Skispringer Simon Ammann und Beachvolleyballerin Nadine Zumkehr beobachten die Szenerie während den National Summer Games in Bern. Der geistig behinderte Sportler Fabian Kamber wuchtet die vier Kilogramm schwere Kugel bis zur 5-Meter-Marke – eine deutliche Steigerung im Vergleich zur Qualifikation. Doch der Jubel hält nur kurz: Da der 18-Jährige, welcher am Tag des Wettkampfes seinen Geburtstag feiern durfte, seine Leistung aus dem Einstufungs-Wettkampf (Divisioning) um mehr als 15 Prozent verbessert hatte, wurde der Athlet des Behindertensportclubs Wohlen-Lenzburg disqualifiziert. «Schade», fanden die anwesenden Zuschauer, «aber das Reglement ist bekannt.» Anders lief es Kambers Vereinskollegen Stefan Kuhn über 1500 Meter. In seinem Lauf wurde er mit dem guten vierten Platz belohnt. Nach dem Lauf war der Athlet völlig ausgepumpt und doch unzufrieden: «Ich muss mich steigern und mich immer wieder selber herausfordern.» Kuhn wird später im Weitsprung-Wettkampf nicht minder erfolgreich sein als auf der Mittelstrecken-Distanz.

Motiviert durch Promis

Der Wohler ist seit über zehn Jahren dabei, genau gleich wie sein Mitstreiter vom PLUSport Zofingen, Andreas Benker. Er durfte bei der Eröffnungszeremonie die Fahne tragen und zeigt sich sichtlich stolz: «Es ist speziell. Wir bekommen schöne Kleider und dürfen diese nachher behalten.» Dass Persönlichkeiten aus Sport und Politik seine Wettkämpfe im Weitsprung und 100-m-Sprint verfolgten, hemmt ihn nicht. «Es motiviert und macht mich nur wenig nervös», sagte er mit einem Lächeln.

Insgesamt kämpften vergangenes Wochenende sieben verschiedene Aargauer Sportgruppen in 13 Sommersportarten um die begehrten Medaillen. In verschiedenen Stärkeklassen, in welche die Athleten nach dem Divisioning am Freitag eingeteilt wurden, gingen insgesamt 1500 Sportlerinnen und Sportler an den Start. Welchen Stellenwert diese Special Olympics haben, zeigt sich auch anhand des Prominenten-Auflaufes: Beachvolleyballerin Nadine Zumkehr, Doppel-Doppel-Olympiasieger Simon Ammann, Kunstturn-Europameisterin Giulia Steingruber, Schwingerkönig Matthias Sempach und viele mehr waren bei den Special Olympics dabei und übergaben an den emotionalen Siegerehrungen die Medaillen. Eine grosse Sache für die Athleten, welche ihre Idole hautnah kennen lernen durften.

Ueli Maurer ohne Berührungsängste

Auch Bundesrat Ueli Maurer zeigte im Gespräch mit den Teilnehmenden keine Berührungsängste und liess es sich nicht nehmen, bei der stimmigen Eröffnungsfeier auf dem Bundesplatz einige Worte an die Sportlerinnen und Sportler zu richten. Für einmal standen sie im Zentrum und erfahren durch ihre sportlichen Leistungen Wertschätzung, Akzeptanz und Anerkennung.