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Natnael Mesmer holt sich erstmals den Sieg am Brugger Abendrennen

Die diesjährige Saison der Brugger Abendrennen neigt sich dem Ende zu. Am Mittwoch wurde das zweitletzte Rennen des Jahres 2015 ausgetragen. Mit Natnael Mesmer gewann erstmals ein Ostafrikaner ein Brugger Abendrennen.

August Widmer
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Natnael Mesmer (links) gewann das elfte Brugger Abendrennen und gehörte zusammen mit den beiden Fricktaler Elite-Fahrern Reto Stäuble (hinten) und Jonas Weiss (nur angeschnitten im Bild) zu den dominierenden Figuren

Natnael Mesmer (links) gewann das elfte Brugger Abendrennen und gehörte zusammen mit den beiden Fricktaler Elite-Fahrern Reto Stäuble (hinten) und Jonas Weiss (nur angeschnitten im Bild) zu den dominierenden Figuren

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Die Brugger Abendrennen stehen in der 49. Saison. Als Trainingsrennen werden sie hauptsächlich von Rennfahrern aus dem Aargau und den angrenzenden Kantonen Zürich, Solothurn, Basel und Luzern besucht. Ein Blick in das Siegerbuch zeigt jedoch, dass die Brugger Abendrennen auch einen internationalen Anstrich haben.

In den bald fünf Jahrzehnten ihres Bestehens kamen mitunter Sieger auch aus Deutschland, Dänemark, England und sogar aus den USA, Australien und Südafrika. Besonders stolz sind die Brugger darüber, dass 1976 ein Franzose namens Bernard Hinault ein Abendrennen gewann. Fünfmal die Tour de France gewann Hinault erst nach diesem Erfolg im Brugger Schachen.

Flüchtling gewinnt als erster Ostafrikaner

Im Hauptrennen dieser Woche sorgte Natnael Mesmer dafür, dass sich erstmals ein Fahrer aus einem ostafrikanischen Land ins Siegerbuch eintrug. Der 25-jährige Eritreer gehörte der entscheidenden Sechserspitze an, die das Rennen dominierte und das Feld zu überrunden vermochte. Mesmer, der als Flüchtling aus Eritrea kommt, wohnt seit einigen Jahren in Birr wohnt und fährt seither auch für den RB Brugg. Von Beginn des elften Abendrennens weg gehörte er zu den dominierenden Figuren.

«Ich bin kein guter Sprinter. Das Bergauf-Fahren liegt mir besser. Da es in Brugg jedoch in jeder Runde Wertungspunkte gibt, zahlt es sich aus, wenn man häufig vorausfährt.» Mit dieser Taktik kam er beim Abendrennen dieser Woche nun zum Erfolg. Mesmer holte sich mit acht Punkten Vorsprung vor dem früheren Bahnprofi Christian Weber (Spreitenbach) und dem die Gesamtwertung weiterhin anführenden Reto Stäuble (Sulz) den Sieg.

Radsport als Mittel der Integration

Mesmer freute sich über seinen ersten Erfolg im Gastland Schweiz: «Bereits beim Kriterium von Olten hatte ich zu den Animatoren gehört. Aber resultatmässig zahlte sich dies am letzten Sonntag nicht aus. In Brugg wurde nun meine angriffige Fahrweise belohnt und ich kam erstmals zu einem Sieg.» Nachdem Mesmer während zwei Jahren als Amateur gefahren war - das beste Resultat gelang ihm vor Jahresfrist beim Rennen von Zunzgen, das er als Zweiter beendet - schaffte er auf diese Saison die Elite-Qualifikation und gehört seither dem EKZ-Team von Kurt Bürgi an.

«Ich mache im Moment einen Deutsch-Inventsiv-Kurs. Von daher habe ich eher weniger Zeit zum Trainieren als in den letzten Jahren. Ich trainiere jedoch erstmals nach Plan und intensiver. Dies zahlt sich nun aus.» Auch die Tatsache, dass der gebürtige Eritreer, der sich auch dank dem Radsport in der Schweiz gut eingelebt hat und von seinen Vereins- und Mannschaftskollegen voll akzeptiert ist, seit kurzem in einer eigenen Wohnung und nicht mehr im Flüchtlingsheim wohnt, wirkt sich positiv aus. «Mir gelingen nun Leistungen und Resultate, die in den letzten Jahren nicht immer möglich waren», freute sich Mesmer über seinen ersten Sieg an einem Abendrennen.

Güller revanchierte sich im Supersprint

Von den Favoriten hatten Timo Güller (Sulz), der letztjährige Saisonbeste, und Lukas Müller (Steinmaur), der Gewinner der beiden ersten Rennen dieser Saison, den entscheidenden Postabgang verpasst. In der Endphase versuchten sie zusammen mit dem im Brugger Schachen regelmässig vorne mitfahrenden Biker Fabian Paumann dem Feld noch zu entwischen. Aber mit der Überrundung des Feldes durch die Spitze war das Rennen gelaufen. Im Supersprint, der von den Saisonbesten bestritten wurde, revanchierte sich Güller für das Verpassen des entscheidenden Postabganges. Er gewann diese Sonderprüfung vor dem Querfahrer Timon Rüegg (Steinmaur).

Das Rennen des Nachwuchses wurde zum sechsten Male eine Beute des Anfängers Cyrill Steinacher (Sulz). Steinacher und der Zweitplatzierte Mauro Schmid (Steinmaur) verteidigten die ihnen gegenüber den Junioren eingeräumte Vorgabe einmal mehr sehr geschickt. Steinacher hat mit diesem Sieg die Gesamtwertung vor dem letzten Rennen bereits auf sicher. Im Supersprint, als die Anfänger und Junioren gleichzeitig starteten und so gleich lange Spiesse herrschten, setzte sich der Junior Lukas Schnider (Pfaffnau) gegen die beiden Fricktaler Steinacher und Dominik Weber (Oberhofen) durch.

Pech für Zwillingsschwestern

Im Nachwuchsrennen kam Martina Weiss (Sulz) als beste Frau auf den achten Rang. Pech hatten in diesem Rennen Corina und Rebecca Hasler (Gipf-Oberfrick). Das zweite radelnde weibliche Zwillingspaar aus dem Fricktal stürzte bei Rennhälfte im gleichen Augenblick so unglücklich, dass es einige blutende Wunden absetzte. Während Corina Hasler mit Schürfungen am Knie davon kam, musste Rebecca Hasler zum Nähen einer Kinnwunde zum Notfall-Arzt.

In den beiden Schülerrennen gab es keine neuen Siegergesichter. Dominik Weiss (Sulz) wiederholte bei den älteren Schülern den Sieg von der Vorwoche und gewann vor Keelan Senn (Gansingen). Bei den jüngeren Schülern kam Jan Christen (Gippingen) zum zehnten Saisonsieg. Nach Anzahl Siegen ist der Sohn des im Hauptrennen weiterhin mitfahrenden Ex-Profis Sepp Christen der erfolgreichste Fahrer der Abendrenn-Saison 2015.

Ergebnisse 11. Brugger Abendrennen 5. August 2015

Elite, Amateure: 1. Natnael Mesmer (Brugg) 52,8 km in 1:07:44 (46,772 km/h), 34 Punkte, 2. Christian Weber (Spreitenbach) 26, 3. Reto Stäuble (Sulz) 25, 4. Jonas Weiss (Sulz) 14, 5. Marcel Herzog (Kaisten) 13, 6. Peter Büchler (Brugg) 6, 7. eine Runde zurück: Timo Güller (Sulz) 41, 8. Lukas Müller (Steinmaur) 14, 9. Fabian Paumann (Rupperswil) 20, 10. Sepp Christen (Gippingen) 10.

Supersprint Elite: 1. Güller 32 Punkte, 2. Timon Rüegg (Steinmaur) 18, 3. Christen 14, 4. Michael Kyburz (Unterentfelden) 11, 5. Müller 8, 6. Weber 8, 7. Mesmer 7, 8. Paumann 1.

Junioren, Anfänger, Frauen: 1. Cyrill Steinacher (Sulz/Anfänger) 21,12 km in 29:46 (42,511 km/h), 36 Punkte, 2. Mauro Schmid (Steinmaur) 31, 3. Lukas Schnider (Pfaffnau/1. Junior) 21, 4. Sven Uhlmann (Safenwil) 21, 5. Robin Ender (Sulz) 7, 6. Sho Seibert (Sulz) 6. Ferner: 8. Martina Weiss (Sulz/1. Frau) 3.

Supersprint Nachwuchs/Frauen: 1. Schnider 35, 2. Steinacher 15, 3. Dominik Weber (Oberhofen) 10, 4. Robin Ender (Sulz) 8, 5. Martina Weiss 7, 6. Maxime Famularo (Sulz) 2.

Schüler. Jahrgänge 2001 und 2002: 1. Dominik Weiss (Sulz) 9,6 km in 14:43 (38,919 km/h), 28 Punkte, 2. Keelan Senn (Gansingen) 17, 3. Fabio Christen (Gippingen) 7, 4. Daniel Fellmann (Pfaffnau) 5, 5. Fabian Weiss (Sulz) 4, 6. Tobias Senn (Waldshut De) 0, 7. Fiona Eichenberger (Gränichen/1. Mädchen).

Jahrgänge 2003 und jünger: 1. Jan Christen (Gippingen/VMC Klingnau) 5,76 km in 10:42 (32,299 km/h), 15 Punkte, 2, Cyrill Weiss (Sulz) 7, 3. Leandro Schleuniger (Klingnau) 5, 4. Tobias Rauber (Riniken) 3, 5. Nicola Schleuniger (Klingnau) 2, 6. Silja Senn (Waldshut De/1. Mädchen) 2.

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