1998 hatte die deutsche Radrennfahrerin Daniela Gass zwei schwere Stürze. «Ich konnte in der Folge nicht mehr an meine Erfolge früherer Jahre anknüpfen», erinnert sich die Pfälzerin. An damals, als sie unter anderem sechsfache deutsche Jugendmeisterin auf der Bahn geworden war.

Der Traum von der ruhmreichen und lukrativen Profi-Karriere schien geplatzt. Gass zog sich ins zweite Glied zurück. Sie beendete ihre Karriere und schloss sich nach der Ausbildung zur Physiotherapeutin als solche der deutschen Frauen-Rad-Nati an. In dieser Funktion begegnete sie 2010, anlässlich eines Trainingslagers auf Mallorca, dem Aargauer Hobby-Radler Ruedi Keller.

«Er hat mich eingeladen, eine Runde mit ihm zu fahren», erzählt Gass. Aus der Begegnung auf der Balearen-Insel im westlichen Mittelmeer wurde bald eine Beziehung am Fusse des Achenbergs westlich des Rheins in Rietheim.» «Er hat mich motiviert, es noch einmal mit dem Radsport zu probieren», sagt Gass über ihren Lebenspartner. Schliesslich wird die aus Neustadt an der Weinstrasse stammende Daniela Gass im November erst 32-jährig.

Gass am Gas-Grill

Das Comeback der ehrgeizigen Wahl-Schweizerin hat es in sich. Andere würden sagen, sie ist durchgestartet, Gass selbst sagt, «es könnte noch besser und schneller gehen». Nun, letztes Jahr fuhr Daniela Gass an der Deutschen Strassen-Meisterschaft bereits wieder auf den 4. Rang.

Auf der Bahn wurde sie Dritte. Erfolge, die ihr auf diese Saison einen Profivertrag beim deutschen Team Abus Nutrixxion einbrachten. Ihr erster Werkskontrakt notabene. «Wobei es nicht so ist, dass ich jetzt steinreich werde», hält sie schmunzelnd fest. Material und Reisen an die Weltcups seien zwar bezahlt, aber erst vom Team-Standort Dortmund aus. «Es bleibt immer noch genug selber zu bezahlen.» Ergo arbeitet Daniela Gass halbtags im Kewa Radshop in Kleindöttigen in Verkauf und Büro.

Firmeninhaber Walter Keller ist auch ihr Mechaniker und technischer Berater. In dieser Saison stehen punkto Erfolg bis dato vorab der Sieg am Sechstagerennen in Bremen und der 4.Rang in der Schlussetappe der Luxemburg Rundfahrt (UCI-Rennen) zu Buche. Das nächste grosses Ziel ist die Deutsche Meisterschaft in zwei Wochen in Gremma bei Leipzig. Mit einer starken Fahrt kann sich Daniela Gass für eine WM-Selektion empfehlen. Sollte sie die Titelkämpfe sogar überlegen gewinnen, wäre selbst ein Olympia-Start in London nicht ausgeschlossen.

«Das glaub ich aber eher nicht», lächelt sie. An den Radsporttagen Gippingen (heute bis Sonntag) fährt Daniela Gass nicht «Ich finde es schade, dass es kein richtiges Frauenrennen gibt», sagt sie. So wird sie eben vor dem Geschäft, in dem sie arbeitet, direkt an der Strecke, unter anderem am Gasgrill Gass-Bratwürste brutzeln.

Bald Ehrenfeldwebel?

Ist Olympia in Rio 2016 ein Thema? «Wenn alles weitergeht wie bisher – wieso nicht», so Gass? Schliesslich ist die starke Sprinterin dannzumal erst 36. Die Französin Jeannie Longo ist siebenfache Olympia-Teilnehmerin. 2008, im Alter von 50 Jahren, startete die Olympiasiegerin 1996 in Peking letztmals olympisch und verfehlte die Bronzemedaille um nur 1 Sekunde.

2011 erhielt die 58-fache französische Meisterin und 13-fache Weltmeisterin die höchste zivile Auszeichnung Frankreichs und wurde in den Rang eines Kommandeurs der Ehrenlegion aufgenommen. Übrigens: Auch Longo hatte wie Daniela Gass ihre Karriere einst unterbrochen und war danach erfolgreicher denn je zurückgekehrt. Wer weiss also – vielleicht erhält Frau Gass ja eines Tages noch das Bundesverdienstkreuz und wird Ehrenfeldwebel der Bundeswehr-Biker.