Aargauer Sportler des Jahres
Nachfolgerin des Judo Teams Brugg gefunden: Kathrin Stirnemann wird Sportlerin des Jahres 2017

Die 28-jährige Mountainbikerin aus Gränichen wird an der Aargauer Sport-Gala als Sportlerin des Jahres 2017 ausgezeichnet. Sie gewann den WM-Titel in der Kategorie Eliminator.

Ruedi Kuhn
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Der Aargauer Sportminister Alex Hürzeler (r.) applaudiert der Aargauer Sportlerin des Jahres 2017, Kathrin Stirnemann.

Der Aargauer Sportminister Alex Hürzeler (r.) applaudiert der Aargauer Sportlerin des Jahres 2017, Kathrin Stirnemann.

Alexander Wagner

Wie heisst der Aargauer Sportler 2017? Ist es der Kunstturner Oliver Hegi aus Schafisheim, der an der EM 2017 im rumänischen Cluj-Napoca die Silbermedaille am Reck gewann? Oder ist es der Klasse-Handballer und 112-fache Internationale Marcel Hess aus Beinwil am See? Hess führte Pfadi Winterthur 2017 als Captain zum Cup-Sieg und wird seine glanzvolle Karriere Ende Saison 2017/18 beenden.

Siegerin Kathrin Stirnemann im Konfettiregen.
28 Bilder
Siegerin Kathrin Stirnemann (Mitte) mit Moderator Jann Billeter (links) und Regierungsrat Alex Hürzeler (rechts).
Siegerin Kathrin Stirnemann wird interview von Moderator Jann Billeter.
Die nominierten Sportler: v.l.n.r. Oliver Hegi, Kunstturnen, Michelle Heimberg, Wasserspringen, Siegerin Kathrin Stirnemann MTV und Handballer Marcel Hess.
Moderator Jann Billeter (links) interview Dimitri Isler, Ski Freestyle.
Der Preis der Vereinigung Aargauer Sportjournalisten VASJ überreicht durch Vizeprasident Wolfgang Rytz, zusammen mit Frau Gemeindeammann Marlene Koller von Untersiggenthal und Moderator Jann Billeter (ganz rechts).
Tennisspielerin Chelsea Fontenel singt live.
Ein Selfie für das Erinnerungsalbum: Badminton-Meister Team Argovia.
AZ-Medien-Verwaltungsrat Florian Wanner (r.) mit Kunstturnerin Anina Wildi.
Boxer Ezgon Maliqai posiert mit Nationalrätin Ruth Humbel.
Hochspringerin Livia Odermatt (l.) mit Regierungsrat Stephan Attiger.
Der Aargauer Sportminister Alex Hürzeler (r.) applaudiert der Aargauer Sportlerin des Jahres 2017, Kathrin Stirnemann.
Aargauer Sportgala 2018
Kathrin Stirnemann (rechts, MTB) mit Kunstturner Oliver Hegi
Moderator Jann Billeter (links) im Interview mit den AZ-Redaktoren Dean Fuss (Mitte) und Martin Probst
Nationalrätin Ruth Humbel posiert mit Boxer Egzon Maliqai und hat auch noch einen lockeren Spruch auf Lager: „Ich habe sogar Bochandschuhe zu Hause!“
U14-Schweizermeisterin im Tennis ist sie schon, die Nummer 1 der Welt will sie noch werden und singen kann sie auch: Chelsea Fontenel liefert den ersten Show-Act des Abends.
Der Boxer Egzon Maliqai sichert sich bereits heute einen Auftritt im SRF-Sportpanorama in fünf Jahren: Dann will er Profi-Weltmeister sein.
Die Handballer des TV Endingen machen die Garderobe.
Kulinarisch werden die Gäste an der Sportgala gut versorgt...
...wie Sie selbst sehen können.
Welcher Sportler/welche Sportlerin wird heute einen Blumenstrauss entgegennehmen dürfen?
Auch für genug flüssige Versorgung soll gesorgt sein.
Die Gäste treffen ein und lassen sich ablichten: Hier posiert die für den Hauptpreis Nominierte Kathrin Stirnemann (ganz links).
Der Aargauer Sport ist vielfätig. Viele Menschen sind gekommen. Der Apéro läuft.
Die Aargauer Sport-Gala 2018 findet in der Go Easy Arena in Station Siggenthal statt.

Siegerin Kathrin Stirnemann im Konfettiregen.

Alexander Wagner

Gewonnen hat überraschenderweise keiner von beiden: Hegi wurde nur Zweiter, Hess lediglich Dritter. Damit haben es die zwei meistgenannten Favoriten zwar aufs Podest geschafft – aber zuoberst steht mit der Mountainbikerin Kathrin Stirnemann aus Gränichen eine Frau. Verdientermassen! Die Weltmeisterin und Europameisterin 2017 in der Kategorie Eliminator war zum vierten Mal in Folge nominiert. Dreimal hatte sie keine Chance. Dreimal wurde sie auf die Plätze verwiesen. Beim vierten Anlauf durfte sie jubeln. Und wie!

AZ

Für die Spitzensportlerin aus dem Wynental hat es diesmal also gereicht. Kathrin Stirnemann konnte es nach der Bekanntgabe der frohen Botschaft kaum glauben. «Die Wahl zur Aargauer Sportlerin 2017 ist für mich einerseits eine grosse Ehre, anderseits eine grosse Genugtuung», sagt die 28-Jährige mit einem strahlenden Lächeln. «Es ist der Lohn für den Trainingsfleiss, das Durchhaltevermögen, die vielen Reisen und Rennen, die ich bestritten habe. Dass es beim vierten Anlauf endlich geklappt hat, ist für mich aber auch eine gewisse Erleichterung. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren habe ich mir diesmal tatsächlich Chancen auf den Titel ausgerechnet. Dass es jetzt endlich geklappt hat, ist eine wunderschöne Geschichte.»

Kathrin Stirnemann ist in Gränichen geboren und aufgewachsen. Nach dem Besuch der Schule absolvierte sie eine KV-Lehre in Unterkulm. Ihre Karriere als Mountainbikern lancierte sie in frühester Kindheit. «Ich spielte schon als kleines Mädchen zusammen mit meinem Bruder Matthias mit kleinen Klapper-Velos», blickt sie zurück. «Mein erstes ‹Pfüderi›-Rennen absolvierte ich im Alter von fünf Jahren. Ich musste gegen Buben antreten und schaffte es trotzdem auf Rang drei. Im Laufe der folgenden Jahre entdeckte ich meine Leidenschaft für die Sportart Mountainbike.»

Kathrin Stirnemann absolvierte 2012 die Sportler-Rekrutenschule in Magglingen und entschied sich im gleichen Jahr für eine Profilaufbahn. Während den vergangenen fünf Jahren schaffte sie es dank Ehrgeiz, Willensstärke und Leidenschaft bis an die Spitze. Nach den beiden WM-Titeln 2014 und 2017 hat sie sich auch für 2018 einiges vorgenommen. Ein erster Stresstest steht unmittelbar bevor: Am nächsten Montag wird sie für zwei Wochen nach Südafrika reisen. Fünf Tage später bestreitet sie ein Rennen in der Disziplin Cross-Country. In jener Disziplin also, auf die sie in den kommenden Monaten ihr Hauptaugenmerk legen möchte.

Wechsel in Olympia-Disziplin

Ihr grosses Ziel in diesem Jahr ist die Heim-WM im Herbst auf der Lenzerheide. Dort möchte sie es endlich mit den Besten im Cross-Country aufnehmen. Ende November würde sie in China gerne den WM-Titel im Eliminator verteidigen. Und das Fernziel? «Ich möchte mich für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio qualifizieren», sagt Kathrin Stirnemann. «Das wird allerdings schwer. Wenn ich an diesem Grossanlass in Japan mit dabei sein will, muss ich mich über das Cross-Country qualifizieren. Meine Paradedisziplin Eliminator ist leider nicht olympisch.»

An Selbstvertrauen dürfte es Kathrin Stirnemann in den nächsten Monaten nicht fehlen. Schliesslich war sie am Freitagabend die strahlende Siegerin und der grosse Star an der Aargauer Sport-Gala in der GoEasy Arena in Siggenthal Station. Dass sie den Titel Aargauer Sportlerin 2017 als Spitzenathletin einer Randsportart gewonnen hat, macht sie besonders stolz. «Und», fügt Kathrin Stirnemann hinzu, «wenn ich es dank meinem Erfolg schaffe, einige Mädchen und Buben für die Sportart Mountainbike zu begeistern, dann ist mein Glück komplett.»

AZ

So wurde die Sport-Gala zum grossen Event für Kathrin Stirnemann. Bleibt der Zusatz, dass die Veranstaltung zum Wohl der besten Aargauer Sportlerinnen und Sportler traditionsgemäss von Alex Hürzeler eröffnet wurde. Der Aargauer Landammann und Sportminister dankte in seiner Antrittsrede nicht nur allen Spitzenathletinnen und Spitzenathleten, sondern auch den Trainern, Betreuern und Funktionären.

Hürzeler hielt aber auch mit Kritik nicht zurück. «Bezüglich Infrastruktur hat der Kanton Aargau einen ziemlichen Nachholbedarf», sagte er. Konkreter wurde Hürzeler nicht. Dabei hätte er allen Grund gehabt, ein paar Worte zum aktuellen Drama rund um den Bau des geplanten Stadions des FC Aarau im Torfeld-Süd zu verlieren. Aber der Aargauer Fussball im Allgemeinen und die kriselnden FC Aarau und der FC Wohlen im Speziellen waren an der Gala kein Thema. Der Grund liegt auf der Hand: Der FCA und der FCW haben 2017 nichts, aber auch gar nichts gewonnen.