Challenge League

«Nehme ich auf meine Kappe»: Der Misic-Flop und weitere Erkenntnisse aus Aaraus starkem Auftritt in Thun

Ansprechende erste Halbzeit, sackstarke zweite Halbzeit und trotzdem knapp verloren: Nach vier Spielen ohne Niederlage erlebt der FC Aarau beim 0:1 in Thun am vergangenen Freitag einen denkwürdigen Abend. Was bleibt?

1. Der Trainer pokert mit Misic zu hoch

Seit der Länderspielpause spielte der FC Aarau drei Mal in Folge mit der gleichen Startelf und holte sieben Punkte. Pikant dabei: Captain Elsad Zverotic gehörte nicht dazu, er musste seinen Platz Eigengewächs Mats Hammerich abtreten. Dieser Hammerich verletzte sich in der Trainingswoche vor dem Auswärtsspiel in Thun. Logisch, dass nun Zverotic wieder in die Startelf rückt - oder?

Denkste! Wieder musste der Captain auf die Bank und feststellen, dass er nicht einmal mehr zweite Wahl ist. Trainer Stephan Keller stellte stattdessen das System um: Er beorderte den am Flügel zuletzt starken Rrudhani ins Zentrum und setzte auf links erstmals in dieser Saison auf Petar Misic.

Schon in der Startphase deutete sich an, dass dieser Schuss nach hinten losgehen könnte. Misic fand nicht in die Partie, verschuldete früh einen Handspenalty und im Mittelfeldzentrum klaffte ein Loch, da Rrudhani seine Rolle sehr offensiv interpretierte. Als Misic dann in der 30. Minute nach einer ultraharten zweiten Gelben Karte vom Platz flog, war der Flop endgültig Tatsache. 

Stephan Keller ist unberechenbar – und so überraschte es nicht, dass er auf Misic setzte und dafür sogar das Erfolgssystem der vergangenen Spiele opferte. Doch in diesem Fall pokerte Keller zu hoch. Hammerich mit Zverotic zu ersetzen, wäre die bessere Wahl gewesen. Einerseits aus sportlichen Gründen, andererseits wegen Zverotic: Dieser wird nach der erneuten Degradierung mehr denn je im Stolz getroffen sein.

Immerhin: Keller scheint seinen Fehler eingesehen zu haben. Nach dem Schlusspfiff sagte er: «Diese Niederlage nehme ich auf meine Kappe.»

2. Qollakus Pech ist Verbooms Glück

Was für ein Pech für Arjian Qollaku! Der 23-jährige Linksverteidiger zog sich nach einer Viertelstunde nach einem Zweikampf einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu. Qollaku musste notfallmässig ins Thuner Kantonsspital eingeliefert werden.

Die Saison ist für ihn gelaufen. Eine bittere Pille für den Abwehrspieler, der beim FC Aarau seit seiner Verpflichtung ein sicherer Wert auf der linken Abwehrseite war, jetzt aber monatelang ausfallen wird.

Immerhin: Starker Ersatz ist vorhanden. Denn für Qollaku kam Bryan Verboom. Der 28-jährige Belgier, ebenfalls Neuzugang, zeigte nach langer Verletzungspause sowohl defensiv als auch offensiv eine sackstarke Leistung und wird – sofern er gesund bleibt – noch viel Freude bereiten.

3. Kritik an Schiedsrichterin Staubli: Doch auch der FC Aarau profitiert

Nach Thun-Aarau gab die Leistung von Schiedsrichterin Esther Staubli viel zu reden. Im FCA-Lager regte sich man auch nach dem Schlusspfiff heftig über den Platzverweis gegen Petar Misic auf. Verständlich: Zwar stellt sich Misic beim Foul gegen Kablan nicht gerade geschickt an – doch für ein solches Allerweltsfoul einem Spieler, der bereits verwarnt ist, die zweite Gelbe Karte zu zeigen, zeugt von wenig Fingerspitzengefühl.

Bei allem Frust über Staubli beim FCA: Die Schiedsrichterin bewahrte die Gäste vor einem früheren Rückstand. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit traf Thun nach einem Corner zum 1:0 – zum vermeintlichen 1:0. Denn Staubli gab das Tor nicht und entschied stattdessen auf Foul an FCA-Goalie Simon Enzler. Ein Fehler: Denn da war gar nichts, Enzler war schlicht und einfach ohne Fremdeinwirkung gestolpert.

4. Penaltykiller Simon Enzler

Apropos Simon Enzler: Die Goalie-Leihgabe aus Luzern hat sich in den vergangenen Wochen als gelungener Transfer und starker Rückhalt herausgestellt. Seine Spezialdisziplin scheinen Penaltys zu sein: In Thun nämlich wehrte er bereits zum dritten Mal einen solchen im FCA-Trikot ab. Zur Erinnerung: Im Penaltyschiessen im Cupspiel gegen Wil wehrte Enzler zwei Versuche der Ostschweizer ab und wurde zum Matchwinner. Das hätte er auch in Thun werden können – aber weil der FCA die Partie trotz starker Offensiv- und Defensivleistung in Unterzahl doch noch verloren hatte, kann sich Enzler für seine Parade gegen Thuns Kablan nichts kaufen.

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