Crashed-Ice-WM
Nervenkitzel und Geldsorgen: Kilian Braun vor der Crashed-Ice-WM

Der gebürtige Rothrister bereitet sich auf die Crashed-Ice-WM vor. Obwohl er in der Crashed-Ice-Weltrangliste als bester Schweizer klassiert ist, muss Braun nach wie vor für alle Kosten selber aufkommen - was die Vorbereitung schwierig gestaltet.

Pascal Kamber
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Kilian Braun kann sich in Pfäffikon richtig austoben.

Kilian Braun kann sich in Pfäffikon richtig austoben.

Hansueli Spitznagel

«Das erste Mal die Piste runterzufahren wird grossartig. Ich kann diesen Adrenalinschub kaum erwarten», antwortet Kilian Braun auf die Frage, wie es mit seiner Vorfreude auf die Crashed-Ice-WM-Saison 2015 steht. Der 27-Jährige muss sich allerdings noch ein wenig gedulden, bis er seinen Puls in die Höhe schnellen lassen darf. Erst am 24. Januar beginnt die Weltmeisterschaft mit dem Rennen in Saint Paul, Minnesota.

Obwohl der Wettbewerb, bei dem sich die Teilnehmer mit ihrer Eishockey-Ausrüstung in hohem Tempo in eine Downhill-Strecke stürzen, sieben Wochen später in Edmonton vor mehreren tausend Zuschauern bereits wieder zu Ende geht, hat das Kribbeln bei Kilian Braun begonnen. «Von Druck über Ungewissheit bis zum Nervenkitzel spüre ich alles», sagt der gebürtige Rothrister, der mittlerweile in Luzern wohnt. Es sei auch toll, alle WM-Starter wieder zu treffen. «Wir sind wie eine grosse Familie», schwärmt er.

Die Kombination ist entscheidend

Die verbleibende Zeit bis zum WM-Start möchte Kilian Braun nutzen, um sich körperlich in Form zu bringen. Seine Trainingseinheiten gestalten sich, wie es sich für einen Extremsportler gehört, ziemlich speziell. «Die Besuche im Kraftraum gehören auch dazu, aber oft trifft man mich dort nicht an», gesteht Braun. Umso mehr wagt er sich mit Skiern auf die Piste, spielt Eishockey oder rast mit dem Mountainbike steile Hänge hinunter. «Die Kombination macht es aus», so Braun.

Seit Kurzem konnte er sein Fitnessprogramm um eine Alternative erweitern. In Pfäffikon ZH hat der gelernte Schreiner, der zusätzlich zu seiner Karriere temporär arbeitet, beim Bau eines Indoor-Bike-Parks tatkräftig mitgeholfen. «Der frühere Downhill-Bike-Profi Claudio Caluori fragte mich an, ob ich Zeit hätte, ihn und sein Unternehmen Velosolutions zu unterstützen», erklärt Braun.

Nach rund einem halben Jahr ist der Bike-Park, der grösste seiner Art in Europa, fertiggestellt. Von den Wellen, Mulden und Sprungschanzen kann Kilian Braun enorm profitieren. «Für mich ist das ideal. Man lernt vieles, etwa das Kurvenfahren oder das Verhalten in der Luft bei einem Sprung», erklärt der Sieger von der Wahl zu Zofingens Sportstar 2013. Neben der Balance-Schulung sei auch der Spassfaktor grösser, «was im Kraftraum nicht der Fall ist».

Mehr Show als Sport

Nebst den Konkurrenten auf dem Eis hat Kilian Braun auch mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Obwohl er in der Crashed-Ice-Weltrangliste als bester Schweizer klassiert ist, muss Braun nach wie vor für alle Kosten selber aufkommen – im Gegensatz zu seinen Gegnern aus dem Ausland, die dank bezahlstarken Sponsoren den Sport professionell ausüben können. «Die Teilnahmen sind schwierig zu finanzieren», erklärt der Neo-Luzerner, der sich deshalb auf intensiver Sponsorensuche befindet. «Die Crashed-Ice-WM ist momentan mehr Show als Sport, das macht es trotz gestiegenem Medieninteresse nicht einfacher», sagt Braun weiter.

Aus diesem Grund hat er mit Kollegen die Gründung eines Vereins in Angriff genommen, mit dem der Bekanntheitsgrad der Sportart gesteigert und junge Talente gefördert werden sollen. «In erster Linie wollen wir das Ice-Cross-Downhill und Skate Cross Series, bei dem man mit Inlineskates durch einen Skate Park sprintet und das gleiche System hat wie alle Cross-Rennen», erklärt Kilian Braun, «das wäre für die Medien interessant, weil sowohl im Winter und Sommer etwas laufen würde.»

Ihr Plan beinhaltet neben dem Bau von Trainingsstrecken wie jener in Pfäffikon auch eine Steigerung der Anzahl WM-Rennen, etwa mit der Schweiz als Gastgeber. Dadurch hofft Kilian Braun, «dass unser Sport einer breiteren Masse bekannt wird.»

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