FC Aarau

Wieder kein Heimsieg, der Abstiegskampf naht: Nach dem 4:4 gegen Kriens bittet die FCA-Führung zur Krisensitzung

Der FC Aarau und der SC Kriens trennen sich nach einem wilden Schlagabtausch mit 4:4. Dabei kann die Truppe von Patrick Rahmen froh sein, am Ende nicht als Verlierer vom Feld gehen zu müssen. Marco Schneuwly rettet dem FCA in der 94. Minute mit seinem zweiten Treffer einen Punkt. Damit geht die Durststrecke weiter: Aarau wartet nun seit 8 Partien auf einen Sieg.

Geschlagene 45 Minuten lässt Aarau-Trainer Patrick Rahmen nach dem 4:4 gegen Kriens auf sich warten. Grund: Krisensitzung mit der Klubführung. Die werden doch nicht etwa ...? Nein! Als Rahmen schliesslich auftaucht, hat sich an seiner persönlichen Situation nichts verändert: Der 50-Jährige geniesst weiterhin das Vertrauen der Bosse. Besprochen wurde in den Räumlichkeiten der FCA-Geschäftsstelle, wie man nun einheitlich kommunizieren will. Und in einem zweiten Schritt, ob, und wenn ja, welche Massnahmen kurzfristig zu ergreifen sind.

Denn: Durch das achte sieglose Heimspiel in Folge hat sich der Vorsprung auf den Abstiegsplatz um zwei Punkte verkleinert. Chiasso, das am Samstag 2:0 gegen Wil gewann, liegt noch neun Zähler zurück. Und der FCA muss noch zwei Mal gegen die Tessiner antreten.

Stimmen zum Spiel – Interviews mit Olivier Jäckle und Cheftrainer Patrick Rahmen:

Ist der FC Aarau nun also im Abstiegskampf angekommen? Rahmen sagt: «Wir sind in einer gefährlichen Situation, die Lage ist ernst. Wir müssen in den nächsten Spielen punkten, um nicht in einen Negativstrudel zu geraten.» Was Rahmen nicht sagt, aber was wohl auch ihm Sorgen bereiten dürfte: Mit einer derart labilen Mannschaft, wie es die FCA-Ausgabe 2019/20 ist, in den Kampf gegen den Abstieg in die Promotion League und gegen den Absturz in den Amateurfussball zu ziehen, sind gruslige Aussichten. Es ist nach den bisherigen Erfahrungen in dieser Saison mehr als fraglich, ob die Spieler die im Überlebenskampf nötige Leidensfähigkeit an den Tag legen könnten.

FCA zeigt Anzeichen einer Siegphobie im Brügglifeld

Immerhin: Nach dem Spiel gegen Kriens blickt man in den Aarauer Reihen in keine zu¬friedenen Gesichter. Obwohl Marco Schneuwly in der fünften Minute der Nachspielzeit der Ausgleich zum 4:4 gelang und damit das Anrennen in der Schlussphase belohnt wurde. Doch es überwog die nüchterne Erkenntnis, dass dem FC Aarau im vierten Heimspiel hintereinander eine Pausenführung nicht reichte, um am Ende als Sieger dazustehen. Klare Anzeichen einer Siegphobie im Brügglifeld.

2:1 steht es nach den ersten 45 Minuten gegen Kriens. 45 Minuten, die wie erwartet mit einem stürmischen Heimteam beginnen. Doch die Flankenqualität lässt im gesamten Spiel zu wünschen übrig. Und mit Kriens steht dem FCA eine Mannschaft gegenüber, die sich von der optischen Unterlegenheit nicht aus der Ruhe bringen lässt und stinkfrech seine Gegenstösse lanciert. Ein solcher führt in der 23. Minute zu einem Freistoss an der Strafraumlinie, verschuldet vom schwächsten Aarauer Mehidic, und in der Folge zum 0:1 durch Sadrijaj.

Dann, aus dem Nichts, dreht der FCA die Partie: Ein Traumtor von Marco Schneuwly aus spitzem Winkel (36.) und Miguel Peralta, der beste Aarauer, mit einer ¬feinen Einzelleistung (38.) sorgen für die Pausenführung.

Peralta und Schneuwly stehen an diesem Nachmittag sinnbildlich für den FCA, bei dem sich Licht und Schatten fleissig abwechseln. Peralta verliert beim Treffer zum 3:2 für die Gäste (57.) Torschütze Dzonlagic aus den Augen. Schneuwly ermöglicht den Kriensern mit einem Handspiel den von Siegrist verwandelten Penalty zum 4:3, ehe er mit seinem zweiten Tor den einen Punkt sichert.

Das 2:2, das bereits in der 51. Minute fällt, muss Aarau-Goalie Nicholas Ammeter wegen eines missratenen Abwehrversuchs auf sich nehmen, Siegrist braucht den Ball nur noch über die Linie zu drücken.

Komplettiert wird das Spektakel durch das Tor zum 3:3 von Yvan Alounga (60.), der vor einer Woche in Lausanne noch überzählig war und gegen Kriens plötzlich in der Startelf steht. Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt auch die 18-jährige Sturmhoffnung: Robust im Zweikampf, mit viel Speed und einem guten Schussgesegnet, aber taktisch und punkto Spielverständnis weit entfernt von den Anforderungen in der Challenge League, geschweige denn in der Super League oder in einer noch höheren Liga, wo ihn dereinst viele Experten sehen.

Der Zustand von Shkelzen Gashi wirft Fragen auf

Bleibt der Blick auf zwei Personalien: Zuerst François Affolter, den der FC Aarau vergangene Woche verpflichtete. Dass die Mannschaft bei seinem Debüt vier Gegentore kassiert, spricht nicht für den Innenverteidiger. Doch abgesehen vom 2:3, vor dem er vom bärenstarken Abubakar düpiert wird, gefällt Affolter mit seinem Stellungsspiel und der Qualität, auch in Stresssituationen die spielerische Lösung zu finden.

Und dann Shkelzen Gashi: Auch im fünften Spiel nach ¬seiner Rückkehr zum FC Aarau verfolgt er das Geschehen auf der Tribüne. Dabei hiess es am Freitag, Gashi habe nach seiner Entzündung im Fuss wieder voll belastet und sei gegen Kriens einsatzbereit. Dann aber, nach dem Abschlusstraining am Samstag, habe Gashi wieder Schmerzen verspürt, begründet der Trainer die neuerliche Zuschauerrolle seines Starstürmers. Rahmen kann bei seinen Ausführungen zur Causa Gashi eine gewisse Ernüchterung nicht verstecken.

Für Gashi und für den ganzen FCA gilt an diesem Sonntagnachmittag einmal mehr: Der Zustand wirft Fragen auf.

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