FC Aarau

Nachhaltigkeit statt Erfolgszwang: Warum die Ablehnung der 12er-Liga für den FC Aarau auch sein Gutes hat

Obwohl die 12er-Liga nicht kommt, bleibt die Super League (für die Fans immer noch Nationalliga A) das langfristige Ziel des FC Aarau

Obwohl die 12er-Liga nicht kommt, bleibt die Super League (für die Fans immer noch Nationalliga A) das langfristige Ziel des FC Aarau

Gewissheit – in Zeiten von Corona in vielen Belangen ein Fremdwort. Der FC Aarau hat seit Donnerstag Gewissheit: Die Aufstockung der Super League von zehn auf zwölf Teams ist vom Tisch. Obwohl sie im Brügglifeld auf den anderen Ausgang der Abstimmung gehofft haben, Gewissheit ist immer besser als Ungewissheit.

Im Brügglifeld sitzt der Frust über die Beibehaltung des Status quo im Schweizer Profifussball tief: Im vergangenen Herbst schien die Ligarevolution noch Formsache, ehe die Verzögerungstaktik einer anfänglichen Minderheit Früchte trug und dann Corona dem Projekt endgültig den Todesstoss verpasste, weil sich die Aufmerksamkeit der hin- und hergerissenen Vereine auf die Existenzsicherung richtete.

Mit ein paar Tagen Abstand sollten die FCA-Verantwortlichen, allen voran der designierte Präsident Philipp Bonorand, die anfängliche Niederlage als Chance betrachten: als Chance auf einen nachhaltigen Aufbau anstelle von kurzfristig erzwungenem Erfolg.

Wäre es ab 2021/22 zur 12er-Super-League gekommen, hätten Bonorand, Sportchef Sandro Burki und Trainer Patrick Rahmen in der nächsten Saison mit aller Macht den Aufstieg angestrebt, da dieser für Challenge-League-Vereine dank zwei fixen Aufsteigern plus dem Umweg via Barrage so einfach wie noch nie zu realisieren gewesen wäre. Dafür hätte das FCA-Kader massiv verstärkt werden müssen, verbunden mit hohen Kosten: Qualität kostet, besonders im Fussball. Und danach? Wäre das Ziel «Super League» vielleicht schnell erreicht worden, aber wie stünde es um die finanzielle und sportliche Nachhaltigkeit? Käme es zum Exodus und demzufolge zu einem Scherbenhaufen, wenn der Aufwand für die Katz gewesen, sprich der Aufstieg nicht gelungen wäre?

Erfolgsorientierte Menschen mögen abwinken ob der These, dass ein Aufstieg auch zu früh kommen kann. Aber ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Zwang war noch nie ein durchschlagendes Erfolgsrezept. Siehe Paris St. Germain, das seit 2012 mit Scheich-Millionen gefühlt jedes Jahr den Trainer und den halben Kader auswechselt, seither aber auf dem Weg zum ersehnten Champions-League-Pokals jeweils spätestens im Viertelfinal scheiterte.

In den allermeisten Fällen kommt Erfolg nicht von heute auf morgen, sondern basiert auf einem soliden Fundament. Das sollte sich nun auch der FC Aarau zu Herzen nehmen: Der Absturz ins unterste Tabellendrittel nach dem Fast-Aufstieg im vergangenen Sommer deckt die fehlende Nachhaltigkeit schonungslos auf.

Bald-Präsident Philipp Bonorand hat schon angetönt, im Fall eines negativen Entscheids zur 12er-Super-League einen Drei-Jahres-Plan anwenden zu wollen, an dessen Ende der Aufstieg stehen soll. Rechtzeitig zum Einzug ins neue Stadion. Zeit, diesen Drei-Jahres-Plan mit Inhalt zu füllen, ist in der aktuellen Corona-Zwangspause genug da. Danach braucht es eine transparente und stringente Kommunikation nach aussen: Der FC Aarau muss sagen, wofür er in den nächsten Jahren stehen will und wie er das langfristige Ziel «Super League» erreichen will. Im Idealfall beginnt mit dem Anpfiff der nächsten Saison ein linearer Steigerungslauf, während dem nur punktuell Korrekturen am Kader vorgenommen werden. Jüngste Vorbilder sind Xamax oder Servette, die nach ihren Konkursen gezwungen waren, langfristig zu denken, und nun die Früchte ihrer Geduld ernten, in Form von Konkurrenzfähigkeit in der Super League.

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