abschliessen.

Und trotzdem: In seinem Hinterkopf schlummert immer weiter der Gedanke, nochmals voll auf die Karte Fussball zu setzen. Noch wartet er auf ein Profiangebot eines Klubs mit Ambitionen. Wer hat Interesse an Davide Giampà?

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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